Die Royal Air Force betreibt mehrere Flugzeuge, die sie nicht betanken kann. Das ist kein Geheimnis und auch nichts Neues, aber es wirkt etwas absurd und hat nun endlich eine Antwort hervorgebracht.
In einer schriftlichen Antwort vom 2. September bestätigte der Staatsminister für Verteidigungsbereitschaft und Industrie, Luke Pollard, dass die Royal Air Force ihre Luftbetankungskapazität um einen fliegenden Betankungsarm erweitern wird. Es ist das erste Mal, dass ein Minister dies öffentlich erklärt hat.
Kurzinfo
| Angekündigt | 2. September 2026, schriftliche Antwort von Luke Pollard, Abgeordneter |
| Aktuelles RAF-System | Nur Sonde und Bremsfallschirm |
| Tankerflotte | Airbus A330 MRTT, Voyager KC2 und KC3 |
| KC2-Passform | Zwei am Flügel montierte Schlauch- und Fangkorbbehälter vom Typ Cobham 905E |
| KC3-Passform | Als KC2, plus eine Cobham 805E Rumpfbetankungseinheit |
| RAF-Typen mit Ausleger (nur Ausleger) | P-8A Poseidon MRA1, RC-135W Nietgelenk, C-17A Globemaster III |
| Zukünftige Boom-Typen | F-35A Lightning II, E-7A Wedgetail MRA1, GCAP-Kampfflugzeug |
| Flottenbesitz | Das AirTanker-Konsortium, geleast im Rahmen eines PFI-Vertrags bis 2035 |
| Entscheidung steht noch aus | Vorhandene Voyager-Flugzeuge modifizieren oder neue Flugzeuge erwerben |
Was der Minister sagte
Die Bestätigung erfolgte als Antwort auf eine schriftliche Anfrage des Oppositionsabgeordneten Ben Obese-Jecty. Die Antwort ist kurz und für parlamentarische Verhältnisse ungewöhnlich klar.
Das Magazin “The Aviationist” hatte im Juli berichtet, dass anonyme Beamte erklärten, man prüfe die Möglichkeit einer Auslegerkonstruktion. Eine ministerielle Antwort macht daraus nun nicht nur ein Gerücht, sondern konkrete Politik – auch wenn Zeitpunkt, Finanzierung und Hardware noch immer ungeklärt sind.

Die peinliche Lücke
Das praktische Problem lässt sich leicht benennen. Sonden und Fangtrichter sind für Kampfflugzeuge geeignet. Große Flugzeuge – Seeaufklärungs-, Fernmelde-, Transport- und Frühwarnflugzeuge – sind fast ausnahmslos mit einem Ausleger am Rumpfrücken ausgestattet, da ein Ausleger Treibstoff wesentlich schneller fördert als ein Schlauch.
Die RAF fliegt die P-8A Poseidon, die RC-135W Rivet Joint und die C-17A Globemaster III. Keines dieser Flugzeuge kann von einer Voyager betankt werden. Im August betankte ein A330 MRTT der französischen Luft- und Weltraumstreitkräfte sowohl amerikanische als auch britische RC-135 über Frankreich. Dies war ein eindrucksvolles Beispiel für die Integration der Alliierten und zugleich eine deutliche Veranschaulichung des Problems.
Rechnet man die neu hinzukommenden F-35A und E-7A Wedgetail hinzu, wird die Liste der RAF-Flugzeuge, die auf fremde Tankflugzeuge angewiesen sind, länger, nicht kürzer.
GCAP ist wahrscheinlich der eigentliche Treiber.
Der wahrscheinlichste Grund für diese Verschiebung ist nicht die Poseidon, sondern ein Kampfflugzeug, das noch gar nicht existiert. Das im Rahmen des Globalen Kampfflugzeugprogramms mit Italien und Japan entwickelte Flugzeug der sechsten Generation ist mit einer Auslegeraufnahme ausgestattet.
Prinzipiell ließe sich eine einziehbare Sonde anbringen. Da es sich bei der GCAP jedoch voraussichtlich um einen sehr großen Kampfjet handeln wird, ist es fraglich, ob ein Schlauch-und-Trichter-System den Treibstoff schnell genug umwälzen kann, um ihn in einem einsatzfähigen Zeitraum zu betanken. Wenn Großbritannien seinen Kampfjet der nächsten Generation selbst betanken will, benötigt es einen Tankausleger.
Modifizieren oder neu kaufen?
Hier wird es kompliziert. Der A330 MRTT wird mit einem Ausleger verkauft, und viele Betreiber besitzen einen. Die Flugzeuge der RAF sind keine RAF-Flugzeuge im herkömmlichen Sinne: Sie gehören dem AirTanker-Konsortium und sind im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft bis 2035 an die RAF verleast. Danach sollen sie in den Besitz der RAF übergehen – bis dahin werden sie älter sein als fast alle anderen fliegenden MRTT.
Die Modernisierung geleaster Flugzeuge, die bereits zu den ältesten ihrer Art gehören, um einen Kampfjet zu unterstützen, der erst in den 2030er-Jahren in Dienst gestellt wird, ist offensichtlich nicht die richtige Lösung. Neubauten aus der modernisierten MRTT+-Reihe könnten es sein. Das Verteidigungsministerium hat sich dazu noch nicht geäußert und möglicherweise auch noch keine Entscheidung getroffen.
Ein interessanter Nebeneffekt ist erwähnenswert: Die A330 MRTT kann nur mittels Tankausleger selbst betankt werden. Durch die Einführung eines solchen Systems könnten die Tankflugzeuge der RAF sich wieder gegenseitig betanken – eine Fähigkeit, die die Luftwaffe mit der Außerdienststellung der VC10 und TriStar, die beide mit Betankungssonden ausgestattet waren, verloren hat.
Airbus demonstriert das Luftbetankungssystem des A330 MRTT, einschließlich vollautomatischer Kontakte – eine Fähigkeit, die die RAF nie erworben hat.
Die Royal Air Force hat derzeit zwar eine Strategie, aber keine Ausrüstung. Doch nachdem Luftfahrtjournalisten ein Jahrzehnt lang darauf hingewiesen haben, dass Großbritannien seine Spionageflugzeuge nicht selbst betanken kann, hat nun endlich jemand in der Regierung das Wort “Boom” ausgesprochen.
Häufig gestellte Fragen
Erhält die RAF mit Tankflugzeugen mit Auslegersystemen ausgestattete Tanker?
Worin besteht der Unterschied zwischen der Betankung mit Sonde und Fangtrichter und der Betankung mit Ausleger?
Welche Flugzeuge der Royal Air Force können nicht von RAF-Tankflugzeugen betankt werden?
Warum macht GCAP einen Boom notwendig?
Können die A330 Voyager der RAF mit einem Ausleger ausgestattet werden?
Wem gehört die Voyager-Flotte der Royal Air Force?
Quellen: The Aviationist, schriftliche Fragen und Antworten des britischen Parlaments, Verteidigungsministerium, Airbus, Royal Australian Air Force / Wikimedia Commons.




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