Die Antonow A-40 – Die Sowjets bauten einen fliegenden Panzer

von | 12. Mai 2026 | Geschichte & Legenden, Militärische Luftfahrt | 0 Kommentare

Das ist so eine Idee, die besser nie über die Skizzenphase hinausgekommen wäre. Man nehme einen kleinen Panzer von etwa 5,5 Tonnen. Darauf montiere man einen Doppeldeckerflügel und ein Doppelleitwerk. Das Ganze schleppt man hinter einem schweren Bomber in die Luft. Dann wirft man es über den feindlichen Linien ab. Der Panzer gleitet herab. Die Besatzung sitzt dann… im laufenden Tank, Bei der Landung die Flügel abwerfen und in den Kampf stürzen.

Das ist die Antonow A-40 – auch bekannt als Krylja Tanka, "Panzerflügel" – und die Sowjetunion hat sie tatsächlich gebaut. Sie ist tatsächlich geflogen. Einmal.

Kurzinfo

Designer: Oleg Antonov (später Gründer des Antonov-Flugzeugkonstruktionsbüros)

Panzerbasis: T-60 leichter Panzer, modifiziert

Flügel: Doppeldecker-Konfiguration, Spannweite ca. 18 m, Doppelleitwerk

Gesamtgewicht: ~7,8 Tonnen

Schleppflugzeuge: Tupolev TB-3 viermotoriger schwerer Bomber

Erster (und einziger) Flug: 2. September 1942, Flugplatz Bykowo, UdSSR

Testpilot: Sergei Anokhin

Ergebnis: Schleppflugzeug überhitzte; A-40 kappte frühzeitig, glitt nach unten und landete sicher

Ein Problem auf der Suche nach einer Lösung

1941 hatte die Sowjetunion ein Versorgungsproblem für die Partisanen. Operationen hinter den deutschen Linien erforderten entweder das Absetzen einzelner Soldaten per Fallschirm (langsam, verstreut) oder die Landung von Transportflugzeugen auf hastig geräumten Landebahnen (selbstmörderisch). Was die Partisanen tatsächlich brauchten, waren Fahrzeuge – kleine, gepanzerte, mobile Fahrzeuge, die direkt vom Abwurf in den Kampfeinsatz verlegen konnten.

Oleg Antonov, damals 36 Jahre alt und Segelflugzeugkonstrukteur, der später das führende Transportflugzeugbüro der Sowjetunion leiten sollte, schlug die naheliegende Lösung vor, sobald man sie gesehen hatte: Man sollte den Panzer selbst fliegen lassen.

Das Flugzeug

Die A-40 kombinierte einen umgebauten T-60-Panzer – Bewaffnung und Munition entfernt, Treibstoff streng begrenzt – mit einer abnehmbaren Tragflächen-/Leitwerkseinheit. Die Tragflächen waren groß: fast 18 Meter Spannweite, Doppeldecker-Konfiguration, stoffbespannt und sehr einfach konstruiert. Ein Doppelleitwerksträger verlieh den Steuerflächen einen langen Hebelarm. Die Ketten des Panzers dienten als Fahrwerk. Der Panzerfahrer war der Pilot; er saß auf dem normalen Fahrersitz und bediente die Steuerung des Segelflugzeugs über ein umgebautes Steuerhorn.

Die geplante Vorgehensweise war elegant. Ein schwerer Bomber sollte die Einheit auf Höhe schleppen, tief in Feindesgebiet eindringen und die A-40 im Gleitflug zu den Partisanen am Boden ausklinken. Der Panzer würde herabgleiten, mit den Ketten den Boden berühren, zum Stillstand kommen, die Besatzung würde die Tragflächen per Mechanismus abwerfen, und der Panzer würde zum Kampf weiterfahren.

Der Flug

Am 2. September 1942 stieg Testpilot Sergei Anokhin in die Fahrerkabine. Eine Tupolew TB-3 – viermotorig, langsam, mit geringem Luftwiderstand und das größte Schleppflugzeug im sowjetischen Arsenal – startete ihre Triebwerke und zog. Die A-40 hob ab. Sie flog tatsächlich.

Dann überhitzten die Triebwerke der TB-3. Der kombinierte Luftwiderstand des Panzers mit Tragflächen war einfach zu groß. Der Schlepppilot, dessen Öltemperaturanzeige in den roten Bereich stieg, gab Anokhin das Signal zum Ausklinken. Anokhin koppelte ab und glitt zu Boden. Er landete auf einem Feld, betätigte die Bremsen (die Ketten des Panzers dienten nun als Ausrollbremsen), kam zum Stehen – und tat dann genau das, was die Konstruktion vorgesehen hatte.

Anokhin warf die Tragflächen und das Leitwerk ab, und die T-60 fuhr aus eigener Kraft zurück zu ihrem Stützpunkt. Es war das einzige Mal, dass dieses Manöver durchgeführt wurde: Es gab kein sowjetisches Schleppflugzeug, das stark genug war, um die A-40 im Einsatz zu schleppen, und das Programm wurde stillschweigend eingestellt.

Sergei Anokhin landete den Gleiterpanzer auf einem Feld nahe dem Flughafen. Nachdem die Tragflächen und das Leitwerk des Gleiters abgeworfen worden waren, fuhr der T-60 aus eigener Kraft zurück zu seinem Stützpunkt.

Die allgemein anerkannte Darstellung des einzigen Fluges der A-40 — geflogen von Sergei Anokhin (1910–1986), sowjetischer Testpilot und Held der Sowjetunion, 2. September 1942

Warum es immer noch wichtig ist

Die A-40 ist einer der großen "Was wäre wenn"-Momente der Luftfahrtgeschichte. Die Idee war vielversprechend – ein unbeschädigt in ein Gefecht abgesetztes Panzerfahrzeug ist ein entscheidender Faktor für die Kampfkraft –, doch die Schlepptechnik der 1940er-Jahre konnte diesen Ansprüchen nicht gerecht werden. Innerhalb eines Jahrzehnts sollten Hubschrauber dasselbe Problem eleganter lösen.

Oleg Antonow entwarf in der Folge alle wichtigen sowjetischen Transportflugzeuge der Nachkriegszeit, bis hin zur An-225 Mrija, dem größten jemals gebauten Flugzeug. Die A-40 blieb ein Experiment, ein bemerkenswerter Beitrag in der langen Liste der Ideen, die die Sowjetunion ohnehin testete. Sie flog nur einmal. Das ist mehr, als die meisten vergleichbaren Projekte je erreichten.

Die vollständige Geschichte des sowjetischen fliegenden Panzers – Antonow A-40.

Quellen: Archive des Antonov-Konstruktionsbüros, “OKB Antonov: Eine Geschichte des Konstruktionsbüros” (Yefim Gordon), freigegebene sowjetische Testberichte.

Verwandte Fragen

Was war der fliegende Panzer Antonow A-40?

Die Antonow A-40 (Krylja Tanka, 'Panzerflügel') war ein experimenteller sowjetischer Flugpanzer, der 1942 gebaut wurde. Er kombinierte einen reduzierten leichten Panzer vom Typ T-60 mit einem großen, abnehmbaren Doppeldeckerflügel und einem Doppelleitwerk. Die Idee war, ihn hinter einem Bomber herzuschleppen, über den feindlichen Linien auszuklinken und ihn gleiten zu lassen, damit die Besatzung die Flügel abwerfen und in den Kampf fliegen konnte.

Konnte der fliegende Panzer Antonow A-40 tatsächlich fliegen?

Ja – einmal. Am 2. September 1942 startete Testpilot Sergei Anokhin vom Flugplatz Bykowo mit einem von einem Tupolew TB-3-Bomber geschleppten Tanksegler. Das Flugzeug hob tatsächlich ab, doch der hohe Luftwiderstand führte zu einer Überhitzung der Triebwerke des Schleppflugzeugs. Anokhin kappte die Verbindung vorzeitig, glitt zu Boden und landete sicher auf einem Feld. Das Projekt wurde nie wiederholt.

Wer hat die Antonov A-40 entworfen?

Die A-40 wurde von Oleg Antonow entworfen, einem damals 36-jährigen Segelflugzeugkonstrukteur, der später das Antonow-Konstruktionsbüro, den führenden Transportflugzeughersteller der Sowjetunion, gründen sollte. Der fliegende Panzer spiegelte seine Segelflugzeugexpertise wider: ein einfacher, stoffbespannter Doppeldeckerflügel mit einer Spannweite von fast 18 Metern, kombiniert mit einem leichten Panzer. Sein Büro baute später Legenden wie die Antonov An-2.

Warum wollten die Sowjets einen fliegenden Panzer?

Bis 1941 mussten die Sowjets gepanzerte Fahrzeuge zu den Partisanen hinter den deutschen Linien bringen. Das Absetzen einzelner Soldaten per Fallschirm war langsam und unkoordiniert, die Landung von Transportflugzeugen auf unbefestigten Pisten hingegen lebensgefährlich. Ein Panzer, der direkt ins Kampfgeschehen gleiten konnte, schien die elegante Lösung – ein gepanzertes, mobiles Fahrzeug in einem Schritt vom Himmel ins Kampfgeschehen zu bringen.

Warum wurde der fliegende Panzer A-40 nie im Kampf eingesetzt?

Der einzige Test im Jahr 1942 legte einen fatalen Fehler offen: Selbst das größte Schleppflugzeug der Sowjetunion, die TB-3, konnte die Kombination aus Panzer und Tragflächen nicht ziehen, ohne dass die Triebwerke überhitzten. Da kein ausreichend leistungsstarkes Schleppflugzeug zur Verfügung stand, wurde das Konzept verworfen. Es reihte sich ein in eine lange Liste kühner Experimentalflugzeuge, wie beispielsweise den neunflügeligen Caproni Ca.60, Das ist einmal geflogen und nie wieder.

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