Das Flugzeug, das Sie mit einer Pumpe aufgepumpt haben

von | 25. Juni 2026 | Geschichte & Legenden, Militärische Luftfahrt | 0 Kommentare

Stellen Sie sich eine kleine Holzkiste vor, etwa so groß wie ein Kofferraum, die per Fallschirm über einem Feld abgeworfen wird. Ein Mann rennt hin, öffnet sie und holt etwas heraus, das wie ein plattes, graues Gummifloß aussieht. Er pumpt es etwa fünf Minuten lang auf. Das formlose Bündel quillt auf, versteift sich und nimmt die Gestalt eines Flugzeugs an – Flügel, Rumpf, Leitwerk. Er steigt ein, startet einen winzigen Motor und fliegt davon.

Das ist keine Science-Fiction. 1956 baute die Goodyear Aircraft Company – die Firma, die Luftschiffe und Reifen herstellte – genau so etwas: ein Flugzeug, das man mit einer Pumpe aufpumpte. Sie nannten es Inflatoplane, und tatsächlich funktionierte es.

Kurzinfo

Flugzeug: Goodyear Inflatoplane – ein aufblasbares Gummiflugzeug

Gebaut: Ab 1956, entworfen in nur 12 Wochen

Die Idee: Man wirft es einem abgeschossenen Piloten ab, der es aufbläst und damit in Sicherheit fliegt.

So funktionierte es: Gummiertes Gewebe wurde auf etwa 25 psi aufgepumpt; ein 40-PS-Motor sorgte für die nötige Stabilität.

Zahlen: Es wurden 12 Prototypen gebaut; die Tests liefen bis 1972, dann wurde das Projekt eingestellt.

Urteil: Genial, bizarr und viel zu zerbrechlich für den Krieg

Ein Flugzeug aus Gummi

Das Geniale lag im Material. Flügel und Rumpf bestanden nicht aus Metall, sondern aus mehreren Lagen gummiertem Gewebe, die von Tausenden winziger Nylonfäden zusammengehalten wurden. Im entleerten Zustand ließ sich das gesamte Flugzeug in einem kleinen Behälter verstauen. Aufgepumpt auf etwa 1,7 bar (25 psi), versteiften sich die weichen Stoffbahnen zu einem stabilen Flügel, der flugfähig war. Der Motor sorgte sogar dafür, dass die Struktur in der Luft ihre Form behielt.

Goodyear entwarf und baute das erste Exemplar in nur zwölf Wochen. Es war winzig – etwa sechs Meter lang, mit einem 40-PS-Motor – und konnte eine einzelne Person sowie etwas Gepäck befördern.

Goodyear-Aufblasplane im Smithsonian erhalten
Ein erhaltenes Inflatoplane in einem Museum, dessen gummierte Gewebestruktur deutlich erkennbar ist. Foto: Wikimedia Commons

Der Sinn der Sache: abgeschossene Piloten nach Hause bringen.

Das Inflatoplane war kein Spielzeug. Das militärische Problem, das es lösen sollte, war bitterernst: Wie rettet man einen Piloten, der tief hinter den feindlichen Linien abgeschossen wurde, bevor der Feind ihn erreicht? Goodyears Antwort war, ihm ein Flugzeug per Fallschirm abzuwerfen. Er würde es an seinem Standort aufblasen, von einer Straße oder einer Lichtung starten und selbst hinausfliegen.

Eine überraschend leistungsfähige kleine Maschine
Das Inflatoplane konnte genug Treibstoff mitführen, um mehrere hundert Kilometer zu fliegen und stundenlang in der Luft zu bleiben. Für ein Gummiflugzeug, das morgens zusammengefaltet in einer Kiste verpackt war, war das eine bemerkenswerte Leistung – und Ende der 1950er-Jahre nahm die US-Armee es für einen Moment ernst genug, um es intensiv zu testen.

Das untenstehende Video erzählt die kuriose, aber wahre Geschichte, wie ein aus Gummi gebautes Flugzeug tatsächlich abhob.

Die kurze, kuriose Geschichte des Goodyear Inflatoplane – des Flugzeugs, das man vor dem Flug aufpumpte.

Warum der Traum vom Gummi geplatzt ist

Das Problem lag natürlich auf der Hand, sobald man es aussprach: Es bestand aus Gummi. Ein Flugzeug, das man durchstechen konnte, war eine furchterregende Sache für den Einsatz in einem Kriegsgebiet, wo schon eine einzige Gewehrkugel die Luft entweichen lassen konnte. Das Programm erlitt zudem einen tödlichen Unfall, als ein Steuerkabel von der Rolle rutschte und sich verklemmte und ein Flügel einklappte.

Goodyear baute ein Dutzend Exemplare und testete sie bis 1972, doch ein Serienauftrag blieb aus. Das Inflatoplane reihte sich ein in die lange Liste faszinierender Flugzeuge, die zu ausgeklügelt waren, um wirklich nützlich zu sein – eine Flugmaschine, die man zusammenfalten und tragen konnte, deren einzige Schwäche sich durch noch so viel Ingenieurskunst nicht beheben ließ. Es bleibt eine der charmantesten „Was wäre wenn“-Geschichten der Luftfahrt: der Tag, an dem ein Reifenhersteller ein Flugzeug baute, das man wie ein Strandspielzeug aufblasen und fliegen konnte.

Quellen: National Air and Space Museum; War History Online; Cleveland Magazine; Wikipedia.

Verwandte Fragen

Was war das Goodyear Inflatoplane?

Das Goodyear Inflatoplane war ein aufblasbares Flugzeug, das ab 1956 von der Goodyear Aircraft Company gebaut wurde. Es bestand aus gummiertem Gewebe, konnte in einem kleinen Behälter verpackt, innerhalb weniger Minuten aufgepumpt und geflogen werden. Es war als Rettungsmittel für hinter feindlichen Linien abgeschossene Piloten konzipiert.

Könnte ein aufblasbares Flugzeug wirklich fliegen?

Ja. Das Goodyear Inflatoplane flog tatsächlich. Aufgepumpt auf etwa 1,7 bar (25 psi) wurden seine gummierten Flügel und der Rumpf so steif, dass sie den Flug ermöglichten, und ein kleiner 40-PS-Motor trieb es durch die Luft an. Der Motor sorgte außerdem für die Luftzirkulation, um die Form des Fluggeräts während des Fluges zu erhalten.

Warum baute Goodyear ein aufblasbares Flugzeug?

Es war als Rettungsflugzeug konzipiert. Die Idee war, das demontierte Flugzeug in einem verstärkten Behälter abzuwerfen, damit ein hinter feindlichen Linien gestrandeter Pilot es mit einer Pumpe aufpumpen und sich selbst in Sicherheit bringen konnte. Goodyear, bekannt für seine Luftschiffe und Reifen, war der ideale Partner für die Gummitechnologie.

Wie konnte das Inflatoplane in der Luft formstabil bleiben?

Die Tragflächen und der Rumpf bestanden aus einem Sandwich aus gummiertem Gewebe, das durch Tausende von Nylonfäden verbunden war. Aufgepumpt auf etwa 1,7 bar (25 psi) versteifte sich diese Struktur zu einem starren Tragflügelprofil, das vom Triebwerk kontinuierlich mit Luft versorgt wurde, um es während des gesamten Fluges stabil zu halten.

Wie viele Inflatoplanes wurden gebaut?

Goodyear baute zwischen 1956 und 1959 zwölf Prototypen des Inflatoplane. Die Tests wurden bis 1972 fortgesetzt, dann wurde das Projekt endgültig eingestellt. Es erhielt nie einen Serienauftrag des Militärs.

Warum scheiterte das Inflatoplane-Projekt?

Das Inflatoplane erhielt nie einen Militärauftrag. Das Gummiflugzeug war alarmierend verwundbar – selbst Kleinkaliberbeschuss konnte es entleeren – und das Programm endete mit einem tödlichen Absturz, als sich ein Steuerkabel verklemmte. Das Konzept war zwar clever, aber zu fragil für die Praxis und wurde 1972 eingestellt.

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