Peking hat Pakistans neues Raketensystem angekündigt. Pakistan hat es nicht getan.

by | 7. Sep. 2026 | Militärische Luftfahrt, Nachricht | 0 comments

Kurz nach Mitternacht am Tag der pakistanischen Luftwaffe veröffentlichte die PAF ein patriotisches Musikvideo mit dem Titel Fizaon K Pasbaan — Wächter der Himmel. Nach etwa achtundzwanzig Sekunden rollt ein sechsrädriges Luftabwehrfahrzeug mit einer großen rechteckigen Radaranordnung ins Bild.

Pakistan nannte es nicht beim Namen. Pakistan hat es bis heute nicht benannt.

Bis Montagabend hatten chinesische Staatsmedien verkündet, um was es sich handelt, wer es baut, was es kann und warum Pakistan es brauchte.

Kurz & knapp — Was tatsächlich feststeht

Das Video: “Fizaon K Pasbaan”, veröffentlicht vom PR-Konto der PAF um 00:13 Uhr pakistanischer Zeit am 7. September 2026

Das Fahrzeug: Sechsrädriges Flugabwehrraketensystem, das dem chinesischen HQ-17A ähnelt, bei etwa 28 Sekunden

Pakistanische Bestätigung: Keine. Kein Typ, kein Vertrag, keine Stückzahl, kein Lieferdatum und keine Einheit wurden bekannt gegeben

Wer es identifizierte: Bloomberg, vorsichtig formuliert als “möglich” und “ähnelt”

Wer es bestätigte: Chinesische Staats- und Militärmedien

Die Herkunft des Systems: Das HQ-17 leitet sich vom russischen Tor-M1 ab, nachdem Russland China eine Produktionslizenz verweigert hatte

Exportvariante: HQ-17AE, seit März 2021 für den Export freigegeben

Bestätigte Betreiber: China, Saudi-Arabien, Serbien, Tadschikistan

Die vorsichtige Version und die selbstsichere

Bloomberg brachte die Geschichte zuerst und ging dabei vorsichtig vor: Die Merkmale des Fahrzeugs ähneln denen des HQ-17A, Pakistan identifizierte es nicht, und falls Pakistan das System erworben habe, wäre dies der erste bekannte Verkauf dieses Typs an das Land.

Der Global Times -Version, am selben Tag veröffentlicht, beginnt damit, dass die pakistanische Luftwaffe das HQ-17AE “enthüllt” habe. Von dort geht es weiter zu Radar, Startmethode, Vernetzung und Zielkapazität des Systems, mit der Erklärung, Pakistan sei “ein weiterer internationaler Nutzer geworden”, dessen Lücke im Kurzstreckenbereich das System schließen werde.

Die Lücke zwischen diesen beiden Darstellungen ist die eigentliche Geschichte.

Es gibt noch eine weitere Ungereimtheit. Chinesische Militärmedien bestätigten das Modell Berichten zufolge in einem eigenen Beitrag — das heißt, Peking identifizierte öffentlich ein pakistanisches Luftabwehrsystem, das Pakistan selbst nicht benennen wollte.

Das Detail, das herausgeschnitten wurde

Hier ist, womit fast jedes nicht-chinesische Medium seine Berichterstattung eröffnete — und was die Global Times mit keinem Wort erwähnte.

Die eigentliche Schlagzeile desselben Videos war türkisch. Es enthielt die erste Bestätigung, dass Pakistan ASELSANs KORKUT eingeführt hat — eine selbstfahrende Flugabwehrkanone mit zwei 35-mm-Rohren, die programmierbare Luftsprengmunition auf rund vier Kilometer verschießt und genau für jenes Drohnenschwarm-Problem konzipiert ist, das der chinesische Kommentar seitenlang beschreibt. Auch das 40-mm-System ASELSAN ŞAHİN tauchte auf.

Das ist strategisch bedeutsam. Pakistan unterzeichnete am 7. August 2026 ein gemeinsames Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien und der Türkei und hat türkische Bayraktar-Drohnen gekauft. Im Kurzstreckenbereich diversifiziert Pakistan weg von chinesischen Lieferanten — und das ist nicht die Geschichte, die ein chinesisches Staatsmedium über ein chinesisches Fahrzeug im selben Video schreiben wird.

A Pakistan Air Force JF-17 Thunder Block III in flight
Eine JF-17 Thunder Block III der PAF — selbst ein chinesisch-pakistanisches Gemeinschaftsprodukt. Laut SIPRI lieferte China zwischen 2020 und 2024 81 Prozent von Pakistans Waffenimporten. Foto: TunaFish Spotting, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Es ist ein Tor, und Russland hat Nein gesagt

Die Abstammung des HQ-17 ist das Interessanteste daran, und genau das lässt die chinesische Darstellung vollständig weg. Das Wort Tor taucht kein einziges Mal auf.

China kaufte 1996 vierzehn russische Tor-M1-Systeme, geliefert 1997, dann 1999 noch einmal dreizehn weitere. Um das Jahr 2000 bat China Moskau um eine Lizenz zum eigenen Bau des Tor-M1. Russland lehnte ab. China entwickelte es stattdessen per Reverse Engineering nach.

Das HQ-17 wurde um 2013 auf einem Kettenfahrgestell bei der Volksbefreiungsarmee eingeführt. Die radgetriebene Variante HQ-17A wurde erstmals öffentlich bei der Nationalfeiertagsparade am 1. Oktober 2019 gezeigt. Das HQ-17AE ist die Exportversion dieser Radvariante, seit März 2021 für den Export freigegeben — nicht, wie die Global Times schreibt, erstmals später jenes Jahr auf der Airshow China in Zhuhai aufgetaucht. Der eigene Artikel widerspricht sich zwei Absätze weiter unten selbst, indem er eine CASIC-Erklärung aus dem März zitiert.

Die Rakete ist nahezu identisch mit der 9M331 des Tor: etwa 165 kg schwer, 2,9 Meter lang, mit einem 15-kg-Splittergefechtskopf.

A Russian 9A330 Tor-M1 surface-to-air missile system
Der russische Tor-M1, NATO-Codename SA-15 Gauntlet. China kaufte 27 Stück davon, erhielt keine Lizenz für den Nachbau und entwickelte daraufhin das HQ-17. Foto: Vitaly V. Kuzmin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Welchen Zahlen man trauen kann

Einige Angaben zum HQ-17AE sind auch außerhalb chinesischer Quellen bestätigt: das sechsrädrige Fahrgestell, acht Raketen pro Fahrzeug, eine Schrägreichweite von etwa 1,5 bis 15 Kilometern sowie die Entwicklung durch die Zweite Akademie von CASIC in Peking.

Andere nicht. Die Behauptung, jedes Fahrzeug könne vier Raketen gleichzeitig gegen vier Ziele lenken, lässt sich ausschließlich auf CASIC und Medien zurückführen, die dessen Broschlüre wiederholen. Unabhängige Quellen gehen bei der HQ-17-Familie von zwei gleichzeitigen Zielbekämpfungen aus, wie beim Tor-M1, von dem sie abstammt. Die vollständig festkörperbasierte Phased-Array-Antenne, der vertikale Kaltstart, das “Direct-Force-Fast-Turn-System”, die drehbaren Leitwerksflügel, das Feuern in Bewegung und die Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Vernetzung sind alles Herstellerangaben, ohne unabhängige Erprobung weitergegeben. Als die South China Morning Post 2021 einiges davon wiederholte, schrieb sie die Beschreibung ausdrücklich der Global Times.

Noch etwas, das man benennen sollte. Das analytische Rückgrat des chinesischen Artikels beruht ganz auf einer einzigen Quelle, die nur als “ein chinesischer Militärexperte” beschrieben wird. Wang Yunfei ist ein pensionierter Offizier der Volksbefreiungsarmee Marine und ein wiederkehrend namentlich genannter Ansprechpartner für chinesische Staatsmedien — eine Tatsache, die der Artikel nicht offenlegt, obwohl er ihn zur Einschätzung eines bodengestützten Kurzstrecken-Luftabwehrsystems für einen ausländischen Kunden heranzieht. Er wird zudem nie wörtlich zitiert. Jede Zuschreibung an ihn ist Paraphrase.

Pakistans eigentliches Problem

Entfernt man den Rahmen, bleibt darunter eine echte Frage zur Fähigkeit übrig.

Pakistan verfügt über kein einheitliches, teilstreitkräfteübergreifendes Luftabwehrsystem; es betreibt drei getrennte Netzwerke auf Teilstreitkraftebene. Das Heer setzt HQ-9/P mit 125 km, LY-80 mit 40 km und FM-90 mit 15 km ein. Die Luftwaffe betreibt HQ-9BE mit bis zu 260 km, HQ-16FE, Spada 2000-Plus und Crotale. Eine unabhängige Analyse dieses Bestands zeigt eine echte Lücke im kurzen bis mittleren Reichweitenband.

“Pakistans Problem ist die Reaktionszeit, nicht die Reichweite.”
Quwa — unabhängige pakistanische Verteidigungsanalyse, Luftabwehr-Leitfaden, Mai 2026

Das ist dieselbe Schlussfolgerung, zu der auch der chinesische Kommentar kommt. Sie ist nur besser belegt.

Die Zusammenstöße mit Indien im Mai 2025 haben das verschärft. Die Einschätzung von Carnegie India verzeichnet in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai mindestens 125 Kampfflugzeuge in der Luft auf Stand-off-Distanz, dazu von Pakistan abgefeuerte Salven kleiner Drohnen — über 600 in einer einzigen Welle —, größtenteils um die indische Luftabwehr zu sättigen und zu kartieren. Das kosteneffiziente Gegenmittel erwies sich als alte Kanonen mit Luftsprengmunition — genau das, was KORKUT ist.

“Zum ersten Mal seit 1971 ist die militärische Asymmetrie zwischen Indien und Pakistan fest etabliert. China wird zunehmend involviert, wenn auch indirekt, durch seine Hilfe an Pakistan.”
Dinakar Peri — Fellow, Security Studies Programme, Carnegie India, 6. Oktober 2025

Serbien hat es richtig gemacht

Zum Vergleich: So sieht eine echte Enthüllung aus. Am 28. Juni 2024, bei einer stationären Ausstellung von Waffen und Ausrüstung in Kruševac anlässlich der Vidovdan-Staatszeremonie, sagte Serbiens damaliger Premierminister es laut.

“Zum ersten Mal, und ich möchte das mit Stolz betonen, haben wir etwas gezeigt, das wir in der vorangegangenen Zeit gekauft haben — das neue Kurzstrecken-Luftabwehrsystem HQ-17AE, erworben von der Volksrepublik China. Bis jetzt konnte das niemand sehen außer Menschen innerhalb des Verteidigungssystems.”
Miloš Vučević — Ministerpräsident der Republik Serbien, Kruševac, 28. Juni 2024 (aus dem Serbischen übersetzt)

Serbien benannte das System, benannte den Verkäufer und stellte sich mit dem Regierungschef dahinter. Saudi-Arabien führte sein HQ-17AE im August 2021 vor. Tadschikistan zeigte seines bei einer Jubiläumsparade der Streitkräfte im März 2025.

Pakistan hat nichts davon getan. Was existiert, sind achtundzwanzig Sekunden eines Musikvideos, ein vorsichtig formulierter Bloomberg-Bericht und eine selbstsichere Ankündigung aus Peking.

Die Hardware ist wahrscheinlich echt. Der Verkauf ist wahrscheinlich echt. Aber solange Islamabad es nicht bestätigt, zeigt diese Episode vor allem eines ganz konkret: wie ein chinesischer Rüstungsexport angekündigt wird — vom Verkäufer, nicht vom Käufer.

Das vollständige Video der PAF zum Tag der Luftwaffe. Das fragliche Fahrzeug erscheint bei etwa der 28-Sekunden-Marke.

Häufig gestellte Fragen

Hat Pakistan den Kauf des HQ-17AE bestätigt?
Nein. Das System erschien im offiziellen Video der pakistanischen Luftwaffe zum Tag der Luftwaffe, das kurz nach Mitternacht am 7. September 2026 veröffentlicht wurde, doch Pakistan identifizierte das Fahrzeug nicht und gab weder Vertrag noch Stückzahl, Lieferdatum oder Einsatzeinheit bekannt. Bloomberg beschrieb es lediglich als dem chinesischen HQ-17A ähnlich, während chinesische Staatsmedien es als Tatsache darstellten.
Was ist das HQ-17AE?
Das HQ-17AE ist die Exportvariante des chinesischen radgetriebenen Kurzstrecken-Boden-Luft-Raketensystems HQ-17A, entwickelt von der Zweiten Akademie der China Aerospace Science and Industry Corporation und seit März 2021 für den Export freigegeben. Es trägt acht Raketen auf einem sechsrädrigen Fahrgestell mit integriertem Radar und wird mit einer Schrägreichweite von etwa 1,5 bis 15 Kilometern angegeben.
Basiert das HQ-17 auf einem russischen System?
Ja. China kaufte 1996 14 russische Tor-M1-Systeme und 1999 weitere 13. Als China um das Jahr 2000 eine Lizenz zum eigenen Bau des Tor-M1 beantragte, lehnte Russland ab, und China entwickelte den Entwurf per Reverse Engineering nach. Das HQ-17 wurde um 2013 bei der Volksbefreiungsarmee eingeführt, und seine Rakete ist nahezu identisch mit der 9M331 des Tor.
Was wurde im Video der pakistanischen Luftwaffe sonst noch enthüllt?
Die meistbeachtete Enthüllung war türkisch, nicht chinesisch: die erste Bestätigung, dass Pakistan die selbstfahrende Doppelrohr-Flugabwehrkanone KORKUT von ASELSAN mit 35 mm Kaliber eingeführt hat, die programmierbare Luftsprengmunition gegen Drohnen verschießt, zusammen mit dem 40-mm-System ASELSAN ŞAHİN. Die chinesische Staatsberichterstattung über das Video erwähnte keines von beiden.
Welche Länder betreiben das HQ-17AE?
China betreibt das HQ-17 und HQ-17A im eigenen Land. Bestätigte Exportbetreiber des HQ-17AE sind Saudi-Arabien, das es im August 2021 vorführte, Serbien, das es am 28. Juni 2024 in Kruševac und erneut im September 2025 bei einer Parade in Belgrad zeigte, sowie Tadschikistan, das es im März 2025 präsentierte. Pakistan wäre, sofern bestätigt, der vierte Betreiber.
Kann das HQ-17AE wirklich vier Ziele gleichzeitig bekämpfen?
Diese Zahl stammt ausschließlich vom Hersteller CASIC und von Medien, die dessen Material wiederholen. Unabhängige Quellen schreiben der HQ-17-Familie zwei gleichzeitige Zielbekämpfungen zu, passend zum russischen Tor-M1, von dem sie abstammt. Mehrere andere häufig zitierte Merkmale — Feuern in Bewegung, Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Vernetzung, das “Direct-Force-Fast-Turn-System” — sind Herstellerangaben, die nicht unabhängig verifiziert wurden.
Wie abhängig ist Pakistan von chinesischen Waffen?
Stark. Laut SIPRI lieferte China zwischen 2020 und 2024 81 Prozent von Pakistans Waffenimporten, gegenüber 74 Prozent in den Jahren 2015–19, und Pakistan machte 63 Prozent der chinesischen Rüstungsexporte aus. Allerdings zeigte dasselbe Video zum Tag der Luftwaffe auch, wie Pakistan türkische Kurzstrecken-Luftabwehrsysteme einführte, nach einem gemeinsamen Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien und der Türkei vom 7. August 2026.

Quellen: Pakistan Air Force (@DGPR_PAF und offizieller YouTube-Kanal); Bloomberg; Global Times; Janes; South China Morning Post; serbisches Verteidigungsministerium; Quwa; Carnegie India; SIPRI Trends in International Arms Transfers 2024; Defence Security Asia; Militarnyi; Army Recognition.

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