Fast zwei Tage lang herrschte in Kiew keine Entwarnung. Ukrainische Beamte berichten, dass vom 27. August um Mitternacht bis zum 29. August um Mittag – also rund 28 Stunden – fast ununterbrochen Luftalarm ertönte, während Russland die Hauptstadtregion mit Drohnen und Raketen in Serie angriff.
Der Beschuss eskalierte am 29. August, als ein Angriff auf ein Lagergelände am westlichen Stadtrand von Kiew Folgeexplosionen und einen Großbrand auslöste. Mindestens 37 Menschen wurden getötet und mehr als 40 verletzt, darunter auch Kinder, wie CNN und ukrainische Behörden mitteilten. Die Zahlen werden noch korrigiert, während die Rettungskräfte die Trümmer beseitigen. Es war einer der verheerendsten Einzelangriffe, die Kiew in den über vier Kriegsjahren erleiden musste.
Kurzinfo
Ereignis: Anhaltender russischer Drohnen- und Raketenangriff auf KiewDauer: Rund 28 Stunden Luftalarm (Mitternacht, 27. August bis Mittag, 29. August)
Tödlichster Streik: Lagergelände am westlichen Stadtrand von Kiew, 29. August
Verluste: Mindestens 37 Tote, über 40 Verletzte, darunter Kinder (laut CNN und ukrainischen Behörden).
Schaden: rund 50 Wohngebäude
Waffen: Shahed/Geran-2 Einweg-Angriffsdrohnen und -Raketen
Ein Sperrfeuer, das die Verteidigungsanlagen zermürben soll
Analysten werten die ungewöhnliche Dauer des Angriffs als Absicht. Anstatt eines einzigen, heftigen Angriffs dehnte Russland die Attacke über mehr als einen Tag aus – eine Art anhaltender Druck, der die Besatzungen ermüden, die Abfangjäger dezimieren und die Luftverteidigung zwingen sollte, teure Raketen für billige Drohnen einzusetzen.
Die Hauptwaffe bei diesen langen Angriffen ist die Shahed-136, eine iranische Einweg-Angriffsdrohne, die Russland als Geran-2 im Inland herstellt. Einzeln langsam und laut, sind sie in großer Zahl gefährlich, gerade weil der Abschuss jeder einzelnen Drohne weitaus teurer sein kann als die Drohne selbst.
Wie die Ukraine zurückschlägt – und das Kostenproblem
Die Ukraine setzt mittlerweile eine mehrschichtige Verteidigung gegen die Drohnen ein: mobile Feuerteams mit schweren Maschinengewehren und schultergestützten Raketen, elektronische Störsender, Waffensysteme wie das Gepard und zunehmend kleine Abfangdrohnen, die die Shaheds in der Luft jagen und abschießen.

Diese letzte Ebene verändert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Ukrainische Abfangdrohnen kosten Berichten zufolge zwischen 1.000 und 4.000 Euro pro Stück – im Vergleich zu einer Shahed-Drohne, die schätzungsweise 25.000 bis 40.000 Euro kostet und weit unter den Millionen liegt, die eine einzelne Patriot-Rakete kostet. Anfang 2026 gaben ukrainische Beamte an, dass Abfangdrohnen die Mehrheit der Shahed-Drohnen im Raum Kiew abschießen würden.
Nächte wie der 28. und 29. August zeigen, wie wichtig die Zahlen sind. Wenn der Angreifer Drohnen zum Preis der Raketen des Verteidigers einsetzen kann, wird Ausdauer zur entscheidenden Waffe – und die Ukraine versucht, mit günstigeren Abfangraketen die Situation zu verändern.
BBC News über die kostengünstige ukrainische Abfangdrohne “Bullet”.
Quellen: CNN; Al Jazeera; Kyiv Independent; Bloomberg; Institute for the Study of War; Breaking Defense; Euronews.




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