Vampire: Großbritanniens hölzerner Jet der Premieren

by | 29. Juli 2026 | Geschichte & Legenden, Militärische Luftfahrt | 0 comments

Großbritanniens zweiter Düsenjäger bestand teilweise aus Holz. Er hatte zwei Leitwerksträger anstelle eines Rumpfes, ein Triebwerk, das wie ein Fass hinter dem Piloten saß, und eine Sperrholznase, die direkt auf die Mosquito zurückging. Er wirkte improvisiert. War er aber ganz und gar nicht.

Die de Havilland Vampire sammelte Meilensteine wie andere Flugzeuge Flugstunden: Sie war das erste Düsenflugzeug, das auf einem Flugzeugträger landete und von diesem startete, das erste Düsenflugzeug, das den Atlantik überquerte, und eines der meistexportierten Kampfflugzeuge der frühen Düsenära. Und sie hielt sich in einem kleinen Land fast ein halbes Jahrhundert lang im Einsatz.

Kurzinfo

  • Hersteller: de Havilland Aircraft Company (viele wurden von English Electric gebaut)
  • Erster Flug: 20. September 1943, Prototyp LZ548, geflogen von Geoffrey de Havilland Jr.
  • Motor: de Havilland Goblin Zentrifugalstrahltriebwerk
  • Konfiguration: Einmotorig, Doppelleitwerksträger; vorderer Rumpf aus geformtem Sperrholz
  • Erste Landung eines Flugzeugträgers: 3. Dezember 1945, Eric "Winkle" Brown, HMS Ocean
  • Erster Jet über den Atlantik: sechs RAF Vampire F.3, Juli 1948
  • Gebaut: ungefähr 3.300, in etwa 15 Versionen
  • Bediener: rund 31 Luftwaffen – die Schweiz flog es bis 1990

Holz und ein Fass Schub

Der Prototyp der Vampire absolvierte seinen Erstflug am 20. September 1943, nur wenige Monate nach Großbritanniens erstem Düsenjet, der Gloster Meteor. Während die Meteor zwei Triebwerke besaß, musste die Vampire mit einem auskommen – Frank Halfords Goblin, einem robusten Radialstrahltriebwerk, das Flug Das Magazin sollte später zu den zuverlässigsten seiner Art gezählt werden.

Um den einzelnen kurzen Strahltriebwerksauslass effizient zu gestalten, teilte de Havilland das Heck in zwei Ausleger und packte Pilot und Triebwerk in eine kurze zentrale Gondel. Der vordere Rumpf bestand aus Formsperrholz – Balsaholz zwischen Birkenholz – eine Technik, die das Unternehmen bei der hölzernen Mosquito perfektioniert hatte. Sie war leicht, stabil und in Zeiten von Aluminium völlig unmodern.

Eine im RAF Museum erhaltene de Havilland Vampire
Eine de Havilland Vampire F.3, deren Doppelauslegerkonstruktion deutlich zu sehen ist. Foto: Wikimedia Commons.

Das erste Flugzeug, das ein Flugzeugträgerdeck berührte

Am 3. Dezember 1945 landete Testpilot Eric "Winkle" Brown mit einer Sea Vampire mit Hakenantrieb auf dem Deck der HMS Ocean vor der Isle of Wight – die erste Landung und der erste Start eines reinen Strahlflugzeugs auf einem Flugzeugträger. Es war ein Meilenstein, und er ereignete sich neun Monate, bevor die US Navy dasselbe Kunststück vollbrachte.

“Die Landung an Deck ist ein bisschen wie russisches Roulette.”
Kapitän Eric "Winkle" Brown — Cheftestpilot der Marine, bei Flugzeugträgerlandungen (Vulcan to the Sky Trust)

Aufzeichnungen und ein überquerter Ozean

Die Vampire setzte immer neue Maßstäbe. Im März 1948 erreichte John Cunningham mit einer Maschine eine Höhe von 18.119 Metern (59.446 Fuß) – ein neuer Höhenweltrekord. Im Juli desselben Jahres überquerten sechs Vampire F.3 der No. 54 Squadron den Nordatlantik über Schottland, Island und Grönland – als erste Düsenflugzeuge überhaupt. Für einen Jagdflieger, der teilweise aus Sperrholz gefertigt war, war dies eine bemerkenswerte Erfolgsserie.

Eine de Havilland Sea Vampire
Eine Sea Vampire – die Marinevariante des Flugzeugtyps, die im Dezember 1945 die erste Landung eines Düsenflugzeugträgers durchführte. Foto: Wikimedia Commons.
“Ein sehr gutmütiges Flugzeug, einfach zu fliegen und mit sehr gutmütigen Flugeigenschaften.”
Kapitän Eric "Winkle" Brown — Cheftestpilot der Marine über das Fliegen der Vampire

Die Schweizer Verbindung – und ein langer Abschied

Rund 31 Luftwaffen flogen die Vampire, und etwa ein Viertel aller Flugzeuge wurde im Ausland in Lizenz gefertigt. Die Schweiz gehörte zu den engagiertesten Betreibern: Ihre vor Ort montierten und gewarteten Vampires blieben bis 1990 im aktiven Dienst – damit war die Schweiz die letzte Nation, die diesen Flugzeugtyp noch operativ einsetzte, Jahrzehnte nachdem die RAF ihn bereits ausgemustert hatte.

Nachtjäger- und zweisitzige Trainerversionen sorgten dafür, dass das Design noch lange einsatzfähig blieb, nachdem es als Tagjäger längst überholt war. Letztendlich lag das größte Vermächtnis der Vampire nicht in ihrer Geschwindigkeit oder Feuerkraft, sondern in ihrer Reichweite: Sie führte Dutzende von Luftwaffen – und Tausende von Piloten – ins Jetzeitalter ein, und das mit einer unauffälligen, gutmütigen Flugweise.

Quellen: Wikipedia; RAF Museum; Vulcan to the Sky Trust (Interview mit Eric Brown); Geschichte der Schweizer Luftwaffe.

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