Charles Blair: Der einsame Mustang, der den Nordpol durchquerte

by | 1. September 2026 | Geschichte & Legenden, Militärische Luftfahrt | 0 comments

Am Nachmittag des 29. Mai 1951 um 15:58 Uhr, ein roter P-51 Mustang Charles Blair startete mit nur einem Mann an Bord und ohne nennenswerte Funknavigationshilfen von Bardufoss in Nordnorwegen. Sein Ziel war es, allein in einem einmotorigen Jagdflugzeug, die Sonne als Orientierungshilfe nutzend, über den Nordpol nach Alaska zu fliegen.

Zehn Stunden und siebenundzwanzig Minuten später landete er in Fairbanks. Der Magnetkompass hatte die meiste Zeit über keine Funktion gehabt, genau wie er es erwartet hatte.

Kurzinfo

  • Pilot: Kapitän Charles F. Blair Jr. von Pan American World Airways
  • Flugzeug: North American P-51C-10-NT Mustang, 44-10947, registriert NX1202, genannt Excalibur III
  • Route: Von Bardufoss in Norwegen über den Nordpol nach Fairbanks in Alaska
  • Datum: 29. Mai 1951
  • Entfernung und Zeit: 3.260 Meilen ohne Pause in 10 Stunden 27 Minuten
  • Navigation: Astrocompass Mark II und vorab eingezeichnete Sonnenlinien
  • Bedingungen: Lufttemperaturen bis auf -25°F (-31,6°C); Polüberquerung in 22.000 Fuß Höhe
  • Wo es sich jetzt befindet: Steven F. Udvar-Hazy Center, Nationales Luft- und Raumfahrtmuseum

Ein Renn-Mustang mit einem Heckflügel voller Treibstoff

Die Excalibur III hatte bereits zwei Leben hinter sich, bevor Blair sie in seinen Besitz brachte. Sie wurde in Dallas als P-51C-10-NT gebaut und nach dem Krieg von dem Hollywood-Stuntpiloten Paul Mantz gekauft, rot lackiert und benannt. Mittagsflamme. Mantz gewann mit ihr 1946 und 1947 das transkontinentale Rennen um die Bendix Trophy. Umbenannt und von anderen geflogen, belegte sie 1948 den zweiten und 1949 den dritten Platz.

Mantz hatte etwas Drastisches unternommen, um dies zu ermöglichen. Er entfernte die serienmäßigen, selbstabdichtenden 90-Gallonen-Tanks und baute den gesamten Flügel zu einem Treibstofftank um – einem Nassflügel. Diese Modifikation war der eigentliche Grund, warum der Transpolarflug überhaupt möglich war.

Excalibur III wird im Steven F. Udvar-Hazy Center des Smithsonian aufbewahrt.
Excalibur III heute. Paul Mantz' Umbau auf Nassflügel verlieh dem Jagdflugzeug die Reichweite, die Blairs Flug ermöglichte. Foto: Wikimedia Commons

Pan American kaufte das Flugzeug für Blair, ihren Chefpiloten. Er gab ihm zuerst den Namen. Sturmvogel, Dann entschied man sich für die Excalibur III, nach dem Flugboot Sikorsky VS-44, das er für American Export Airlines geflogen hatte.

Vier Monate zuvor: Von New York nach London

Blair hatte die Mustang bereits genutzt, um auf die Problematik des Jetstreams hinzuweisen. Am 31. Januar 1951 flog er mit ihr in 7 Stunden und 48 Minuten von New York nach London, erreichte dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 446 mph und stieg in einem unpressurisierten Einsitzer-Jagdflugzeug bis auf 37.000 Fuß.

Es war eine bemerkenswerte Zeit für ein Flugzeug mit Kolbenmotor. Es wurde nie ein offizieller Rekord aufgestellt, da niemand die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) mit der Beobachtung beauftragt hatte.

Sich dort zurechtfinden, wo der Kompass liegt

Das Polarproblem lässt sich leicht formulieren, ist aber extrem schwer zu lösen. In der Nähe des magnetischen Pols driftet ein Magnetkompass ab oder zeigt einfach auf den Boden. 1951 gab es weder Satelliten noch Funkfeuer über dem Arktischen Ozean.

Blairs Lösung bestand darin, sich an der Sonne zu orientieren. In Zusammenarbeit mit Kapitän Philip Van Horn Weems, dem pensionierten Offizier der US-Marine, der sein Berufsleben der Entwicklung einer für Piloten nutzbaren Methode zur Himmelsnavigation gewidmet hatte, ließ er im Voraus Sonnenlinien für bestimmte Positionen und Zeiten berechnen. Im Cockpit überprüfte er diese mit einem Astrokompass Mark II.

Excalibur III im Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum ausgestellt
Der Mustang brachte Blair in zehneinhalb Stunden 3.260 Meilen über den Nordpol. Foto: Wikimedia Commons

Der Flugplan war reine Geometrie. Nordwärts entlang des 20. Längengrades, ostwärts über den Pol in 6700 Metern Höhe, südwärts entlang des 160. Längengrades bis zum 70. Breitengrad Nord, dann eine Kurve südöstlich Richtung Fairbanks. Falls die Sonnenlinien nicht stimmten oder er den Flugplan schlecht ausführte, gab es keinen Ausweichflugplatz und keine Rettung.

Sie hatten Recht. Er kam an.

Was es bewies

Präsident Truman überreichte Blair am 18. November 1952 im Weißen Haus die Harmon International Trophy. Diese Auszeichnung ist genau für solche Anlässe gedacht.

“Die herausragendsten internationalen Leistungen in der Kunst und/oder Wissenschaft der Luftfahrt des Vorjahres, wobei die Kunst des Fliegens den ersten Platz einnimmt.”
Die Kriterien der Harmon Trophy — Wie für Charles Blairs Transpolarflug im Jahr 1951 zitiert.

Die praktischen Folgen waren weitaus bedeutender als der eigentliche Erfolg. Blair hatte bewiesen, dass die Polarroute befahrbar und somit wirtschaftlich nutzbar war. Innerhalb weniger Jahre flogen Fluggesellschaften über den Nordpol und verkürzten die Flugzeiten zwischen Europa und Asien sowie zwischen Europa und der Westküste der USA um Stunden. Auch die Luftstreitkräfte des Kalten Krieges wurden aufmerksam: 1959 führte Blair, damals Brigadegeneral der Luftwaffenreserve, zwei F-100 Super Sabres nonstop von England nach Alaska über den Pol.

Er flog bis zuletzt. Blair kam am 2. September 1978 ums Leben, als eine Grumman Goose, die er für seine eigene Fluggesellschaft Antilles Air Boats steuerte, kurz nach dem Start in der Karibik einen Triebwerksausfall erlitt. Er war 69 Jahre alt.

Excalibur III wurde 1952 von Pan American an das Smithsonian übergeben. Heute hängt sie, restauriert und noch immer rot, im Udvar-Hazy Center. Es lohnt sich, darunter zu stehen und sich daran zu erinnern, dass dieser kleine Jäger einst mit nur einem Mann und einem Sonnentisch über den Nordpol flog.

Häufig gestellte Fragen

Who was Charles Blair?
Captain Charles F. Blair Jr. was an American aviation pioneer and Pan American World Airways chief pilot who worked out routes and navigation techniques for long-distance flight. Born in 1909, he later served as a brigadier general in the Air Force Reserve. He was killed in 1978 when a Grumman Goose he was flying suffered an engine failure.
What was Excalibur III?
Excalibur III was a North American P-51C-10-NT Mustang, serial 44-10947, registered NX1202. Paul Mantz had bought it after the war, named it Blaze of Noon and won the Bendix Trophy races of 1946 and 1947 with it. Blair acquired it and renamed it after the Sikorsky VS-44 flying boat Excalibur he had flown.
How did Charles Blair fly over the North Pole?
On 29 May 1951 Blair departed Bardufoss in Norway, flew north along the 20th meridian east, crossed the North Pole at 22,000 feet, then ran south down the 160th meridian west before turning southeast for Fairbanks, Alaska. He covered 3,260 miles non-stop in 10 hours and 27 minutes, alone.
How did he navigate without a working compass?
Near the pole a magnetic compass is useless, and in 1951 there were no radio beacons over the Arctic Ocean. Blair navigated by the sun, using an Astrocompass Mark II and a set of sun lines calculated in advance for specific positions and times by Captain Philip Van Horn Weems, a retired US Navy officer.
What made the transpolar flight possible?
Paul Mantz had stripped out the Mustang standard 90-gallon self-sealing tanks and converted the entire wing into a fuel tank, a so-called wet wing. That modification, made for air racing, gave the fighter the endurance it needed. Air temperatures during the crossing fell as low as minus 25 degrees Fahrenheit.
Where is Excalibur III today?
Pan American World Airways donated the aircraft to the Smithsonian Institution in 1952. Fully restored, it is on display at the National Air and Space Museum Steven F. Udvar-Hazy Center in Chantilly, Virginia. President Truman presented Blair with the Harmon International Trophy at the White House on 18 November 1952.

Quellen: Smithsonian National Air and Space Museum, This Day in Aviation, Wikipedia und Smithsonian Magazine. Es konnte kein Archivmaterial des Transpolarflugs zur Einbettung verifiziert werden.

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