Über Ostdeutschland während eines Trainingsfluges abgeschossen

von | 20. August 2026 | Geschichte & Legenden, Militärische Luftfahrt | 0 Kommentare

Es war ein routinemäßiger Trainingsflug an einem grauen Winternachmittag. Drei amerikanische Flieger starteten in Wiesbaden in einem unbewaffneten kleinen Jet und rechneten damit, in drei Stunden zurück zu sein. Sie kehrten nie zurück.

Der Abschuss einer T-39 Sabreliner der US-Luftwaffe über Ostdeutschland am 28. Januar 1964 ist eine der stillsten Tragödien des Kalten Krieges – ein Flug in Friedenszeiten, der im Feuergefecht endete, und drei Namen, die es verdienen, in Erinnerung zu bleiben.

Kurzinfo

  • Datum: 28. Januar 1964
  • Flugzeug: North American T-39A Sabreliner, 62-4448 (unbewaffnetes Trainingsflugzeug)
  • Einheit: 7101. Luftwaffenstützpunktgeschwader, Abflug vom Luftwaffenstützpunkt Wiesbaden
  • Was ist passiert: Geriet in den ostdeutschen Luftraum; wurde von sowjetischen MiG-19 abgeschossen
  • Standort: In der Nähe von Erfurt, Ostdeutschland
  • Crew: Alle drei getötet

Eine falsche Abzweigung im geteilten Deutschland

Die T-39A Sabreliner war so harmlos wie kaum ein anderes Militärflugzeug: ein zweimotoriges, unbewaffnetes Schul- und Transportflugzeug, das zur Auffrischung der Fluglizenzen diente. An jenem Nachmittag startete die Maschine mit der Kennung 62-4448 um 14:10 Uhr in Wiesbaden zu einem dreistündigen Standard-Trainingsflug über Westdeutschland. An Bord befanden sich drei Mann: Captain John F. Lorraine, der Fluglehrer, und zwei erfahrene Piloten, die sich auf diesem Flugzeugtyp einwiesen: Lieutenant Colonel Gerald K. Hannaford und Captain Donald Grant Millard.

Irgendwo über der wolkigen Landschaft versagte die Navigation. Der Jet trieb nach Osten, über die unsichtbare, aber tödliche Grenze in den ostdeutschen Luftraum.

“Eine unbewaffnete T-39 Sabreliner der 1. US-Luftflotte wird von MiG-19 abgeschossen.”
Super Sabre Society — Diesmal in der Geschichte
T-39 Sabreliner
Die T-39 war ein unbewaffneter, zweimotoriger Schuljet, der nie für den Fronteinsatz vorgesehen war. (Wikimedia Commons)

Keine Warnung

Das sowjetische Radar erfasste den Eindringling und schickte zwei MiG-19-Jäger zum Abfangen los. Ungeachtet des offensichtlich harmlosen Profils der Sabreliner war die Reaktion gnadenlos. Gegen 15:14 Uhr eröffneten die MiGs das Feuer und zerstörten den Jet in der Luft. Lorraine, Hannaford und Millard waren sofort tot. Es hatte keinen Krieg gegeben, keinen Warnschuss zugunsten der Besatzung – nur einen Navigationsfehler und einen kurzen Kanonenschuss.

“Alle drei starben und wurden damit zu einigen der wenigen direkten Opfer des Kalten Krieges in Europa.”
Abschussvorfall einer T-39 im Jahr 1964 — Historische Aufzeichnungen
T-39 Sabreliner Trainer
Eine T-39 im Flug. Dieser Flugzeugtyp verbrachte seine gesamte Einsatzzeit fernab von Kampfeinsätzen – was das Jahr 1964 so trostlos erscheinen lässt. (Wikimedia Commons)

Die Kosten einer Linie auf einer Karte

Der Vorfall löste einen heftigen diplomatischen Schlagabtausch aus. Washington protestierte; Moskau beharrte darauf, dass das Flugzeug seinen Luftraum verletzt hatte. Doch die Männer waren bereits tot, und kein Protest konnte daran etwas ändern. Ihr Tod wurde zu einer düsteren Mahnung, wie gering der Spielraum im Europa des Kalten Krieges war, wo ein falscher Kurs bei schlechtem Wetter ein Todesurteil bedeuten konnte.

Chuck Yeager und die Schallmauer werden in Dokumentarfilmen thematisiert. Teams wie das von Lorraine hingegen selten – drei Profis bei der Arbeit, getötet von den Gesetzen eines geteilten Kontinents. Sechzig Jahre später sind ihre Namen der eigentliche Grund für die Erzählung ihrer Geschichte.

Quellen: Wikipedia (Abschussvorfall einer T-39 im Jahr 1964); Super Sabre Society; dbpedia.

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