Eines der mächtigsten Kriegsschiffe der Welt ist nach 286 Tagen auf See in einem thailändischen Hafen eingelaufen – wie ein Schrottplatzfund. Der atomgetriebene Flugzeugträger USS Abraham Lincoln ist stark verrostet und hat Laem Chabang nahe Pattaya erreicht. Das Internet ist begeistert. Doch hinter den viralen Fotos des abblätternden grauen Rumpfes verbirgt sich eine viel härtere Geschichte: ein rekordverdächtiger Einsatz, der die 5.000 Mann starke Besatzung an ihre Grenzen brachte.
Das virale Foto der rostbedeckten USS Abraham Lincoln, die vor Pattaya ankommt, wurde auf X von @wuthi11_ geteilt.
Kurzinfo
- Schiff: USS Abraham Lincoln (CVN-72), ein 1.092 Fuß langer nuklearbetriebener Superflugzeugträger
- Hafen: Laem Chabang, in der Nähe von Pattaya, Thailand – kam Anfang September 2026 an
- Einsatz: etwa 286 Tage, ein Rekord, Unterstützung der US-Operationen gegen den Iran
- Crew: etwa 5.000 Matrosen und Marinesoldaten, erster vollständiger Hafenanlauf der Kreuzfahrt
- Der Look: Starker Rost oberhalb der Wasserlinie und entlang der Kante des Flugdecks.
- Erleichtert durch: die USS George Washington, im August
Warum ein Flugzeugträger zu Rost verrottet
Die online verbreiteten Bilder zeigen deutlich, was fast zehn Monate auf See mit einem Kriegsschiff anrichten: abblätternde Farbe, blanker Stahl, der in unansehnlichen orangefarbenen Flecken oxidiert, insbesondere direkt über der Wasserlinie und am Rand des Flugdecks. Für einen Zivilisten mag es wie Vernachlässigung aussehen. Für die Marine ist es schlichtweg die Folge davon, dass ein Schiff nicht für Wartungsarbeiten anlegen kann.
Flugzeugträger werden ständig neu gestrichen – nicht aus ästhetischen Gründen, sondern um Rost und den Bewuchs zu verhindern, der jeden Rumpf im Salzwasser überzieht. Fehlen die regelmäßigen Hafenaufenthalte, wie bei diesem Marathon-Einsatz, setzt sich die Korrosion durch. Der Kommandant der Lincoln, Kapitän Dan Keeler, kümmerte sich nicht um den Zustand seines Schiffes.

Die Lincoln legt nach mehr als 280 Tagen auf See in Thailand an.
Das Internet reagiert.
Der Rost machte die Lincoln fast über Nacht zum Meme. Ehemalige Besatzungsmitglieder meldeten sich in den sozialen Medien zu Wort, einige waren sichtlich erschrocken über den Zustand des Schiffes, auf dem sie einst gedient hatten. Andere witzelten, Vandalen hätten wohl die Farbe abgekratzt und Rost darauf geworfen – eine Anspielung auf Präsident Trumps Erklärung für den traurigen Zustand seines neuen Wasserbeckens im Weißen Haus.
Der Oberbefehlshaber fügte eine eigene Anmerkung hinzu. Als ihm mitgeteilt wurde, dass der Rekordeinsatz historisch sei, sagte Präsident Trump, er sei "bei Weitem nicht lang genug" gewesen – eine Bemerkung, die Keeler mit einem knappen "Der Präsident spricht für sich selbst" zurückwies."
Der Teil, der nicht lustig ist
Lässt man die Witze beiseite, wirkt die Fahrt der Lincoln weniger wie eine Machtdemonstration, sondern eher wie eine Warnung. Während des Einsatzes kamen Berichte über eine Verschlechterung des psychischen Zustands der Besatzung, Engpässe bei Lebensmitteln und Hygieneartikeln und – am alarmierendsten – mehrere Matrosen ans Licht, die angeblich versucht hatten, über Bord zu springen. Der Rost an der Oberfläche ist leicht zu erkennen; die Belastung im Inneren blieb verborgen.
Für die Familien bedeutet die Ankunft in Thailand pure Erleichterung. Einige flogen aus den USA, um das Schiff in Empfang zu nehmen. Shakeira Fairfax reiste aus New Jersey an, um ihre 25-jährige Tochter Jada zu umarmen, die im vergangenen November direkt nach ihrer Grundausbildung an Bord der "Lincoln" gekommen war. „Ich bin aufgeregt. Ich bin voller Emotionen. Ich kann es kaum erwarten, sie in den Armen zu halten“, sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur AP.
Nun hat die Besatzung Landgang, Pattaya profitiert von einem wirtschaftlichen Aufschwung, und die Lincoln kann vor der langen Heimreise – wo ein großer Eimer Farbe wartet – kurz durchatmen. Der Rost wird sich abwaschen lassen. Die wichtigere Frage ist jedoch, ob die tieferen Lehren aus einem 286-tägigen Einsatz Bestand haben.
Thailand bereitet sich darauf vor, 5.000 Matrosen der USS Abraham Lincoln zu empfangen.
Quellen: AP; NBC News; CNN; 20 Minuten / DPA.




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