Liliums Lufttaxis landen in einem Museum

von | 9. August 2026 | Luftfahrtwelt, Nachricht | 0 Kommentare

Der Traum war ein elektrischer Jet, der einen nahezu geräuschlos zwischen Städten befördern sollte, senkrecht von einem Dach abheben und auf kurzen, mit winzigen Ventilatoren bestückten Flügeln dahingleiten würde. Lilium, das Münchner Start-up, das für diesen Traum weit über eine Milliarde Dollar einsammelte, ging 2024 in Konkurs. Nun haben seine beiden fliegenden Prototypen ihren endgültigen Platz gefunden – nicht auf einem Schrottplatz, sondern in einem Museum.

Die Technologiedemonstratoren Phoenix 2 und Phoenix 3, die unbemannten Jets, die die Flugfähigkeit von Liliums radikalem Mantelpropeller-Design bewiesen, wurden vom Deutschen Technikmuseum in Berlin und dem Luftfahrtmuseum Wernigerode in Sachsen-Anhalt erworben. Allein Phoenix 2 hatte fast 200 Flugstunden absolviert, bevor die Mittel ausgingen.

Kurzinfo

  • Flugzeug: Lilium Jet – Technologie-Demonstratoren Phoenix 2 & Phoenix 3
  • Hersteller: Lilium GmbH, München (gegründet 2015)
  • Antrieb: Dutzende kleiner elektrischer Mantelventilatoren, die zum Schweben und für den Reiseflug geneigt werden können.
  • Höchstgeschwindigkeit erreicht: mehr als 250 km/h (155 mph)
  • Insolvenz: Oktober 2024
  • Neue Häuser: Deutsches Technikmuseum, Berlin; Luftfahrtmuseum Wernigerode

Ein Jet wie kein anderer

Die meisten Start-ups im Bereich Lufttaxis setzten auf wenige große, offene Rotoren. Lilium ging einen anderen Weg und verbaute Dutzende kleiner elektrischer Mantelpropeller in den Tragflächen und den vorderen Canards. Im Schwebeflug zeigten sie nach unten; mit zunehmender Geschwindigkeit neigten sie sich nach vorn, bis der kleine Jet wie ein konventionelles Flugzeug auf seinen Tragflächen flog. Es war elegant, ungewöhnlich und ungemein schwer zu beweisen.

Und sie bewiesen es. Laut Lilium war die Phoenix 2 im Jahr 2022 das erste vollelektrische Jetflugzeug, das den vollständigen Übergang vom senkrechten Schweben zum Tragflächenflug absolvierte und später auf einem Testgelände in Südspanien Geschwindigkeiten von über 250 km/h erreichte.

Statischer Demonstrator des Lilium Jet in Paris Le Bourget 2023
Ein Lilium Jet-Demonstrator in Originalgröße wurde auf der Pariser Luftfahrtschau 2023 ausgestellt. Foto: Wikimedia Commons
“Der erste vollelektrische Jet in Originalgröße, der jemals vom Schwebeflug in den Tragflächenflug übergegangen ist.”
Lilium — zum Meilenstein des Übergangs zu Phoenix 2, 2022

Eine Milliarde Dollar, dann nichts

Nicht die Physik, sondern das Geld besiegelte Liliums Schicksal. Nach jahrelangem Geldverbrennen ging dem Unternehmen 2024 das Kapital aus, und als die Bundesregierung eine Rettungsgarantie ablehnte, folgte die Insolvenz. Für die Vermögenswerte fand sich kein Käufer, und die Phoenix-Prototypen – eben jene Maschinen, die das Design validiert hatten – sollten verschrottet werden.

Es war ein düsterer Schlusspunkt unter einem der ehrgeizigsten Projekte Europas im Bereich der sauberen Luftfahrt und Teil einer umfassenderen Abrechnung, bei der Milliarden in elektrische Flugtaxis geflossen sind, ohne dass bisher nennenswerte Ergebnisse erzielt wurden.

Gerettet durch eine Crowdfunding-Kampagne

Was dem Vorstand nicht gelang, schafften es Enthusiasten. Eine Crowdfunding-Kampagne an der Basis brachte rund 10.000 Euro ein, um die Phoenix-Demonstrationsmaschinen vor ihrer Verschrottung zu retten. Die beiden Flugzeuge wurden den Museen übergeben, wo sie nun für Ausstellungszwecke wieder zusammengebaut werden.

Die Lilium Jet wird nie einen zahlenden Passagier befördern. Doch hinter Glas in Berlin und Wernigerode wird sie zumindest als das in Erinnerung bleiben, was sie war: eines der kühnsten und schönsten Wagnis der europäischen Luftfahrtgeschichte.

Quellen: FlightGlobal; Aviation Week; New Atlas; Lilium; electrive.

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