Die US-Armee hat ihren bewährten Truppentransporter in eine Startplattform für autonome Kampfdrohnen umgewandelt. Aufnahmen, die von Anduril am 31. August veröffentlicht wurden, zeigen, wie ein H-60M Black Hawk eine Altius-700 von einem externen Pylon aus startet. Die Drohne rast über die Mojave-Wüste, bevor eine Formation von ihnen selbstständig ein Ziel verfolgt.
Der Black Hawk ist kein Kampfhubschrauber. Diese Aufgabe übernimmt der AH-64 Apache. Was die US-Armee bei Project Convergence Capstone 6 demonstrierte, ist etwas Ungewöhnlicheres und womöglich Nützlicheres: ein Mehrzweckhubschrauber, der als Mutterschiff fungiert und Sensoren sowie Präzisionsangriffe weit über die Reichweite der fest installierten Ausrüstung hinaus ausführt.
Kurzinfo
- Ereignis: Project Convergence Capstone 6, Flug über die Mojave-Wüste
- veröffentlichtes Videomaterial: 31. August 2026, von Anduril Industries
- Startplattform: H-60M Black Hawk, Startvorrichtungen an externen Flügelpylonen angebracht
- Waffe: Anduril Altius-700-Familie; die bewaffnete Altius-700M trägt einen Sprengkopf von bis zu 15 kg (33 lb)
- Erreichen: Altius-700M Reichweite von ungefähr 160 km (100 Meilen), Laufzeit etwa 75 Minuten
- Zum Vergleich: Die AGM-114 Hellfire erreicht eine Reichweite von etwa 11 km.
Was geschah tatsächlich in der Mojave-Wüste?
Laut Anduril setzte eine H-60M-Besatzung ein Altius-700-“Jagd- und Kampfteam” ein, das das Ziel autonom lokalisierte, die Daten innerhalb der Formation weiterleitete und angriff. Anders ausgedrückt: Die Hubschrauberbesatzung steuerte die Drohne nicht selbst zum Ziel. Sie setzte sie ab, und die Drohnen erledigten den Rest selbstständig.
Die Mojave-Wüste wurde nicht aufgrund ihrer Landschaft ausgewählt. Die extreme Hitze dort ermöglichte es der Armee, die Umweltbeständigkeit des Systems sowie seine Vernetzungsfähigkeit zu testen. Zuvor hatte es im Juni dreitägige Flugtests in Fort AP Hill, Virginia, gegeben, bei denen die Besatzungen des H-60M mehrere Mittelstrecken-Fallschirmsysteme starteten und steuerten.
Anduril bezeichnete die Fahrzeuge im Video lediglich als Altius-700, doch die Aufnahmen zeigen, wie eines davon ein offenbar gepanzertes Bodenfahrzeug zerstört. Im Vorfeld der Übung hatte die Armee den bewaffneten Altius-700M als die Langstreckenpräzisionsmunition identifiziert, die sie von einem Black Hawk aus abfeuern wollte. Dies deutet stark darauf hin, dass es sich bei dem kinetischen Fahrzeug im Video um einen 700M handelt.
Warum ausgerechnet ein Mehrzweckhubschrauber?
Unbemannte, von Flugzeugen abgefeuerte Systeme übernehmen gefährliche Aufgaben wie Aufklärung, Zielerfassung, elektronische Kampfführung, Kommunikationsweiterleitung, Täuschung oder den eigentlichen Angriff. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ein nicht-kinetisches System kann weit vor der Formation aufklären, während der bemannte Hubschrauber außerhalb der Gefahrenzone bleibt. Ein bewaffnetes System kann Ziele angreifen, die der Hubschrauber niemals sicher erreichen könnte.

Die Zahlen erklären die Begeisterung. Eine Hellfire zwingt den Hubschrauber, sich dem Ziel bis auf etwa 11 Kilometer zu nähern. Eine Altius-700M hingegen soll eine Reichweite von rund 160 Kilometern haben und dabei über eine Stunde kreisen können. Das ist keine bloße Reichweitenverbesserung, sondern eine völlig neue Art der Kriegsführung.
Sikorsky hat offen dargelegt, wohin das führt, und es geht nicht um eine Drohne nach der anderen.
Der ruhige Teil: Dies ist Inkrement 1
Die US-Armee beschreibt die erste Ausbaustufe der Fähigkeit zum Einsatz von Fernkampfeffekten als ein vollständig staatseigenes und -entwickeltes System, das in Zusammenarbeit mit dem Utility Helicopters Project Office und dem Aviation and Missile Center des DEVCOM entwickelt wurde. Die Altius-Familie von Anduril gehörte zu den Systemen, die bei Capstone 6 zum Einsatz kamen, obwohl die Armee nicht alle verwendeten Effekte öffentlich benannt hat.
Der unbemannte U-Hawk wird derweil mit einem internen Startsystem ausgestattet, sodass die Effekte im Inneren des Flugzeugs und nicht an den Tragflächen transportiert werden. Verbindet man diese beiden Aspekte, wird das Ziel deutlich: ein unbemannter Black Hawk, vollgepackt mit kleinen autonomen Waffen, der allen anderen bemannten Flugzeugen vorausfliegt.
Quellen: The Aviationist, Anduril Industries, TWZ, Janes und Automated Decision Research.




0 Kommentare