Ethiopian Airlines verhandelt über eine weitere Großbestellung bei Airbus.

by | 18. Mai 2026 | Luftfahrtwelt, Nachricht | 0 comments

Die meisten afrikanischen Fluggesellschaften haben das letzte Jahrzehnt mit dem Überleben verbracht. Ethiopian Airlines hingegen hat versucht, alle anderen Fluggesellschaften des Kontinents – und sogar einige außerhalb – zu überflügeln. Die Fluggesellschaft mit Sitz in Addis Abeba befördert mehr internationale Passagiere als jede andere Airline südlich der Sahara. Sie ist der größte Frachtbetreiber Afrikas. Ihr Hauptdrehkreuz, der Bole International Airport, fertigt mittlerweile mehr Transitpassagiere ab als jeder andere Flughafen in Subsahara-Afrika. Mitte Mai 2026 kamen Berichte auf, wonach die Fluggesellschaft in ersten Gesprächen mit Airbus über eine neue Bestellung von Großraum- und Regionalflugzeugen steht – angeblich über sechs weitere A350 und rund zwanzig A220, die die ersten Airbus-Schmalrumpfflugzeuge von Ethiopian wären.

Für einen Kontinent, den Luftfahrtexperten regelmäßig abgeschrieben haben, ist dies ein außergewöhnlicher Moment. Äthiopien agiert wie das afrikanische Gegenstück zu Singapore Airlines – und Toulouse beobachtet dies erwartungsgemäß genau.

Kurzinfo
FluggesellschaftEthiopian Airlines (ET)
NabeInternationaler Flughafen Addis Abeba Bole (ADD)
GesprächeFrühe Verhandlungen mit Airbus, Mai 2026
besprochener TypBerichten zufolge ≈ 6 zusätzliche A350 und ≈ 20 A220 – letztere wären die ersten von Ethiopian Airlines.
Aktuelle Airbus-FlotteEtwa 17 A350-900 im Einsatz
Umfassendere StrategieVerdopplung der Flotte auf 271 Flugzeuge bis 2035 (Plan Vision 2035)

Eine afrikanische Fluggesellschaft, die wie eine nationale Fluggesellschaft agiert

Ethiopian Airlines verfolgt mit ihrer Vision 2035 einen klar definierten und konsequent umgesetzten Plan: 271 Flugzeuge bis 2035, gegenüber einer aktuellen Flotte von rund 150 Maschinen. Die Fluggesellschaft hat bereits Bestellungen für mehr als 30 Airbus A350 (eine Mischung aus A350-900 im Einsatz und A350-1000 in Auftrag gegeben) sowie Festbestellungen auf der Dubai Airshow 2023 für elf Boeing 787-9 und 20 Boeing 737 MAX. Eine weitere Bestellung von Großraumflugzeugen würde Ethiopian Airlines in die gleiche Liga wie Lufthansa oder British Airways katapultieren – ein bemerkenswerter Erfolg für eine Fluggesellschaft aus einem Land mit einem BIP pro Kopf von rund 1.000 US-Dollar.

Die Wirtschaftlichkeit dieser Verbindung hat einen bestimmten Grund: Ethiopian Airlines ist die bevorzugte Fluggesellschaft für Umsteigeverbindungen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Ein Passagier, der von Lagos nach Peking, von Johannesburg nach Mumbai oder von Luanda nach Frankfurt reist, fliegt fast immer über Addis Abeba. Die geografische Lage ist günstig, die Airline wird professionell geführt, die Kosten sind niedrig und das Streckennetz ist dicht.

Ethiopian Airlines A350-900
Ein Airbus A350-900 der Ethiopian Airlines. Die Fluggesellschaft betreibt bereits rund 17 A350 und verhandelt derzeit über die Anschaffung weiterer Großraumflugzeuge. Foto: Wikimedia Commons

Warum Airbus und nicht Boeing?

Ethiopian Airlines hat in der Vergangenheit eine ausgewogene Flottenbeschaffung zwischen Airbus und Boeing angestrebt. Die aktuellen Verhandlungen bringen dieses Gleichgewicht aufgrund dreier Einschränkungen ins Wanken. Erstens läuft Boeings 787-Produktionslinie an ihrer Kapazitätsgrenze, und die Liefertermine vor 2030 sind größtenteils vergeben. Zweitens ist das 777X-Programm jahrelang im Verzug, und die 777-9 ist noch nicht zertifiziert. Drittens ist der Airbus A350-1000 – größer, mit größerer Reichweite und besserer Wirtschaftlichkeit pro Sitzplatzkilometer auf den langen, dünn frequentierten Hauptstrecken, die Ethiopian Airlines in ihr Angebot aufnehmen möchte – bereits in Produktion und verfügbar.

Ethiopian Airlines gab an, verschiedene Optionen zur Unterstützung ihres Wachstumsprogramms „Vision 2035“ bei beiden Herstellern zu prüfen. Konkrete Zahlen oder Varianten wurden von der Geschäftsleitung bisher nicht bestätigt. Die entscheidende Frage ist jedoch, welcher Hersteller die benötigten Stückzahlen in den nächsten 36 bis 48 Monaten liefern kann. Die Antwort deutet stark auf Toulouse hin.

Mesfin Tasew
Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind, beschreiben sie als vorläufig, es wurde noch keine endgültige Vereinbarung bekannt gegeben – und die Verfügbarkeit von Lieferterminen dürfte ein entscheidender Faktor dafür sein, wie der Auftrag zwischen den Herstellern aufgeteilt wird.
Ethiopian Airlines – Airbus-Gespräche — wie Bloomberg und andere berichten, Mai 2026
Ethiopian Airlines 787-9
Ethiopian Airlines setzt ihre Boeing 787-9-Flotte parallel zu ihren Airbus A350 ein – die Fluggesellschaft ist seit Langem ein Kunde, der beide Marken gleichermaßen nutzt. Foto: Wikimedia Commons

Was das für die afrikanische Luftfahrt bedeutet

Afrikas Luftfahrtsektor ist seit Jahrzehnten fragmentiert, unterkapitalisiert und chronisch verlustbringend. Die meisten nationalen Fluggesellschaften – South African Airways, Kenya Airways, Air Mauritius, Ghana International – sind entweder mindestens einmal in Konkurs gegangen oder werden durch staatliche Unterstützung am Leben erhalten. Ethiopian Airlines ist anders. Sie ist seit rund zwei Jahrzehnten durchgehend profitabel (in Dollar ausgedrückt). Sie ist bei der IOSA registriert und verfügt über eines der besten Sicherheits- und Ausbildungssysteme des Kontinents.

Eine erfolgreiche Bestellung von Großraumflugzeugen im Jahr 2026 festigt Ethiopians Position als führende afrikanische Langstreckenfluggesellschaft. Die Folgen für Rwandair, Kenya Airways und South African Airways – die alle auf sich überschneidenden interkontinentalen Strecken konkurrieren – sind unübersehbar. Der afrikanische Langstreckenflugmarkt konsolidiert sich um Addis Abeba. Die nächsten zwölf Monate werden zeigen, wie weit diese Konsolidierung fortschreitet.

Quellen: Scramble, Reuters, ch-aviation.

Verwandte Fragen

Kauft Ethiopian Airlines weitere Airbus-Flugzeuge?

Mitte Mai 2026 hieß es, Ethiopian Airlines befinde sich in ersten Gesprächen mit Airbus über eine neue Bestellung – rund sechs zusätzliche A350-Großraumflugzeuge und etwa zwanzig A220. Die A220 wären die ersten Airbus-Schmalrumpfflugzeuge von Ethiopian und würden die Flottenpartnerschaft neben den bereits vorhandenen Boeing-Maschinen vertiefen.

Warum ist Ethiopian Airlines so erfolgreich?

Ethiopian Airlines befördert mehr internationale Passagiere als jede andere Fluggesellschaft südlich der Sahara und ist Afrikas größter Frachtbetreiber. Ihr Drehkreuz in Addis Abeba Bole fertigt mehr Transitpassagiere ab als jeder andere Flughafen südlich der Sahara. Diszipliniertes Management und eine aggressive Wachstumsstrategie haben sie zur herausragenden Fluggesellschaft des Kontinents gemacht.

Was ist der Airbus A220?

Der A220 ist ein treibstoffeffizienter Single-Aisle-Jet, der ursprünglich von Bombardier als C Series entwickelt wurde, bevor Airbus das Programm 2018 übernahm. Er wird für seinen Komfort und seine Zuverlässigkeit gelobt und hat stetig wachsende Auftragszahlen erzielt, darunter AirAsias Rekorddeal über 150 Flugzeuge.

Wo hat Ethiopian Airlines ihren Sitz?

Ethiopian Airlines hat ihren Hauptsitz in Addis Abeba, Äthiopien, und betreibt ihr Hauptdrehkreuz am internationalen Flughafen Addis Abeba Bole. Bole hat sich zum wichtigsten Transitflughafen in Subsahara-Afrika entwickelt und befördert Passagiere zwischen Afrika, Europa, dem Nahen Osten und Asien über das umfangreiche Streckennetz der Fluggesellschaft.

Was ist der Airbus A350?

Der A350 ist Airbus' Langstrecken-Großraumflugzeug mit zwei Triebwerken, das größtenteils aus Kohlefaserverbundwerkstoffen für einen geringeren Treibstoffverbrauch gefertigt wird. Fluggesellschaften setzen ihn auf interkontinentalen Strecken ein, und eine Frachterversion, der A350F, gewinnt zunehmend Frachtaufträge. Atlas Airs $7 Milliarden-Deal.

Wie schneidet Ethiopian Airlines im Vergleich zu anderen afrikanischen Fluggesellschaften ab?

Während viele afrikanische Fluggesellschaften mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, expandierte Ethiopian Airlines aggressiv und avancierte gemessen an internationalen Passagier- und Frachtzahlen zur größten und einflussreichsten Fluggesellschaft des Kontinents. Analysten vergleichen ihr Hub-and-Network-Modell zunehmend mit dem erfolgreicher asiatischer Fluggesellschaften anstatt mit dem ihrer regionalen Konkurrenten.

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