Es gibt Flugzeuge, die man bewundert, und es gibt Flugzeuge, in die man sich ein wenig verliebt. Die Latécoère 631 gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Konzipiert in Toulouse, der Wiege der französischen Luftfahrt, war sie der letzte und größte der großen fliegenden Ozeandampfer, die das Haus Latécoère je baute. Als ihr Prototyp 1942 zum ersten Mal vom Wasser abhob, war sie schlichtweg das größte Flugboot der Welt.
Die Zahlen beeindrucken noch immer. Sie maß über 43 Meter von Bug bis Heck, hatte eine Flügelspannweite von 57 Metern und wog stolze 75 Tonnen. Sechs Sternmotoren waren an diesem riesigen, hoch angebrachten Flügel befestigt, ihre Gondeln durch einen internen Gang verbunden, sodass ein Flugingenieur im Inneren des Flügels seine Maschinen während des Fluges warten konnte. Es war Ingenieurskunst wie Architektur – eine Kathedrale, die auf wundersame Weise fliegen gelernt hatte.
- Hersteller: Latécoère, Frankreich – das größte Flugboot der Welt bei seinem Erstflug
- Erstflug: Prototyp F-BAHG am 4. November 1942
- Antrieb: sechs Wright R-2600 Sternmotoren mit je 1.600 PS (ursprünglich waren Gnome-Rhône-Motoren vorgesehen)
- Größe: 43,46 m lang, 57,43 m Spannweite, maximales Gewicht bis zu 75.000 kg
- Kapazität: 46 Passagiere und 5 Besatzungsmitglieder; Reichweite ca. 6.000 km
- Gebaut wurden elf Maschinen, einschließlich des Prototyps; Air France setzte vier davon ab 1947 ein, die Maschinen wurden nach 1955 außer Dienst gestellt.
Im falschen Jahrzehnt geboren
Der Grundstein wurde 1936 gelegt, als die französischen Behörden ein Flugboot forderten, das mindestens vierzig Passagiere über eine Strecke von rund 6.000 Kilometern befördern konnte. Die Ingenieure von Latécoère entwickelten die Idee zum Modell 631 weiter, und 1938 wurde ein einzelner Prototyp bestellt.
Dann griff die Geschichte ein. Mit Kriegsausbruch wurden die Bauarbeiten eingestellt, unter Besatzung nur sporadisch fortgesetzt, und der Prototyp F-BAHG hob erst am 4. November 1942 ab. Ihr Triumph war jedoch nur von kurzer Dauer: Die Deutschen beschlagnahmten sie, flogen sie zu Testzwecken zum Bodensee, wo sie 1944 von RAF-Mosquitos zerstört wurde. Ursprünglich für französische Gnome-Rhône-Motoren vorgesehen, erhielt sie stattdessen sechs amerikanische Wright R-2600-Sternmotoren. Doch die Geschichte war noch nicht zu Ende – Latécoère hatte die Bauteile eines zweiten Flugzeugs in der französischen Provinz versteckt.
Eine Frage des Nationalstolzes
Für eine Nation, die nach der Besatzung gezeichnet war, wirkte diese zweite 631 wie Balsam für die Seele. Sie war der lebende Beweis dafür, dass die französische Industrie und der französische Erfindergeist noch immer existierten. Zeitweise war sie das einzige französische Passagierflugzeug, das überhaupt den Atlantik überqueren konnte, und sie trug diese Auszeichnung mit gallischem Selbstbewusstsein, indem sie Rio de Janeiro besuchte, um die Welt daran zu erinnern, dass Toulouse nicht zum Schweigen gebracht worden war.
Die Innenausstattung entsprach den hohen Ansprüchen: eine Lounge mit Bar, eine vollwertige Küche und ein großzügiges Raumgefühl, das eher an ein Dampfschiff als an ein Flugzeug erinnerte. Air France nahm vier Maschinen in Betrieb und eröffnete 1947 eine Route von Biscarrosse nach Fort-de-France auf Martinique. Für einen kurzen Moment schien der Traum vom fliegenden Ozeandampfer Wirklichkeit zu werden.
Der Schatten über dem Wasser
Man muss ehrlich sein, denn Eleganz schützt nicht vor den Gesetzen der Physik. Die Einsatzbilanz der 631 war unglücklich. Die erste Warnung erfolgte im Oktober 1945, als sich im Flug ein Propellerblatt löste und zwei Passagiere tötete, bevor die Besatzung eine Notlandung durchführen konnte.
Doch es kam noch schlimmer. Im Februar 1948 stürzte eine 631 in einem Schneesturm über dem Ärmelkanal ab, wobei alle 19 Insassen ums Leben kamen. Dann folgte der schwärzeste Tag: Am 1. August 1948 verschwand Air-France-Flug 072 mit allen 52 Menschen an Bord über dem Atlantik zwischen Martinique und Mauretanien. Die Ursache konnte nie endgültig geklärt werden, und Air France zog die restlichen Rettungsboote umgehend zurück. 1950 stürzte eine zur Untersuchung des vorherigen Unglücks eingesetzte 631 selbst ins Meer, wobei alle zwölf Insassen starben; die Ermittler fanden die Ursache schließlich in einer Resonanz zwischen den Propellern und der Tragflächenstruktur.

Der letzte Flug einer Legende
Die Welt hatte sich inzwischen weiterentwickelt. Der Krieg hatte lange Start- und Landebahnen und leistungsstarke viermotorige Landflugzeuge über den Globus verstreut, die billiger und einfacher zu betreiben waren als jedes Flugboot. Die großen Wasserdampfer waren schon bei ihrer Indienststellung ein Anachronismus.
Einige wenige Maschinen flogen noch als Frachtflugzeuge zwischen Frankreich und Afrika. Das letzte Kapitel endete im September 1955, als die letzte flugfähige 631 in einem tropischen Sturm über Kamerun auseinanderbrach. Von den elf gebauten Maschinen fiel eine einem Feindangriff zum Opfer, vier stürzten tödlich ab. Und doch bleibt die Latécoère 631 eines der schönsten Fehlschläge der Luftfahrtgeschichte – ein Denkmal französischen Wagemuts, das unverschuldet ein Jahrzehnt zu spät kam.

Quellen: Wikipedia (Latécoère 631); HistoryNet / Aviation History (Robert Guttman); Old Machine Press (William Pearce).




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