1935 baute die Sowjetunion das größte Flugzeug der Welt – einen achtmotorigen Giganten mit einer Spannweite, die mit der einer modernen Boeing 747 vergleichbar war. Ausgestattet war er nicht mit Waffen, sondern mit einer Druckerei, einem Fotolabor, einer Telefonzentrale, einem Kino und einem Radiosender mit Lautsprechern, um Parolen in die Menge zu schallen. Sie nannten ihn die Maxim Gorki, Benannt nach dem Schriftsteller, war es das Flaggschiff der sowjetischen Propaganda.
Am Tag vor ihrem letzten Flug war ein französischer Luftpostpilot namens Antoine de Saint-Exupéry – der bald darauf schreiben sollte – an Bord. Der kleine Prinz — stieg als einziger Ausländer an Bord. Am nächsten Tag umkreiste ein prahlerischer Kampfpilot den Koloss, streifte ihn und schleuderte ihn samt Insassen in einen Moskauer Vorort.
Kurzinfo
| Flugzeug | Tupolev ANT-20 "Maxim Gorki"" |
| Erster Flug | 1934 |
| Motoren | Acht |
| Spannweite | ~63 Meter (vergleichbar mit einer Boeing 747) |
| Zweck | Propaganda aus der Luft: Presse, Radio, Kino, Lautsprecher |
| Katastrophe | 18. Mai 1935, Zusammenstoß in der Luft über Moskau |
| Ursache | Ein Begleitjäger führt unerlaubte Kunstflugmanöver durch. |
| Getötet | Etwa 45 Personen |
Ein fliegendes Monument
Die ANT-20 wurde von Andrei Tupolew entworfen und durch öffentliche Spenden finanziert – ein bewusstes Symbol sowjetischer Industriemacht. Sie war wahrhaft gigantisch – so groß, dass die Passagierkabinen nicht nur im Rumpf, sondern sogar in den Tragflächen selbst eingebaut wurden. Ihr Bordradio "Stimme vom Himmel" konnte Sendungen an den Boden übertragen, während Lautsprecher unter den Tragflächen Musik und Parolen über Kundgebungen hinweg abspielten.

Der Schriftsteller, der an Bord geflogen ist
Saint-Exupéry war von der Zeitung nach Moskau geschickt worden. Paris-Soir, Am 17. Mai 1935 erhielt er einen Platz an Bord der Maxim Gorki für einen Demonstrationsflug – als einziger Ausländer, der jemals in diesem Flugzeug mitgeflogen ist. Er staunte über die schiere Größe der Maschine und die ungewöhnliche Eleganz, mit der sie abhob.
Die tödliche Schleife
Am folgenden Tag, dem 18. Mai 1935, startete die Maxim Gorki erneut, diesmal mit Passagieren, die größtenteils aus den Ingenieuren bestanden, die sie gebaut hatten, sowie einigen ihrer Familienangehörigen – als Belohnung für ihre Arbeit. Zwei kleinere Flugzeuge flogen parallel, um den Kameras die Größenverhältnisse zu verdeutlichen. Eines davon war ein I-5-Jagdflugzeug, das von Nikolai Blagin gesteuert wurde, der – entgegen den Befehlen – mit seinem kleinen Doppeldecker kunstvolle Loopings um den Riesen flog.
Beim dritten Looping verschätzte sich Blagin. Sein Jagdflugzeug krachte in den Flügel der Maxim Gorki. Der Koloss zerbrach in der Luft und stürzte auf den Moskauer Stadtteil Sokol.

Die Abrechnung
Alle an Bord der Maxim Gorki kamen ums Leben – Besatzung und Passagiere, viele von ihnen die Konstrukteure und Erbauer des Flugzeugs, zusammen mit ihren Familien – sowie Blagin in seinem Jagdflugzeug. Die Angaben zur genauen Opferzahl variieren, doch starben innerhalb weniger Minuten etwa 45 Menschen. Das größte Flugzeug der Welt war nicht von einem Feind oder einem Sturm zerstört worden, sondern durch einen Moment der Angeberei.
Die Sowjets bauten später eine verbesserte Version, die ANT-20bis, die als Passagierflugzeug eingesetzt wurde, bis auch sie 1942 bei einem Absturz verloren ging. Doch die ursprüngliche Maxim Gorki bleibt eine der deutlichsten Lehren der Luftfahrt: Je größer und imposanter die Maschine, desto kleiner der Fehler, der sie zum Absturz bringt.
Quellen: Antoine de Saint-Exupéry, Paris-Soir (1935); Flugsicherheitsnetzwerk; Vintage Aviation News; Rex' Hangar.




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