Chinas schwanzloser Kampfjet hat gerade bewiesen, dass er wendig ist.

von | 30. Juni 2026 | Militärische Luftfahrt, Nachricht | 0 Kommentare

Eine Frage begleitet Chinas J-36 seit ihrem Erstflug: Ein schwanzloses Flugzeug mag zwar schwer zu orten und stabil sein, aber kann es tatsächlich manövrieren? Neue, im Internet kursierende Aufnahmen scheinen die Antwort zu liefern. Der große, dreimotorige Prototyp der sechsten Generation ist bei einem scharfen Kurvensteigflug zu sehen – genau die Art von agilem Manöver, die Analysten einem schwanzlosen Flugzeug nicht zugetraut hatten.

Wir haben dieses Flugzeug schon zuvor genauer untersucht. der dreimotorige Stealth-Gigant — und bei seinem schwanzlosen Geschwisterchen, die J-50. Neu ist hierbei der erste öffentliche Einblick in das größere Flugzeugmodell, das seine Fähigkeiten in der Luft demonstriert.

Kurzinfo

FlugzeugChengdu J-36 – Chinas schwanzloser, dreimotoriger Prototyp der sechsten Generation
Neue EntwicklungAufnahmen scheinen zu zeigen, wie es einen scharfen Kurvensteigflug durchführt, was auf eine hohe Manövrierfähigkeit hindeutet.
Warum es bemerkenswert istHecklose Konstruktionen verfügen nicht über Leitwerke zur Nicksteuerung, was die Agilität erschwert.
WieFortschrittliche Flugsteuerungssoftware und, beim zweiten Prototyp, 2D-Schubvektordüsen
Erster Flug26. Dezember 2024; ein überarbeiteter zweiter Prototyp flog 2025
StatusPrototypen-/Flugtestphase

Warum “schwanzlos” schwierig ist

Ein konventioneller Kampfjet nutzt Höhenleitwerke zur Nicksteuerung, zur Stabilisierung und um Kurvenflüge zu ermöglichen. Ein schwanzloses Flugzeug verzichtet darauf – was für die Tarnkappeneigenschaften hervorragend ist, da es Kanten eliminiert und die Radarsignatur verringert, und zudem den Luftwiderstand reduziert. Der Preis dafür ist der Verlust des wichtigsten Mittels zur Steigerung der Wendigkeit. Ein solches Flugzeug ist aerodynamisch instabil und kann nur computergesteuert geflogen werden, wobei die Steuerkraft auf die Tragflächen und zunehmend auch auf den Triebwerksauslass verteilt ist.

Ein chinesischer Tarnkappenjäger
Chinas operative J-20 Der abgebildete Tarnkappenjäger dient als Vergleich. Die J-36 ist ein deutlich größeres, schwanzloses Modell der sechsten Generation, das ihn ergänzen soll. Foto: MiGFlug-Archiv.

Schubvektorsteuerung füllt die Lücke

Hier kommt der überarbeitete zweite Prototyp der J-36 ins Spiel. Er verfügt Berichten zufolge über zweidimensionale Schubvektorsteuerung, überarbeitete DSI-Lufteinlässe und ein neues Fahrwerk. Die Schubvektorsteuerung stellt einen Großteil der Nick- und Wendigkeitskontrolle wieder her, die durch die fehlenden Höhenleitwerke sonst beeinträchtigt würde. Der Kurvensteigflug in den neuesten Aufnahmen ist der erste öffentliche Hinweis darauf, dass das Verfahren tatsächlich im Flug funktioniert und nicht nur in der Simulation der Konstrukteure.

Was das bedeutet – mit Einschränkungen

Ein schwanzloses, dreimotoriges Flugzeug der 50-Tonnen-Klasse, das zudem manövrierfähig ist, wäre ein starkes Signal. Die Einschränkungen sind jedoch berechtigt. Es handelt sich hierbei um von Analysten interpretiertes Videomaterial, nicht um einen offiziellen chinesischen Flugtestbericht; Kameraperspektiven können täuschen, und ein einzelner Clip ist weit weniger aussagekräftig als ein kontrollierter Test. Die J-36 ist nach wie vor ein Prototyp, und Prototypen sind bekanntlich weniger leistungsfähig als Prototypen.

Dennoch beseitigt jeder Auftritt einen weiteren Zweifel daran, ob China einen glaubwürdigen Kampfjet der sechsten Generation einsetzen kann, und dieser hier entkräftet direkt den Einwand der angeblichen Wendigkeit. Das horizontale Leitwerk prägt die Silhouette eines Kampfjets seit siebzig Jahren. Die J-36 setzt darauf, dass es entfernt werden kann, ohne den Kampf zu verlieren – und die neuesten Aufnahmen deuten darauf hin, dass diese Wette bisher aufgeht.

Quellen: Military Watch Magazine; 19FortyFive; Interesting Engineering.

Verwandte Fragen

Was ist die Chengdu J-36?

Die J-36 ist ein chinesischer Prototyp eines Kampfflugzeugs der sechsten Generation mit schwanzlosem Rumpf und drei Triebwerken. Sie absolvierte ihren Erstflug am 26. Dezember 2024 und wird von der Chengdu Aircraft Corporation entwickelt.

Warum ist ein schwanzloser Kampfjet schwer zu manövrieren?

Hecklose Flugzeuge verzichten auf die horizontalen Leitwerke, die konventionelle Kampfflugzeuge zur Steuerung der Nickachse und zur Stabilisierung nutzen. Dies verbessert zwar die Tarnkappeneigenschaften und den Luftwiderstand, macht das Flugzeug aber aerodynamisch instabiler und schwieriger zu manövrieren, was eine computergestützte Flugsteuerung und häufig Schubvektorsteuerung erfordert.

Was zeigten die neuen Aufnahmen der J-36?

Im Internet kursierende Aufnahmen zeigen offenbar eine J-36 bei einem scharfen Kurvenflug – ein agiles Manöver, dessen Durchführbarkeit bei einem leitwerkslosen Flugzeug von Analysten bezweifelt wurde. Es ist der erste öffentliche Nachweis der Manövrierfähigkeit dieses Flugzeugtyps.

Wie manövriert die J-36 ohne Leitwerk?

Es setzt auf fortschrittliche digitale Flugsteuerungen und, bei seinem überarbeiteten zweiten Prototyp, auf zweidimensionale Schubvektordüsen, die den Triebwerksabgasstrahl ablenken, um die Nick- und Wendigkeitskontrolle zu gewährleisten, die die fehlenden Leitwerke sonst liefern würden.

Wann absolvierte die J-36 ihren Erstflug?

Die J-36 absolvierte ihren ersten öffentlichen Flug am 26. Dezember 2024. Ein überarbeiteter zweiter Prototyp mit Schubvektorsteuerung und weiteren Änderungen wurde 2025 im Flug beobachtet.

Ist die J-36 im Einsatz?

Nein. Die J-36 befindet sich weiterhin als Prototyp in der Flugtestphase. Die kürzlich veröffentlichten Aufnahmen sind eine frühe Demonstration ihrer Fähigkeiten, kein Beweis für einen operativen Einsatz.

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