Die B-36, die mit einem laufenden Atomreaktor flog

von | 16. Juni 2026 | Geschichte & Legenden, Militärische Luftfahrt | 0 Kommentare

Zwischen 1955 und 1957 flog ein B-36-Bomber von der Größe eines Gebäudes über Texas und New Mexico. An Bord befand sich ein laufender Atomreaktor. Er wurde stets von einer Maschine mit bewaffneten Marinesoldaten eskortiert, die bereit waren, im Falle eines Absturzes mit Fallschirmen abzuspringen und das Gebiet abzusperren.

Die Convair NB-36H "Crusader" war Amerikas kühnstes und ungewöhnlichstes Experiment im Kalten Krieg: der Versuch herauszufinden, ob ein Flugzeug eines Tages mit Atomenergie betrieben werden und wochenlang in der Luft bleiben könnte. Der mitgeführte Reaktor trieb zwar nie die Propeller an – doch er bewies, dass die USA es mit der nuklearen Luftfahrt todernst meinten.

Kurzinfo

  • Flugzeug: Convair NB-36H "Crusader" (modifizierte B-36 Peacemaker)
  • Reaktor: ein kleiner luftgekühlter Reaktor (~1 Megawatt), der im Flugbetrieb lief
  • Die Motoren angetrieben? Nein – es handelte sich um einen Abschirmungs- und Machbarkeitstest.
  • Flüge: 47 Testflüge, 1955–1957
  • Schutz der Besatzung: eine mit Blei und Gummi abgeschirmte Cockpitkapsel
  • Nachfolger: die Convair X-6, eingestellt im Jahr 1961

Ein Reaktor mit Flügeln

Der Traum war berauschend: ein Triebwerk ohne Treibstoff. Ein atomgetriebener Bomber könnte theoretisch tagelang in der Nähe des Feindes kreisen. Um diese Idee zu testen, zerlegte Convair eine durch einen Tornado beschädigte B-36 und baute den Bug zu einer 12 Tonnen schweren, abgeschirmten Besatzungskapsel aus Blei und Bleiglas um. Hinter der Besatzung befand sich der Reaktor, der für jeden Flug in den Bombenschacht abgesenkt und anschließend wieder entfernt wurde.

Warum es das Flugzeug nie angetrieben hat

Der Reaktor der NB-36H erzeugte zwar Wärme und Strahlung, war aber nie mit den Triebwerken verbunden. Es ging darum herauszufinden, ob eine Besatzung vor einem Reaktor in der Luft geschützt werden konnte und ob das Flugzeug sicher betrieben werden konnte. Die Ergebnisse waren ernüchternd: Die benötigte Abschirmung war enorm schwer, und ein Absturz hätte radioaktives Material über die Landschaft verteilen können – weshalb Marines bei jeder Mission mitflogen.

Die Sowjets führten ihr eigenes Parallelexperiment durch, das Tu-95LAL, mit demselben Ergebnis. Beide Supermächte akzeptierten schließlich, dass das Gewicht und die Gefahr nuklearbetriebene Flüge unpraktisch machten, und der Traum – zusammen mit der Convair X-6, die als nächstes entwickelt werden sollte – wurde aufgegeben.

Die obenstehende Dokumentation verdeutlicht, wie weit beide Supermächte bei der Jagd nach dem Atomflugzeug gingen.

Quellen: National Museum of the US Air Force; Aufzeichnungen von Convair/General Dynamics; Real Engineering.

Verwandte Fragen

Ist jemals ein Flugzeug mit einem Atomreaktor an Bord geflogen?

Ja. Die Convair NB-36H, ein modifizierter B-36 Peacemaker-Bomber, trug zwischen 1955 und 1957 auf 47 Testflügen einen kleinen, betriebsbereiten Atomreaktor mit sich. Der Reaktor lief während des Fluges, trieb aber nicht die Triebwerke des Flugzeugs an.

Was war das Modell Convair NB-36H?

Die NB-36H Crusader war ein modifizierter B-36-Bomber, der gebaut wurde, um die Machbarkeit von nuklearbetriebenen Flügen zu testen. Sie trug einen kleinen luftgekühlten Reaktor mit einer Leistung von etwa 1 Megawatt und eine stark abgeschirmte Besatzungskapsel und absolvierte 47 Flüge, um den Reaktorbetrieb und die Strahlung in der Luft zu untersuchen.

Wurde der NB-36H von einem Kernreaktor angetrieben?

Nein. Der Reaktor mit einer Leistung von etwa einem Megawatt lief zwar während des Fluges, trieb aber nie die Triebwerke an – es handelte sich lediglich um einen Test der Abschirmung und Machbarkeit. Das Flugzeug flog weiterhin mit seinen konventionellen Kolben- und Strahltriebwerken, während die Ingenieure untersuchten, wie eine Besatzung vor einem Reaktor im Flugzeug geschützt werden könnte.

Wie wurde die Besatzung der NB-36H vor Strahlung geschützt?

Die Besatzung saß in einer speziellen, mit Blei und Gummi abgeschirmten Cockpitkapsel, die sie während des Fluges vor der Strahlung des Reaktors schützen sollte. Die Untersuchung dieser Abschirmung war eines der Hauptziele des gesamten Testprogramms.

Warum wurde das Atomflugzeugprogramm eingestellt?

Das Nachfolgeprojekt Convair X-6, das tatsächlich mit Atomkraft fliegen sollte, wurde 1961 eingestellt. Die Gefahren eines Reaktorunfalls, das immense Gewicht der Abschirmung und der Aufstieg interkontinentaler ballistischer Raketen machten den atomgetriebenen Bomber unnötig und unpraktisch.

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