Schwedens Gripen feuert seine erste Taurus-Rakete ab

von | 22. August 2026 | Militärische Luftfahrt, Nachricht | 0 Kommentare

Erstmals hat eines der kleinsten und kostengünstigsten Kampfflugzeuge Europas die Grenzen des Sichtbaren weit überschritten. Am 21. August 2026 erreichte ein Flugzeug der schwedischen Luftwaffe JAS 39 Gripen C Stockholm hat über dem Testgelände Vidsel in Norrbotten, im arktischen Norden Schwedens, einen scharfen Marschflugkörper vom Typ Taurus KEPD 350 abgefeuert. Es war das erste Mal, dass ein Gripen-Kampfjet diese Waffe einsetzte, und verleiht Stockholm damit eine Fähigkeit, die es zuvor noch nie besessen hat: die Möglichkeit, gehärtete, hochrangige Ziele aus einer Entfernung von mehr als 500 Kilometern anzugreifen.

Die schwedischen Streitkräfte veröffentlichten den Moment in einem kurzen Video, und der gelbe Streifen um die Rakete verriet jedem, der wusste, worauf er achten musste, die Wahrheit. Es handelte sich nicht um eine Übungsmunition oder ein Attrappenmodell, sondern um eine scharfe Waffe auf realer Flugbahn. Für eine Nation, die während des Kalten Krieges ihre gesamte Luftstreitmacht auf die Verteidigung des eigenen Luftraums ausgerichtet hatte, ist dies ein bemerkenswerter Strategiewechsel.

Kurzinfo: Gripen feuert die Taurus KEPD 350 ab

  • Datum: 21. August 2026
  • Flugzeug: Saab JAS 39 Gripen C, Schwedische Luftwaffe
  • Waffe: Taurus KEPD 350 Marschflugkörper mit großer Reichweite (scharfe Munition)
  • Reichweite: Mehr als 500 km
  • Kreuzfahrtprofil: Bereits in 35 m Tiefe, etwa Mach 0,95
  • Sprengkopf: 481 kg MEPHISTO-Penetrator
  • Verwendete Reichweite: Testgelände Vidsel, Norrbotten, Schweden

Eine Premiere über dem arktischen Gebirge

Der Test fand in Vidsel statt, dem weitläufigen Testgelände im schwedischen Lappland, wo die schwedische Rüstungsbehörde FMV seit Jahrzehnten Waffensysteme erprobt. Die schwedische Luftwaffe Flygvapnet gab den Start am 21. August mit von der FMV veröffentlichten Bildern bekannt und beschrieb ihn schlicht als den ersten Abschuss einer Taurus-Rakete aus einer Gripen.

Es wurden keine Reichweitenangaben oder Zieldetails veröffentlicht, wie es bei einem Schießversuch üblich ist. Die Bedeutung liegt jedoch nicht in den Zahlen, sondern darin, dass der Schuss überhaupt abgegeben wurde – jahrelange Integrationsarbeit hat sich nun ausgezahlt, indem die Waffe die Schiene verlässt und ihre programmierte Flugbahn zum Ziel abfliegt.

Die Eile ist beabsichtigt. Die Indienststellung des Taurus war ursprünglich für 2028 geplant, aber Schweden drängt auf eine frühere Einführung, wobei die Luftwaffe, die FMV und die Industrie parallel an einer Verkürzung des Zeitplans arbeiten.

“Diese Fähigkeit an sich ist sehr wichtig, da wir bisher weder über Fähigkeiten für Tiefenangriffe noch für offensive Luftabwehr verfügten. Wir hätten unser gesamtes Budget auf defensive Fähigkeiten konzentrieren können, aber das bedeutet nun eine enorme Umstellung für uns.”
Generalmajor Jonas Wikman — Befehlshaber der schwedischen Luftwaffe gegenüber Defense News, Dezember 2025

Was der Stier tatsächlich tut

Die Taurus KEPD 350 ist ein luftgestützter Marschflugkörper mit großer Reichweite, der von der Taurus Systems GmbH, einem deutsch-schwedischen Joint Venture von MBDA Deutschland und Saab, entwickelt wurde. Sie ist speziell für Ziele konzipiert, die eine defensive Luftwaffe bisher nicht erreichen konnte: befestigte Gefechtsstände, Bunker, Flugplätze, Brücken und andere wichtige Infrastrukturen.

Mit einer Reichweite von über 500 Kilometern ermöglicht sie dem Trägerflugzeug, sich weit außerhalb der Reichweite feindlicher Luftverteidigungssysteme zu bewegen. Die Rakete selbst fliegt anschließend in geringer Höhe von bis zu 35 Metern mit einer Geschwindigkeit von etwa Mach 0,95 und navigiert mithilfe einer Kombination aus Trägheits-, Satelliten-, Gelände- und Bildnavigation, sodass sie ihr Ziel auch bei GPS-Störungen noch findet. Ihr 481 kg schwerer MEPHISTO-Gefechtskopf ist ein mehrstufiger Penetrator, der Beton durchschlägt, bevor er tief im Inneren detoniert.

Marschflugkörper Taurus KEPD 350
Die Taurus KEPD 350, eine deutsch-schwedische Distanzrakete, die für den Einsatz gegen gehärtete, tief vergrabene Ziele aus über 500 km Entfernung entwickelt wurde. Foto: Wikimedia Commons.

Eine defensive Luftwaffe lernt zurückzuschlagen

Schweden begann die Integration und den Kauf des Taurus-Systems erst im Februar 2025, obwohl Saab den Gripen bereits 2002 als Taurus-fähige Plattform gelistet hatte. Geplant ist die Modernisierung von 60 Gripen C/D-Jets auf den MS20 Block 3-Standard mit Auslieferungen ab 2026 und einer weiteren Block 4-Konfiguration im Jahr 2028. Diese älteren Gripens werden neben dem neuen Gripen E weiter eingesetzt, der laut Saab nach Abschluss der Integrationsarbeiten ebenfalls die Waffe tragen kann.

Der strategische Hintergrund ist entscheidend. Schweden gab seine zweihundertjährige Blockfreiheit auf, um 2024 der NATO beizutreten, und eine Rakete mit großer Reichweite verändert die Bedeutung des Bündnisses grundlegend. Ein Land, das sich einst mit der Verteidigung seines eigenen Luftraums begnügte, kann nun Ziele Hunderte von Kilometern innerhalb feindlichen Gebiets bedrohen. Für einen Kampfjet, der oft als Budgetlösung abgetan wurde, hat die Gripen dadurch eine enorme Reichweite erlangt.

Quellen: Schwedische Luftwaffe (Flygvapnet), Schwedische Agentur für Verteidigungsmaterial (FMV), The Aviationist, Defense News, Saab.

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