Ein Tarnkappenflugzeug, das seine Bomben unter den Tragflächen trägt, ist eigentlich kein Tarnkappenflugzeug mehr. Der ganze Sinn einer schwer ortbaren Form wird zunichtegemacht, sobald man kantiges Metall außen anbringt. Deshalb ist der von Baykar am 30. Juli verkündete Meilenstein weitaus bedeutsamer, als das Wort "Test" vermuten lässt: Zum ersten Mal feuerte die türkische Bayraktar Kizilelma Waffen aus dem Inneren ihres eigenen Rumpfes ab.
Bei aufeinanderfolgenden Tests im Çorlu Flugtrainings- und Testzentrum in Tekirdağ hob die Serienmaschine – mit der Kennung S2 – ab, flog zu einem Testgelände, öffnete ihren internen Waffenschacht und warf zwei in der Türkei hergestellte Munition ab: eine Roketsan TEBER-82 und eine Aselsan TOLUN-P. Beide, so das Unternehmen, trafen ihre vorgesehenen Ziele.
- Was: Erste Munitionsabgabe aus dem internen Waffenschacht der Bayraktar Kizilelma.
- Wann: Bekanntgegeben am 30. Juli 2026
- Wo: Çorlu Flight Training and Test Center, Tekirdağ, Türkiye
- Zelle: Serienmodell, Kennzeichen S2
- Waffen: Roketsan TEBER-82 Lenkbombe und Aselsan TOLUN-P Gleitbombe – beide Volltreffer
- Warum das wichtig ist: Die interne Gepäckaufbewahrung erhält die geringe Radarsignatur, Geschwindigkeit und Reichweite des Jets.
Warum der interne Transport die schwierigste Aufgabe ist
Die Kizilelma ist das erste unbemannte Kampfflugzeug der Türkei: strahlgetrieben, mit schwanzlosem Canard-Rumpf und von vornherein auf geringe Radarsignatur ausgelegt. Außenliegende Waffen würden diese Formgebung für jedes moderne Radar verraten. Die interne Mitführung hingegen nicht – die Waffen befinden sich innerhalb der Formgrenze, wodurch sie weder die Radarsignatur noch den Luftwiderstand oder die Geschwindigkeit wesentlich beeinträchtigen.
Genau diese Fähigkeit sollte mit den Abschüssen vom 30. Juli unter Beweis gestellt werden. Ein interner Waffenschacht, der sich öffnen, eine Waffe sauber in den Luftstrom abgeben und sich wieder schließen kann, stellt eine äußerst schwierige technische Herausforderung dar – eine, die bisher nur wenige Nationen bei Kampfflugzeugen gelöst haben. Dies auf einer unbemannten Plattform ohne Pilot, der die Abfolge steuert, zu realisieren, ist noch schwieriger.

Eine temporeiche Testkampagne
Die Freigabe aus dem internen Waffenschacht ist der jüngste Schritt in einer Kampagne zur schnellen Integration. Die Kizilelma hat bereits die Luft-Luft-Rakete Gökdoğan, die Munition TOLUN und TEBER-82 KGK sowie LGK-82 abgefeuert und ein Ziel mit der Überschallrakete JET-230 getroffen. Am 29. November 2025 zerstörte sie vor Sinop ein strahlgetriebenes Luftziel mit einer Gökdoğan außerhalb der Sichtweite – gesteuert vom MURAD-AESA-Radar von Aselsan –, was laut Baykar den Kizilelma zum ersten unbemannten Kampfflugzeug machte, dem ein Luft-Luft-Abschuss dieser Art gelang.
Baykar finanziert das Programm selbst und profitiert dabei von einer starken Marktposition: Das Unternehmen blieb auch 2025 mit einem Rekordexportvolumen von 1,4 Billionen US-Dollar der weltweit größte Exporteur unbemannter Fluggeräte. Eine getarnte, waffenfähige Drohne stellt dabei das logische Flaggschiff dieser Produktlinie dar.
Was es signalisiert
Nichts davon macht die Kizilelma zu einem fertigen Kampfflugzeug; ein funktionsfähiger Waffenschacht ist nur eine von vielen Anforderungen. Doch es beseitigt einen wichtigen Makel der Konstruktion. Eine Drohne, die für das unbemerkte Eindringen in verteidigte Lufträume konzipiert wurde, kann dies nun mit ihren verborgenen Waffen tun – und genau das ist ja der Sinn der Tarnkappentechnik.
Quellen: Baykar; Türkiye heute; Der Flieger; Verteidigung Türkei.




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