Sieben Minuten von JFK nach Manhattan: Jobys Flugtaxi fliegt durch New York.

by | 13. Mai 2026 | Luftfahrtwelt, Nachricht | 0 comments

An einem klaren Sonntagmorgen Ende April hob ein kleines weißes Flugzeug mit sechs schwenkbaren Propellern vom John F. Kennedy International Airport ab und flog in nordwestlicher Richtung auf die glitzernden Türme von Midtown Manhattan zu. Sieben Minuten später landete es auf dem Hubschrauberlandeplatz an der East 34th Street, seine Elektromotoren surrten sanft über dem East River zum Stillstand. Kein Kerosin wurde verbraucht. Kein donnerndes Turbinengebrüll hallte durch den Stadtteil. Das Zeitalter der urbanen Luftmobilität war in New York City angebrochen, und es war flüsterleise.

Die von Joby Aviation am 27. April 2026 angekündigten Demonstrationsflüge markierten die ersten Punkt-zu-Punkt-Flüge eines elektrisch betriebenen Senkrechtstart- und -landeflugzeugs (eVTOL) in der Geschichte New Yorks. Die Fahrt, die normalerweise 45 Minuten bis eine Stunde in einem Taxi dauert – oder im Berufsverkehr deutlich länger –, verkürzte sich auf einen entspannten siebenminütigen Gleitflug über die Stadt. Ein Moment, auf den Luftfahrtexperten, Stadtplaner und genervte Pendler jahrelang gewartet hatten.

Kurzinfo

  • Angekündigt: 27. April 2026
  • Route: JFK Flughafen → Hubschrauberlandeplatz East 34th Street, Manhattan
  • Flugzeit: ca. 7 Minuten
  • Flugzeug: Joby S4 eVTOL (6-Propeller, vollelektrisch)
  • Operator: Joby Aviation
  • FAA-Typenzulassung: In Phase 4, der letzten Flugtestphase
  • Ziel der kommerziellen Markteinführung: Ende 2026
  • Airline-Partner: Delta Air Lines ($60M Investition)
Joby Aviation eVTOL-Flugzeug im Flug
Das vollelektrische Lufttaxi von Joby Aviation markiert ein neues Kapitel im urbanen Verkehr. (Bild: Wikimedia Commons)

Vom Prototyp zum Machbarkeitsnachweis

Joby Aviation hat über ein Jahrzehnt in die Entwicklung seines bemannten, fünfsitzigen eVTOL-Flugzeugs investiert. Das Unternehmen mit Sitz in Santa Cruz, Kalifornien, ging 2021 durch eine SPAC-Fusion an die Börse und hat seitdem Milliarden in Zertifizierungstests, Produktionsausweitung und Infrastrukturpartnerschaften investiert. Die Flüge in New York City fanden im Rahmen des eVTOL-Integrationspilotprogramms der FAA statt. Dieses Programm ermöglicht es vorzertifizierten Flugzeugen, im kommerziellen Luftraum zu operieren, während Joby die Phase 4 der Musterzulassung durchläuft – die letzte Flugtestphase, bevor das Unternehmen zahlende Passagiere im kommerziellen Betrieb befördern darf.

Die Demonstration war nicht nur eine technische Vorführung, sondern ein sorgfältig inszeniertes Signal für wirtschaftliche Ambitionen. Skyports, der in London ansässige Entwickler von Vertiports, der weltweit Landeinfrastruktur in Metropolen errichtet, gehört zu den Partnern der Stadt New York, die das Hubschrauberlandeplatznetz für den Betrieb elektrischer Lufttaxis modernisieren wollen. Die Flugroute vom JFK zum Hubschrauberlandeplatz an der East 34th Street wurde bewusst gewählt: Sie spiegelt einen der am stärksten frequentierten Verkehrskorridore Amerikas wider und demonstriert, dass eVTOL die Pendelzeiten um ein Vielfaches reduzieren kann.

Im Rahmen derselben Kampagne wurden auch Flüge von JFK zum Hubschrauberlandeplatz an der West 30th Street am Hudson River sowie zum Downtown Skyport in Lower Manhattan angeboten. Auch diese Flüge waren deutlich günstiger als selbst die optimistischsten Taxifahrten und eröffneten die Möglichkeit mehrerer Landeplätze in Manhattan, die verschiedene Teile der Insel bedienen.

JoeBen Bevirt
“New York war schon immer eine Stadt, die die Zukunft durch das Verlangen nach Besserem gestaltet. Wir sind 2023 zum ersten Mal hierher geflogen und zeigen nun, wie das nächste Kapitel aussieht: ein leiser, emissionsfreier Lufttaxi-Service, der den New Yorkern einen besseren Service bieten soll.”
JoeBen Bevirt — Gründer und CEO, Joby Aviation

Die Delta-Verbindung und der Weg zu Einnahmen

Hinter der Demonstration verbirgt sich eine bedeutende kommerzielle Partnerschaft. Delta Air Lines investierte 1,4 Billionen US-Dollar in Joby Aviation und setzte darauf, dass Flugtaxis ein fester Bestandteil des Reiseerlebnisses werden. Die Vision ist einfach: Ein Delta-Passagier landet beispielsweise aus Atlanta kommend am JFK und bucht, anstatt sich durch den Verkehr zu quälen, um zu einem Hotel in Manhattan zu gelangen, direkt über die Delta-App ein Joby-Flugtaxi. Sieben Minuten später ist er in Midtown.

Joby ist weiterhin ein Unternehmen in der Vorumsatzphase, doch der Zeitplan für den kommerziellen Start rückt näher. Das Unternehmen peilt Ende 2026 den Beginn des kostenpflichtigen Passagierbetriebs an, zunächst in ausgewählten US-Städten. New York wird voraussichtlich zu den ersten Märkten gehören, neben potenziellen Strecken nach Los Angeles und San Francisco. International hat Joby Pläne für einen Markteintritt in Dubai angekündigt und will damit die Offenheit des Emirats für zukunftsweisende Transporttechnologien nutzen.

Manhattan-Skyline aus der Vogelperspektive mit potenziellen eVTOL-Routen
Die Skyline von Manhattan – bald schon Kulisse für die elektrischen Flugtaxis, die JFK in wenigen Minuten mit Midtown verbinden. (Bild: Wikimedia Commons)

Das Preismodell ist noch geheim, Branchenanalysten gehen jedoch davon aus, dass die Anfangspreise mit denen von Premium-Helikopterchartern vergleichbar sein werden – etwa 1.400 bis 1.400 US-Dollar pro Sitzplatz. Die Kosten sollen mit zunehmender Flottengröße und Betriebsgröße sinken. Für Geschäftsreisende, die 1.400 US-Dollar oder mehr pro Stunde berechnen, rechnet sich das Angebot sofort. Für Pendler im Alltag wird die Wirtschaftlichkeit noch einige Jahre benötigen.

Was dies für die städtische Luftfahrt bedeutet

Die Demonstration in New York ist nicht nur für Joby, sondern für die gesamte eVTOL-Branche von großer Bedeutung. Konkurrenten wie Archer Aviation und Beta Technologies haben ähnliche Meilensteine erreicht, doch Jobys FAA-Zertifizierungsfrist und die finanzstarke Partnerschaft mit einer Fluggesellschaft verschaffen dem Unternehmen einen deutlichen Vorsprung auf dem amerikanischen Markt. Der erfolgreiche Flug in New York sendet zudem ein starkes Signal an Regulierungsbehörden und Stadtplaner, die der Integration von Flugtaxis in den stark frequentierten städtischen Luftraum bisher skeptisch gegenüberstanden.

Der New Yorker Luftraum zählt zu den komplexesten der Welt. Er wird durch sich überschneidende Anflugzonen der FAA für JFK, LaGuardia und Newark sowie Sperrzonen um Sehenswürdigkeiten und Regierungsgebäude geregelt. Gelingt es, eVTOL-Flüge sicher in dieses komplexe Gefüge zu integrieren, so sind die Chancen für eine breite Anwendung in weniger restriktiven Städten gut.

Natürlich gibt es weiterhin Herausforderungen. Lärmbelästigung durch Anwohner am Wasser, begrenzte Batteriereichweite, Wetterabhängigkeit und die immensen Kosten für den Bau von Vertiport-Netzen müssen allesamt berücksichtigt werden. Doch am 27. April schien die Zukunft des städtischen Verkehrs über dem East River für sieben Minuten elektrisiert zum Greifen nah.

Quellen: Pressemitteilung von Joby Aviation (April 2026), FAA-Zertifizierungsunterlagen, Investorenkommunikation von Delta Air Lines, Ankündigungen zur Skyports-Infrastruktur, Reuters, Bloomberg.

Verwandte Fragen

Was ist das Joby-Lufttaxi?

Das Joby-Lufttaxi ist ein elektrisch betriebenes Senkrechtstart- und Landeflugzeug (eVTOL) des Herstellers Joby Aviation. Mithilfe von sechs schwenkbaren Propellern startet es wie ein Hubschrauber und fliegt wie ein Flugzeug. Es befördert Passagiere leise und ohne Kerosinverbrauch auf kurzen Strecken im Stadtverkehr. Die ersten Demonstrationsflüge fanden 2026 in New York City statt.

Wie lange dauert der Joby-Flug von JFK nach Manhattan?

Jobys Demonstrationsflug legte die Strecke vom JFK-Flughafen zum Hubschrauberlandeplatz an der East 34th Street in Manhattan in etwa sieben Minuten zurück. Dieselbe Strecke dauert mit dem Taxi normalerweise 45 Minuten bis eine Stunde, im Berufsverkehr sogar noch länger. Dies zeigt, wie eVTOL-Lufttaxis kurze Fahrten in der Stadt revolutionieren könnten.

Seit wann fliegt Joby in New York City?

Joby Aviation kündigte am 27. April 2026 seine Demonstrationsflüge in New York City an – die ersten elektrischen Senkrechtstart- und Landeflüge (VTOL) mit Lufttaxi in der Geschichte der Stadt. Die Flüge verbanden den Flughafen JFK mit einem Hubschrauberlandeplatz in Manhattan über dem East River.

Wie funktioniert ein eVTOL-Lufttaxi?

Ein eVTOL-Lufttaxi hebt mithilfe elektrischer Rotoren senkrecht ab und kippt diese dann nach vorn, um wie ein konventionelles Flugzeug auf seinen Tragflächen zu fliegen. Jobys Konstruktion verwendet sechs kippbare Propeller. Das Verfahren ist im Flug leise und emissionsfrei und eignet sich daher für dicht besiedelte Städte – allerdings ist der Übergang vom Flugzeug zum Tragflächenflug technisch anspruchsvoll, wie folgendes Beispiel zeigt: Vertical Aerospaces erster bemannter Übergang.

Sind eVTOL-Lufttaxis für den Flugbetrieb zugelassen?

Flugtaxis haben wichtige regulatorische Meilensteine erreicht, und der Sektor hat sich kürzlich Die letzte große Zertifizierungshürde wurde genommen In den USA zeigen Demonstrationsflüge wie der von Joby in New York, dass die Technologie in realen Städten funktioniert, und es wird erwartet, dass der kommerzielle Passagierverkehr bis Ende der 2020er Jahre ausgebaut wird.

Ist Jobys Lufttaxi umweltfreundlich?

Jobys eVTOL verbraucht kein Kerosin und erzeugt im Flug keine direkten Emissionen, da er von Elektromotoren angetrieben wird, die deutlich leiser sind als Hubschrauberturbinen. Das macht ihn besonders attraktiv für dicht besiedelte Stadtgebiete. Weitere Informationen zur Technologie und ihren Vor- und Nachteilen finden Sie in unserem Artikel. Leitfaden für eVTOL-Lufttaxis.

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