Am 25. Juni 2026 hob im Flugzeugwerk Irkutsk ein zweisitziges Trainingsflugzeug, das seit zwei Jahrzehnten Flugschülern das Fliegen beibringt, zu einem rund 50-minütigen Testflug ab. Es erreichte eine Höhe von maximal 2.000 Metern und flog mit einer Geschwindigkeit von unter 600 km/h. Auf dem Papier ein unspektakulärer Testflug. Doch der Zweck war etwas ganz anderes: Es handelte sich um den Erstflug der Jak-130M, jener Variante, mit der Russland aus dem bekannten Schulflugzeug ein kostengünstiges, leichtes Kampfflugzeug entwickeln will.
Rostec, der Staatskonzern, dem über die United Aircraft Corporation (UAC) das Konstruktionsbüro Jakowlew gehört, gab den Flug bekannt und berichtete, dass die Besatzung – Testpilot 1. Klasse Alexander Guskow und Testpilot Andrej Woropajew – das geplante Flugprofil vollständig und ohne technische Probleme absolviert habe. Zwei weitere Prototypen sollen noch vor Ende 2026 fliegen, und das Flugtestprogramm ist bis 2028 geplant.
Das Interessante ist nicht die Flugzeugzelle, die weitgehend der gleichen Yak-130 entspricht, die in den 1990er Jahren ihren Erstflug absolvierte. Es ist die Sensor- und Waffenausstattung, die Russland nach eigenen Angaben hinzugefügt hat – und die Diskrepanz, die jedem russischen Programm gemein ist, zwischen den Herstellerangaben und den tatsächlich demonstrierten Leistungen.
Kurzinfo – Jungfernflug der Yak-130M
- Datum und Ort: 25. Juni 2026, Luftfahrtwerk Irkutsk (ein Yakovlev/UAC-Standort unter Rostec)
- Erster Einsatz: ca. 50 Minuten, bis zu 2.000 m (ca. 6.600 ft), bis zu 600 km/h (ca. 370 mph)
- Crew: Testpiloten Alexander Guskow und Andrej Woropajew
- Basisflugzeuge: Yak-130 Advanced Trainer, zwei Ivchenko-Progress AI-222-25 Turbofans
- Neuer Satz (Rostec): neues Radar (bezeichnet als AESA), elektrooptische/Laser-Zielerfassung, Selbstschutzsystem, neue Datenverbindung
- Beanspruchte Waffen: Erweiterte Bewaffnung einschließlich der Luft-Luft-Rakete R-77; Rolle zur Drohnenabwehr
- Programm: Zwei weitere Prototypen sollen 2026 fliegen; Flugtests bis 2028
- Export: Russland schätzt den Bedarf auf etwa 40 Flugzeuge; Interesse wird aus Asien und Afrika gemeldet.
Ein Trainer, der immer halb Kampfjet war.
Die Jak-130 war nie ein reines Schulflugzeug. Sie wurde als fortgeschrittener Jet-Trainer in den russischen Dienst gestellt, der das Flugverhalten moderner Kampfflugzeuge der vierten und fünften Generation simulieren sollte. Von Anfang an verfügte sie jedoch über neun Außenlaststationen und war für eine sekundäre Rolle als leichter Kampfjet ausgelegt. Das Basisflugzeug ist ein Unterschallflugzeug mit zwei Triebwerken, angetrieben von zwei Ivchenko-Progress AI-222-25-Turbofan-Triebwerken mit je rund 24,5 kN Schub (ca. 5.500 lbf). Sie ist wendig, für einen Kampfjet kostengünstig im Betrieb und auf kampfrelevante Manöver ausgelegt.
Dieser doppelte Charakter ist wichtig, denn er erklärt, warum die Jak-130M eine Weiterentwicklung und kein komplett neues Flugzeug ist. Russland baut keinen neuen Kampfjet, sondern nutzt eine bereits produzierte und exportierte Flugzeugzelle und entwickelt den Teil des Designs, der als “leichtes Kampfflugzeug” konzipiert ist, weiter. Bemerkenswert ist, dass der M-Prototyp mit denselben AI-222-25-Triebwerken wie das Trainingsflugzeug flog – die Änderungen betreffen Avionik und Bewaffnung, nicht den Antrieb.

Was Rostec nach eigenen Angaben transportiert – und die AESA-Frage
Laut Rostec verfügt die Yak-130M über ein neues Radar, ein elektrooptisches Zielsystem mit Laserdesignator, ein verbessertes Selbstschutzsystem und einen neuen Kommunikationskomplex, der für den 24-Stunden-Betrieb unter allen Wetterbedingungen ausgelegt ist. Russische Medien bezeichnen das Radar als BRLS-130R und beschreiben es als aktives elektronisch gesteuertes Phased-Array-Radar (AESA). Das elektrooptische System wird als SOLT-130K und das Selbstschutzsystem als eine Weiterentwicklung des President-S-Radars bezeichnet.
Hier kommt es auf Präzision an. Ein AESA-Radar in einem leichten russischen Kampfjet ist eine Herstellerangabe, kein nachgewiesener Fakt. Die angegebenen Erfassungsreichweiten variieren je nach Quelle – manche sprechen von etwa 100 km, andere von 160–180 km gegen ein Ziel von der Größe eines Kampfjets –, was selbst ein Indiz dafür ist, dass diese Zahlen aus Werbematerial und nicht aus verifizierten Testdaten stammen. Russland hatte Schwierigkeiten, AESA-Radargeräte selbst in seinen Kampfflugzeugen einzuführen, daher ist die Beweislast hier hoch. Kurz gesagt: Rostec wirbt mit einem AESA-Radar; der Erstflug beweist weder dessen Installation noch dessen Funktionsfähigkeit.
Die Waffen: R-77 und die Drohnenabwehrrakete
Russland erklärt, die erweiterte Bewaffnung der Jak-130M umfasse die aktiv radargelenkte Luft-Luft-Rakete R-77 – eine Waffe, die es dem Flugzeug wie kein anderer Sensor ermögliche, Ziele außerhalb der Sichtweite zu bekämpfen, anstatt lediglich Bomben auf statische Positionen abzuwerfen. UAC-Chef Wadim Badekha beschrieb die Kampfziele des Flugzeugs als Bekämpfung von Boden- und Luftzielen, “einschließlich großer Drohnen”.”
Dieser letzte Satz ist das eigentliche Verkaufsargument. Russland hat zwei Jahre lang ukrainische Drohnenangriffe aus großer Entfernung auf Flugplätze, Raffinerien und Infrastruktur tief im eigenen Territorium ertragen müssen. Der Einsatz eines Überschall-Abfangjägers oder eines der wenigen verfügbaren Kampfflugzeuge zur Verfolgung einer langsamen Propellerdrohne ist teuer und ineffizient. Ein kostengünstiges, wendiges Kampfflugzeug mit Radar, elektrooptischem Sensor und Bordkanone oder Kurzstreckenrakete ist prinzipiell weitaus besser für diese Mission geeignet – ein leichter Abfangjäger für das Drohnenzeitalter. Ob die Jak-130M diese Fähigkeit tatsächlich erbringt, ist eine Frage des Testprogramms, nicht der Pressemitteilung.
Warum ein kostengünstiger leichter Kampfjet Russlands Bedürfnissen entspricht
Lässt man das Marketing außer Acht, ist die Logik schlüssig. Russland braucht drei Dinge gleichzeitig, die die Jak-130M plausiblerweise erfüllt. Es muss weiterhin Piloten für seine Su-30, Su-35 Und Su-57 Flotten, die der Trainer bereits betreut. Russland benötigt eine kostengünstige Plattform zur Drohnenabwehr und für leichte Angriffe, um seine Frontkämpfer zu entlasten. Und es braucht Exportprodukte, die die von Sanktionen betroffene russische Industrie weiterhin herstellen und verkaufen kann.
Die Basisversion der Yak-130 wurde bereits in acht Länder exportiert, und die M feierte ihre internationale Premiere auf der Dubai Airshow im November 2025. Russische Beamte und Medienberichte schätzen die potenzielle Exportnachfrage auf rund 40 Flugzeuge, wobei Interesse von Kunden in Asien und Afrika vermerkt ist – Zahlen, die eher als Absatzprognose denn als feste Bestellungen zu verstehen sind. Für Luftstreitkräfte, die sich westliche leichte Kampfflugzeuge nicht leisten können oder aus politischen Gründen nicht beschaffen dürfen, stellt ein Trainingsflugzeug, das auch als leichter Jäger eingesetzt werden kann, eine attraktive Option dar – genau die Nische, um die sich bereits die südkoreanische FA-50 und die italienische M-346FA konkurrieren.
Das Urteil: vielversprechendes Konzept, unerprobte Hardware
Der Erstflug der Yak-130M ist ein echter Meilenstein, markiert aber den Beginn eines Entwicklungsprogramms und nicht die Markteinführung einer fertigen Waffe. Die Flugzeugzelle ist ausgereift und das Konzept – ein Trainingsflugzeug, das sich auch als leichtes Kampfflugzeug und Drohnenjäger bewährt – ist schlüssig. Radar, elektrooptische Systeme, Raketenintegration und Allwetter-Kampffähigkeit sind vorerst Behauptungen, deren praktische Leistungsfähigkeit bis 2028 unter Beweis gestellt werden muss.
Für ein Land, das auf kostengünstige Kampfkraft und exportfähige Ausrüstung angewiesen ist, mag das ausreichen. Die Yak-130M muss nicht gegen einen anderen Gegner bestehen. Rafale. Es muss lediglich gut genug, günstig genug und ausreichend verfügbar sein – unter diesen Bedingungen ist ein Trainer, der sich zu einem Budget-Kämpfer entwickelt, eine sinnvolle Investition. Die Testergebnisse werden zeigen, wie viel von den Werbeversprechen der Realität entspricht.
Indiens Times of India berichteten über den Erstflug und die beanspruchte Kampfrolle des Flugzeugs:
Quellen: Aerotime; Army Recognition; Military Watch Magazine; Defense Express; TASS; Xinhua; Izvestia. Die Angaben zu Radar-, Sensor- und Waffensystemen stammen vom Hersteller (Rostec/UAC) und werden entsprechend wiedergegeben.
Verwandte Fragen
Was ist die Yak-130M?
Die Yak-130M ist eine modernisierte Version des russischen Jet-Trainers Yak-130, die zu einem leichten Kampfflugzeug umgebaut wurde. Ihr Erstflug fand am 25. Juni 2026 im Flugzeugwerk Irkutsk statt. Laut Rostec verfügt sie über ein neues Radar, ein elektrooptisches/Laser-Zielsystem, ein Selbstschutzsystem und ein erweitertes Waffensystem, darunter die Luft-Luft-Rakete R-77.
Wann absolvierte die Yak-130M ihren Erstflug?
Die Jak-130M absolvierte ihren Erstflug am 25. Juni 2026 im Irkutsker Flugzeugwerk in Russland. Laut Rostec dauerte der Flug etwa 50 Minuten, erreichte eine Höhe von bis zu 2.000 Metern und blieb unter 600 km/h. Zwei weitere Prototypen sollen 2026 fliegen, die Testphase wird bis 2028 andauern.
Welche Motoren verwendet die Yak-130?
Die Jak-130 ist ein zweimotoriges Flugzeug, das von zwei Ivchenko-Progress AI-222-25-Turbofan-Triebwerken angetrieben wird, die jeweils rund 24,5 kN Schubkraft (ca. 5.500 lbf) erzeugen. Der Prototyp Jak-130M flog mit denselben AI-222-25-Triebwerken; seine Verbesserungen betreffen Avionik und Bewaffnung, nicht den Antrieb.
Verfügt die Yak-130M tatsächlich über ein AESA-Radar?
Rostec beschreibt das neue Radar der Yak-130M, das als BRLS-130R bezeichnet wird, als aktives elektronisch gesteuertes Phased-Array-Radar (AESA). Dies ist eine Herstellerangabe und keine unabhängig verifizierte Tatsache; die angegebenen Erfassungsreichweiten variieren je nach Quelle. Der Erstflug bestätigt weder die Installation noch die Funktionsfähigkeit des Radars.
Welche Waffen kann die Yak-130M tragen?
Russland gibt an, dass die erweiterte Bewaffnung der Jak-130M neben der bestehenden Fähigkeit des Trainingsflugzeugs, Bomben und Raketen an mehreren Aufhängepunkten zu tragen, auch die Luft-Luft-Rakete R-77 umfasst. UAC beschreibt seine Kampfaufgaben als Bekämpfung von Boden- und Luftzielen, einschließlich großer Drohnen. Diese Angaben zur Bewaffnung müssen im Rahmen des Flugtestprogramms noch unter Beweis gestellt werden.
Warum baut Russland einen Trainer zu einem leichten Kampfflugzeug um?
Ein auf einem Trainingsflugzeug basierender leichter Kampfjet ist kostengünstig in der Herstellung und im Betrieb und erfüllt damit gleich drei russische Bedürfnisse: die Ausbildung von Piloten für die Kampfflugzeugflotte, die Bereitstellung einer erschwinglichen Plattform zur Drohnenabwehr und für leichte Angriffe sowie ein trotz Sanktionen exportfähiges Produkt. Russland schätzt die Exportnachfrage auf rund 40 Flugzeuge und verweist auf das Interesse in Asien und Afrika.




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