Die Anwärter
Boeing tritt mit der T-7A Red Hawk an, die bereits bei der US Air Force im Einsatz ist. Sie gilt als klarer Favorit – ein bewährtes Flugzeug mit digitaler Konstruktionsgeschichte und einer bestehenden Produktionslinie in St. Louis. Doch “bewährt” hat auch seine Schattenseiten: Der Weg der T-7A zur Air Force war von Verzögerungen und Kostenüberschreitungen geprägt, die die Navy genauestens prüfen wird. Lockheed Martin und Korea Aerospace Industries (KAI) präsentieren die TF-50N, eine Marineversion der T-50 Golden Eagle, die bereits in Südkorea, Indonesien, Irak und weiteren Ländern Piloten ausbildet. Es handelt sich um eine kampferprobte Plattform mit internationaler Erfolgsbilanz – doch die Anpassung an die spezifischen Anforderungen der Navy wird Aufwand erfordern. Leonardo bringt die M-346N mit, die Marineversion seines in Italien gebauten Trainers, der kürzlich den indonesischen Auftrag für die Ausbildung der nächsten Generation von Piloten gewonnen hat. Die M-346 gilt weithin als eines der leistungsfähigsten Trainingsflugzeuge der Welt. Ihr Fly-by-Wire-System kann die Flugeigenschaften nahezu jedes Kampfflugzeugs simulieren. Doch dann gibt es noch den Überraschungskandidaten: Sierra Nevada Corporation hat sich mit Northrop Grumman und General Atomics Aeronautical Systems zusammengetan, um den Freedom Trainer anzubieten – eine komplett neue Entwicklung, die mit ihren Fähigkeiten der nächsten Generation die Konkurrenz überflügeln soll. Über die Flugzeugzelle ist bisher wenig bekannt, was sie zum spannendsten oder riskantesten Angebot im Wettbewerb macht. Beechcraft komplettiert das Feld, auch wenn die Details ihres Angebots noch spärlich sind.Keine Flugzeugträgerlandungen erforderlich
Die überraschendste Wendung: Der neue Trainer wird nicht auf Flugzeugträgern landen. Die Ausschreibung fordert zwar “einzigartige Flugzeugsimulationsfähigkeiten”, um Flugschüler auf Trägereinsätze vorzubereiten – die realen Einsätze finden aber weiterhin in der Flotte statt. Die Marine wünscht sich einen Trainer, der die Fähigkeiten vermittelt, ohne die Belastung durch tausende harte Landungen pro Jahr. Diese Entscheidung trug mit dazu bei, dass die T-45 schnell verschlissen war. Trägerlandungen sind extrem schädlich für die Flugzeugzelle. Durch den Wegfall dieser Anforderung erwartet die Marine, dass der neue Trainer deutlich länger hält und weniger Wartungskosten verursacht. Die Zahlen sprechen für sich. Der beauftragte Auftragnehmer liefert zunächst vier Entwicklungsflugzeuge, startet 2032 mit einer Serienproduktion von sieben Jets und baut ab 2035 schließlich 25 Flugzeuge pro Jahr. Insgesamt werden 216 Flugzeuge beschafft, die jährlich 76.300 Flugstunden in der Flotte absolvieren können.Ein Wettlauf gegen die Uhr
Die Angebote müssen bis zum 29. Juni eingereicht werden, die Auftragsvergabe ist für März 2027 geplant. Dieser Zeitplan ist ambitioniert – aber notwendig. Die bestehende T-45-Flotte befindet sich seit Juli 2025 in einem Programm zur Lebensdauerverlängerung. Strukturelle Reparaturen sollen die Jets bis 2036 flugfähig halten. Verzögert sich das Projekt des neuen Trainers, riskiert die Marine eine Ausbildungslücke, die sich auf die gesamte Kampfflugzeugausbildung auswirken würde. Für die fünf Bewerber sind die nächsten drei Monate entscheidend. Das Unternehmen, das den Zuschlag erhält, wird nicht nur ein Flugzeug bauen – es wird das Cockpit bauen, in dem jeder zukünftige Top-Gun-Jahrgang seine Pilotenausbildung absolviert. Quellen: Breaking Defense, The Aviationist, AIAAVerwandte Fragen
Was ist das Jet-Ausbildungssystem der US-Marine für Studenten?
Das Undergraduate Jet Training System (UJTS) ist das Programm der US-Marine zur Ablösung ihrer alternden T-45 Goshawk-Trainingsflugzeuge. Eine im März 2026 veröffentlichte finale Ausschreibung sieht die Beschaffung von 216 neuen Jets vor, die bis Mitte der 2030er-Jahre einsatzbereit sein sollen. Allein die Entwicklungsphase wird mit Kosten von bis zu 1,75 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Fünf Konsortien konkurrieren um den Auftrag.
Was ist der T-45 Goshawk?
Die T-45 Goshawk ist ein trägergestützter Jet-Trainer, der auf der britischen BAE Hawk basiert und seit 1991 Piloten der US Navy und des Marine Corps das Fliegen von Kampfjets beibringt. Nach mehr als drei Jahrzehnten Trägerlandungen und Trainingsflügen sucht die Navy nun im Rahmen ihres Wettbewerbs für ein Undergraduate Jet Training System nach einem modernen Nachfolger.
Was ist die Boeing T-7A Red Hawk?
Die T-7A Red Hawk ist ein moderner, fortschrittlicher Jet-Trainer, der von Boeing mithilfe digitaler Konstruktionsmethoden entwickelt wurde und bereits von der US Air Force ausgewählt wurde. Sie gilt als einer der Favoriten im Wettbewerb der US Navy um einen neuen Trainer, obwohl die Navy... Beschaffungstricks haben den Wettbewerb zwischen mehreren Anwärtern offen gehalten.
Warum ist das Trainingsflugzeug, auf dem ein Pilot lernt, von Bedeutung?
Der Trainingsjet, mit dem ein Pilot lernt, prägt die Ausbildung einer ganzen Generation von Piloten. Welcher Jet auch immer den Wettbewerb der Marine gewinnt, er wird die Kampfpiloten der Marine und des Marinekorps für etwa die nächsten 40 Jahre ausbilden. Moderne Trainingsjets können auch das Flugverhalten von Flugzeugen der fünften Generation simulieren, wie beispielsweise der italienische Jet. M-346, wodurch der Übergang zu fortgeschrittenen Kampfflugzeugen erleichtert wird.
Wie viel ist das neue Ausbildungsprogramm der US-Marine wert?
Das Ausbildungssystem für angehende Jet-Studenten der US-Marine hat allein in der Entwicklungsphase, vor Produktionsbeginn, einen Wert von bis zu 1,75 Milliarden US-Dollar. Die Marine plant die Lieferung von 216 neuen Trainingsflugzeugen bis Mitte der 2030er-Jahre. Damit zählt das Projekt zu den bedeutendsten Aufträgen im Bereich der militärischen Luftfahrt dieses Jahrzehnts und zieht fünf konkurrierende Industriekonsortien an.




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