Am Nachmittag des 24. Juni 1994 umkreiste ein 250 Tonnen schwerer Bomber den Kontrollturm der Fairchild Air Force Base in einer Kurve Nr. B-52 Es war nie so ausgelegt, dass es halten konnte. Der linke Flügel sank immer weiter ab – über 60 Grad, über 90 Grad –, bis der Riese schließlich nicht mehr flog. Er geriet ins Trudeln, überschlug sich, streifte die Stromleitungen und stürzte in einem Feuerball ab. Vier erfahrene Offiziere starben innerhalb von Sekunden.
Was den Absturz von Czar 52 zu einem der am besten untersuchten in der Luftfahrtgeschichte macht, ist die Tatsache, dass fast niemand, der den Piloten kannte, überrascht war. Die Katastrophe hatte sich drei Jahre lang vor aller Augen angebahnt, und jede Chance, sie zu verhindern, wurde verpasst.
Kurzinfo
- Flugzeug: Boeing B-52H Stratofortress, Hecknummer 61-0026, Rufzeichen “Czar 52”
- Datum: 24. Juni 1994, Fairchild AFB, Washington
- Flug: Übung für eine Flugshow-Vorführung
- Pilot: Oberstleutnant Arthur “Bud” Holland – Leiter der Abteilung für Standardisierung und Bewertung
- Besatzung verloren: Holland, Oberstleutnant Mark McGeehan, Oberst Robert Wolff, Oberstleutnant Ken Huston
- Ursache: eine 360°-Drehung um den Turm in ca. 76 m Höhe; Querneigung über 90°, Strömungsabriss und Absturz
- Vermächtnis: Ein Paradebeispiel für Flugdisziplin und gescheiterte Führung
Der beste Stick auf der Basis
Oberstleutnant Arthur “Bud” Holland galt allgemein als hervorragender Pilot mit tausenden Flugstunden auf der B-52. Er war außerdem Leiter der Abteilung für Standardisierung und Evaluierung des 92. Bombenflügels – also genau der Offizier, der für die Einhaltung der Regeln verantwortlich war, an die sich alle anderen hielten. Und ab 1991 brach er diese Regeln auf spektakuläre und wiederholte Weise: Querneigung und Nickwinkel weit jenseits der zulässigen Grenzwerte, Überflüge weit unterhalb der Mindestflughöhe, Manöver, die ein schwerer Bomber nicht ausführen sollte.
Alle Warnungen wurden ignoriert
Die Ermittler dokumentierten später einen Vorfall nach dem anderen: verbotene Wingover-Manöver bei einem Kommandowechsel, Filmaufnahmen von Bombenabwürfen aus dem Bombenschacht, ein Tiefflug über einen Hügel, der die Besatzungen sichtlich verängstigte. Jüngere Besatzungsmitglieder trauten sich nicht mehr, sich zu beschweren, da sie mit ansehen mussten, wie die Vorgesetzten die Verstöße beobachteten und lediglich eine mündliche Rüge murmelten.
1994 war die Angst offenkundig. Bei einem Einsatz flog Holland so weit unterhalb der Mindestflughöhe, dass ein Kopilot die Steuerung übernahm; danach weigerten sich die Besatzungsmitglieder kategorisch, jemals wieder mit ihm zu fliegen. Oberstleutnant Mark McGeehan, Kommandeur der 325. Bomberschwadron, ging noch weiter: Er verbot seinen Männern, mit Holland zu fliegen, es sei denn, er selbst war an Bord, um ihn zu beobachten. Aus diesem Grund saß McGeehan beim letzten Flug auf dem Kopilotensitz.

Die letzte Kurve
Das Training am 24. Juni diente der Vorbereitung auf eine Flugschau am darauffolgenden Wochenende. Mit an Bord war auch Oberst Robert Wolff, der stellvertretende Geschwaderkommandeur, der als Sicherheitsbeobachter auf seinem letzten feierlichen Flug vor dem Ruhestand mitflog. Seine Familie wartete bereits auf dem Vorfeld. Als ein Tankflugzeug auf der Landebahn ein Durchstartmanöver erzwang, bat Holland um eine enge 360-Grad-Kurve um den Tower in etwa 75 Metern Höhe.
Dreiviertel der Kurve hatte er den Bomber um mehr als 90 Grad geneigt. Bei dieser Höhe und Geschwindigkeit war eine Gegensteuerung nicht mehr möglich. Die B-52 geriet ins Trudeln, senkte einen Flügel und stürzte ab. McGeehan konnte zwar noch seinen Schleudersitz auslösen, aber es war viel zu spät. Alle vier Männer waren sofort tot.

Die im Feuer geschriebene Lektion
Weil ein privates Video die letzten Sekunden festhielt, wurde der Unfall von Czar 52 zu einem der meistanalysierten Unfälle in der Geschichte der Militärluftfahrt. Major Tony Kern verarbeitete ihn zu “Darker Shades of Blue”, einer Fallstudie, die heute weltweit Piloten und Führungskräften gelehrt wird – nicht als Geschichte über einen leichtsinnigen Piloten, sondern über eine Kette von Führungskräften, die die Gefahr drei Jahre lang erkannten und ihn nicht vom Flugdienst ausschlossen. Der Einsatzleiter des Geschwaders wurde später wegen Pflichtverletzung vor ein Kriegsgericht gestellt.
Der unangenehme Kern der Geschichte ist, dass der Absturz kein wirklicher Unfall war. Es war das vorhersehbare Ende eines Systems, das einen begabten Piloten zu sehr bewunderte, um ihn aufzuhalten – und das kostete drei unschuldige Besatzungsmitglieder zusammen mit ihm das Leben.
Quellen: USAF Aircraft Accident Investigation Board; “Darker Shades of Blue: A Case Study of Failed Leadership” von Major Tony Kern, USAF; HistoryLink.org; Wikipedia.
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