Frankreich hat gehandelt. Am 6. August 2026 übermittelte Dassault Aviation Neu-Delhi einen formellen technisch-kommerziellen Vorschlag für 114 Flugzeuge. Rafale Kampfflugzeuge – die lang erwartete Antwort auf Indiens Ausschreibung für Mehrzweckkampfflugzeuge (MRFA) und einer der größten Einzelwettbewerbe für Kampfflugzeuge weltweit.
Die Zahlen sind selbst für Verteidigungsverhältnisse gewaltig. Indische Medien beziffern das Paket auf rund 3,25 Billionen Rupien – in der Presse wird von 1,4 Billionen bis 1,4 Billionen Rupien berichtet – und es ist mit einer starken “Make in India”-Initiative verbunden. Nur eine erste Tranche von angeblich 18 Jets soll direkt aus Frankreich geliefert werden. Die restlichen 96 werden in Indien von einem lokalen Industriepartner montiert.
Für die indische Luftwaffe ist dies keine Einkaufstour, sondern eine Triage. Die Luftwaffe verfügt nur noch über etwa 30 Jagdgeschwader, während die Sollstärke bei 42 liegt. Diese Lücke vergrößert sich jedes Jahr, da Jets aus sowjetischer Ära schneller ausgemustert werden, als neue eintreffen.
Kurzinfo
| Programm | MRFA – Mehrzweckkampfflugzeug |
| Flugzeug | 114 Dassault Rafale (F4 Standard) |
| Vorschlag eingereicht | 6. August 2026 |
| Berichtswert | ~3,25 Billionen ₹ (etwa $34–39 Milliarden) |
| Build split | Etwa 18 wurden aus Frankreich eingeflogen, etwa 96 wurden in Indien gebaut. |
| Partner | Dassault, Safran, Thales, MBDA; Tata, L&T (Indien) |
| Bereits im Flug | 36 Rafale F3R im Einsatz bei der indischen Luftwaffe seit 2020 |
Der größte Kampfwettbewerb der Welt
Indien betreibt bereits 36 Rafale-Kampfjets des Typs F3R, die seit 2020 ausgeliefert und auf die Standorte Ambala und Hasimara verteilt sind. Die MRFA-Jets sollen auf den neueren F4-Standard aufgerüstet werden und diesmal in Indien gefertigt werden. Dassault hat vorgeschlagen, seine Kernpartner – den Triebwerkshersteller Safran, den Sensorhersteller Thales und den Raketenspezialisten MBDA – gemeinsam mit der indischen Industrie einzubinden.
Diese indische Präsenz nimmt bereits Gestalt an. Tata Advanced Systems hat in Hyderabad mit der Produktion kompletter Rafale-Rümpfe begonnen, und Larsen & Toubro sowie andere Unternehmen stehen bereit, sich einen Auftrag zu teilen, der nach indischen Schätzungen weit über eine Billion Rupien in die heimische Lieferkette lenken könnte.

Die Verhandlungsführer Neu-Delhis prüfen das Angebot eingehend, und die Knackpunkte sind altbekannt: Wie hoch wird der Anteil indischer Fertigung an den Flugzeugen sein, und wird Dassault Indien erlauben, eigene Waffensysteme – insbesondere die im Inland entwickelten Astra-Luft-Luft-Raketen – auf einer französischen Flugzeugzelle zu montieren? Indische Quellen geben an, dass der Anteil einheimischer Komponenten von anfänglich rund 30 Prozent auf über 60 Prozent steigen soll, sobald die Produktlinie ausgereifter ist.
Eine Flotte, die auf leeren Tanks fährt
Die Dringlichkeit ist enorm. Angesichts sinkender Geschwaderzahlen und der Einführung neuer Tarnkappen- und Viertgenerationsflugzeuge durch Nachbarländer kann die indische Luftwaffe nicht ein Jahrzehnt auf die Entwicklung eines völlig neuen, einheimischen Kampfflugzeugs warten. Eine bewährte, kampferprobte Rafale-Reihe – im Inland gefertigt und für indische Arbeitskräfte produziert – ist die pragmatische Lösung, auch wenn sie kostspielig ist.
Dassault-Chef Eric Trappier hat öffentlich erklärt, er glaube, ein Vertrag dieser Größenordnung könne noch 2026 unterzeichnet werden. Das wäre für ein Programm dieser Größenordnung ein rasanter Prozess. Doch nach jahrelangen Fehlstarts und einer abgebrochenen Ausschreibung haben beide Seiten ein Interesse an einer schnellen Einigung: Frankreich will sich seinen zweiten globalen Rafale-Produktionsstandort sichern, Indien will den Verlust seiner Kampfflugzeugflotte stoppen.
Der Vorschlag liegt vor. Jetzt beginnt der schwierige Teil: aus einem ambitionierten Vorhaben im Wert von 3,25 Billionen Rupien Unterschriften zu machen und aus 114 Flugzeugen flugfähige Staffeln zu formen.
Quellen: Aerospace Global News; Free Press Journal; Global Defense Corp; The Aviationist; Airforce Technology; meta-defense.fr. Die Angaben zum Vertragswert und zur Aufteilung der Produktionskosten variieren je nach Quelle und werden hier entsprechend angegeben.




0 Comments