Schweiz erste F-35A Lightning II Es ist nicht länger nur eine Sammlung von Zeichnungen und Verträgen. Es ist jetzt Metall. In einer Halle in Cameri in der italienischen Region Piemont wurde das erste Rumpfsegment eines Schweizer Jets mit seinem ersten Flügel verbunden – das erste physische Zeichen einer Flotte von 30 Flugzeugen, die die Schweizer Luftwaffe grundlegend verändern wird.
Die Schweizer Beschaffungsbehörde für Verteidigungsgüter, Armasuisse, bestätigte diesen Meilenstein am 14. August 2026. Das Flugzeug mit der Seriennummer MJ-4 wird schließlich die Kennung J-6004 erhalten – die vierte F-35, die der Schweiz zugeteilt wurde. Für ein Programm, über das in Volksabstimmungen, vor Gerichten und im Parlament gestritten wurde, ist der Anblick eines echten Schweizer Flugzeugs in der Fertigung ein bedeutender Moment.
Und es wird nicht in Texas, sondern in Italien gebaut.
Kurzinfo
Flugzeug: Lockheed Martin F-35A Lightning II (erste Schweizer Sektion: MJ-4, später J-6004)
Wo: Leonardos Werk in Cameri, Piemont – die einzige Endmontagelinie für die F-35 in Europa
Befehl: 30 Flugzeuge (reduziert von ursprünglich 36 geplanten)
Ausbildung: Die ersten acht Jets werden ab Mitte 2027 auf der Ebbing ANGB in Arkansas stationiert sein.
Basis: Payerne ab Mitte 2028, Meiringen ab 2030, Emmen ab 2032
Ersetzt: Die F/A-18 Hornet-Flotte der Schweizer Luftwaffe
Hergestellt in Cameri
Cameri ist Europas F-35-Werk. Es wird von Leonardo betrieben und ist die einzige Endmontage- und Prüfstelle für den Kampfjet außerhalb der USA. Dort werden bereits Flugzeuge für Italien und die Niederlande gefertigt. Das Werk kann bis zu 20 Flugzeuge pro Jahr bauen und produziert rund ein Drittel aller F-35-Tragflächen weltweit. Es ist Teil eines Zulieferernetzwerks mit über 2.100 Unternehmen.
Die Entscheidung der Schweiz, einen Großteil ihrer Flotte dort montieren zu lassen, war bewusst getroffen – ein Zeichen der europäischen Industrie- und Sicherheitskooperation bei einem Flugzeugtyp, der letztlich amerikanisch ist. Sobald die Strukturarbeiten an der MJ-4 in Italien abgeschlossen sind, werden Rumpf und Tragflächen zum Lockheed-Martin-Werk in Fort Worth, Texas, transportiert und dort mit dem Rest des Flugzeugs zusammengebaut.

Der lange Weg nach Payerne
Der Zeitplan erstreckt sich über die nächsten Jahre. Die ersten acht Schweizer F-35 werden ab Mitte 2027 auf der Ebbing Air National Guard Base in Arkansas stationiert sein. Dort werden Schweizer Piloten und Bodenpersonal gemeinsam mit anderen neuen europäischen Betreibern den Umgang mit dem Flugzeug erlernen. Der erste von Cameri gebaute Jet soll Mitte 2028 direkt in die Schweiz fliegen, die J-6004 selbst wird voraussichtlich Ende 2029 eintreffen.
Von dort aus wird der Kampfjet auf den Bergflugplätzen des Landes eingesetzt: zunächst in Payerne ab Mitte 2028, dann in Meiringen ab 2030 und schließlich in Emmen ab 2032. Bis dahin werden die F/A-18 Hornets, die drei Jahrzehnte lang den Schweizer Himmel bewacht haben, ausgemustert sein.
Die in Europa ausgestellte F-35A – der Flugzeugtyp, den die Schweiz derzeit in Cameri baut.
Ein Kauf, der sich weigert, einfach zu sein
Nichts davon war einfach. Die Schweizer F-35 überstand ein knappes Referendum, einen langen Streit darüber, ob der Preis tatsächlich fix war, und Kostendruck, der die Bestellung schließlich von 36 auf 30 Jets reduzierte. Kritiker stellen den Deal weiterhin in Frage; Befürworter verweisen auf einen modernen Tarnkappenjäger, der die alternde Hornet-Flotte ersetzt, die nicht ewig fliegen kann.
Ganz gleich, auf welcher Seite man in dieser Debatte steht, sie ist nun von einer Tatsache überholt worden: In einer Fabrik in Norditalien wird das erste Bauteil der zukünftigen Schweizer Luftwaffe gefertigt. Aus der Theorie wird endlich ein Kampfjet.
Quellen: Armasuisse; SWI swissinfo.ch; Defence Industry Europe; Air Data News; GlobalSecurity.




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