Die Schweiz bestellte ihr Patriot-Flugabwehrsystem 2022 und erwartete die Lieferung der ersten Feuerleiteinheit für 2026. Heute ist der 4. September 2026, die Lieferung ist noch nicht erfolgt, und die geplante Übergangslösung ist gescheitert. Armasuisse bestätigte, dass die Vereinbarung, nach der Deutschland die Verzögerung hätte überbrücken sollen, hinfällig ist und die Kosten für die bodengestützte Flugabwehr der Schweiz voraussichtlich das Drei- bis Fünffache der ursprünglich von Bern veranschlagten Summe betragen werden.
Die Mechanismen sind simpel und etwas brutal. Die Schweiz kaufte fünf Patriot-Feuereinheiten für rund zwei Milliarden Schweizer Franken. Dann marschierte Russland in die Ukraine ein, Deutschland gab einen Teil seiner Patriot-Systeme an Kiew ab, und 2025 entschied Washington, dass die neu produzierten Systeme zuerst an Deutschland gehen sollten. Die Schweiz, ein Nicht-NATO-Mitglied ohne Kriegsgebiet an ihrer Grenze, landete hinten in der Warteschlange.
Die Idee war, dass Bern und Berlin später einen Weg finden würden, die Plätze zu tauschen, oder dass Deutschland die Hardware zurückgeben würde, sobald die eigenen Ersatzgeräte eingetroffen wären. Diese Option hat sich nun zerschlagen.
“Die Optionen mit Deutschland sind gescheitert und können in dieser Form nicht umgesetzt werden.”
Urs Loher, Leiter von armasuisse, dem schweizerischen Bundesamt für Rüstung.
Im Gespräch mit SRF, 4. September 2026. Original: «Die Optionen mit Deutschland haben sich zerschlagen und können so nicht umgesetzt werden.»

Die Zahlen: von zwei Milliarden bis zu sechs Milliarden
Armasuisse beziffert die zusätzlichen Kosten nun auf 1,7 bis 4,3 Milliarden Schweizer Franken zusätzlich zu den bereits budgetierten rund zwei Milliarden. Im besten Fall verdoppelt sich das Programm damit nahezu. Im schlimmsten Fall verdreifacht es sich. Wäre die Vereinbarung mit Deutschland zustande gekommen, hätte sich der Mehraufwand laut Armasuisse auf etwa eine Milliarde belaufen.
Zwei Faktoren treiben den Anstieg an. Erstens der Zeitfaktor: Die Verschiebung der Produktionsjahre nach vorn bedeutet, dass die Inflation das Budget von innen heraus auffrisst, und die Verteidigungsinflation war seit 2022 deutlich höher als die Inflation im Konsumbereich. Zweitens wird das Patriot-System selbst weiterentwickelt. Das System, das die Schweiz letztendlich erhält, wird eine verbesserte Version sein, mit den Radar- und Abfangraketenverbesserungen, die der Krieg in der Ukraine notwendig gemacht hat. Bessere Ausrüstung bedeutet höhere Kosten.
Kurzinfo
| Systeme bestellt | 5 MIM-104 Patriot-Feuerwehrfahrzeuge, bestellt 2022 |
| Ursprüngliches Budget | Rund 2 Milliarden CHF |
| Es werden nun zusätzliche Kosten erwartet | CHF 1,7 bis 4,3 Milliarden |
| Die zusätzlichen Kosten wären bei der deutschen Option entstanden. | Etwa 1 Milliarde CHF |
| Originale Erstauslieferung | 2026 |
| Neue erste Lieferung | Frühestens 2032. |
| Grund der Verzögerung | Im Jahr 2025 priorisierten die USA Deutschland, das seine eigenen Patriot-Systeme in die Ukraine verlegt hatte. |
| Bestätigt von | Urs Loher, Chef von armasuisse, gegenüber SRF am 4. September 2026 |
| Noch ausstehend | Ein separates Langstrecken-Luftverteidigungssystem, für das etwa 5 Milliarden CHF vorgesehen sind |
Frühestens 2032.
Der Lieferengpass sollte Bern mehr Sorgen bereiten als die Kosten. Die erste von fünf Feuerlöscheinheiten wird nun frühestens 2032 erwartet, ursprünglich war die Lieferung für 2026 geplant. Das bedeutet eine sechsjährige Verzögerung mitten im gefährlichsten Jahrzehnt, mit dem sich die europäischen Luftverteidigungsplaner seit den 1980er-Jahren konfrontiert sahen.
“Deutschland will die Systeme, die es an die Ukraine übergeben hat, so schnell wie möglich ersetzen.”
Urs Loher, Leiter von armasuisse
SRF, 4. September 2026. Original: «Deutschland möchte die an die Ukraine abgegebenen Systeme möglichst rasch ersetzen.»
Bis zum Eintreffen dieser Einheiten verfügt die Schweiz über keine wirksame Verteidigung gegen ballistische Raketen oder Marschflugkörper. Die Schweizer Luftwaffe kann Flugzeuge mit ihren F/A-18 Hornet Die Flotte und ab den 2030er Jahren die F-35A. Keine von beiden ist eine Antwort auf eine Rakete, die auf einer ballistischen Flugbahn anfliegt. Genau für diese Aufgabe wurde das Patriot-System angeschafft.

Und hinter dieser hier steckt noch eine zweite Rechnung.
Patriot ist nur die eine Hälfte des Plans. Die Bundesregierung wünscht sich zusätzlich ein bodengestütztes Langstrecken-Luftverteidigungssystem, für das rund fünf Milliarden Franken vorgesehen sind. Über dieses Programm ist noch nicht entschieden, und es steht nun hinter dem Patriot-Budgetposten, dessen Kosten gerade um bis zu 4,3 Milliarden Franken gestiegen sind. Die Schweizer Rüstungsbeschaffung ist bekannt dafür, bei solchen Budgetänderungen politisches Unverständnis hervorzurufen, und diese Zahlen haben sich erheblich verändert.
Daraus lässt sich auch eine wichtige Lehre für neutrale Käufer amerikanischer Hardware ziehen. Bei langen Wartelisten ist die Zuteilung eine politische Entscheidung in Washington, und Nicht-NATO-Kunden haben in solchen Auseinandersetzungen das Nachsehen. Die Schweiz hat dies nun innerhalb eines Jahrzehnts zweimal erfahren müssen, nachdem sie bereits ihre eigene Entwicklung miterlebt hat. Auftragsrückgang bei F-35A gegen ein Festpreisversprechen, das sich als weniger fest erwies als beworben.
Häufig gestellte Fragen
Hat die Schweiz ihre Patriot-Bestellung storniert?
Wie viel mehr wird das Schweizer Patriot-System kosten?
Wann erhält die Schweiz ihr erstes Patriot-Feuerwehrfahrzeug?
Warum haben die Vereinigten Staaten Deutschland gegenüber der Schweiz priorisiert?
Kann sich die Schweiz jetzt gegen Raketen verteidigen?
Warum verteuert die Verzögerung das System?
Quellen: SRF (Interview mit Urs Loher, 4. September 2026); 20 Minuten, «Flugabwehr: Patriot-Deal mit Deutschland geplatzt», 4. September 2026; watson.ch; Radio Central; Programmerklärungen von armasuisse.




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