Rauch über dem Atlantik veranlasst SWISS-Jet zur Landung in Maine

von | 29. Juli 2026 | Luftfahrtwelt, Nachricht | 0 Kommentare

Irgendwo über dem kalten Atlantik vor Nova Scotia, etwa sechseinhalb Stunden nach Beginn eines achtstündigen Überflugs, nahmen Passagiere im vorderen Teil eines Fluges von Zürich nach New York den Geruch wahr, den niemand in 30.000 Fuß Höhe haben möchte: heiße Elektrik.

Am Montag drang Rauch in die Business Class des SWISS-Flugs LX16 ein. Die Crew wartete nicht ab, wie schlimm es werden würde. Sie meldete einen Notfall, senkte die Nase und brachte den Airbus A330 innerhalb von etwa zehn Minuten auf über 6.700 Meter Höhe, um die nächstgelegene Langbahn in Bangor, Maine, anzusteuern.

Minuten später stand das Flugzeug am Boden, alle 208 Insassen waren wohlauf, und das Drama war fast so schnell vorbei, wie es begonnen hatte.

Kurzinfo

  • Flug: SWISS LX16, Zürich (ZRH) nach New York JFK
  • Flugzeug: Airbus A330-343, Kennzeichen HB-JHK
  • Datum: Montag, 27. Juli 2026
  • Problem: Rauch unbekannter Herkunft in der vorderen Business-Class-Kabine, etwa 6,5 Stunden nach dem Start, in der Nähe von Nova Scotia
  • Umleitung: Internationaler Flughafen Bangor (BGR), Maine – sicher gelandet gegen Mittag Ortszeit
  • An Bord: 208 Passagiere und Besatzungsmitglieder, alle wohlauf; keine Evakuierung, Sauerstoffmasken lösten nicht aus.
  • Untersuchung: Die Schweiz und die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA; Ursache noch nicht identifiziert

Eine ruhige Notlage über Nova Scotia

Flug LX16 war am Vormittag in Zürich mit Ziel John F. Kennedy International gestartet. Es handelte sich um einen 14 Jahre alten Airbus A330-343 mit dem Kennzeichen HB-JHK – ein Großraumflugzeug, das den Atlantik bereits hunderte Male unfallfrei überquert hat.

Als im vorderen Bereich der Business Class Rauch auftrat, leitete das Cockpit die Notfallprozedur ein, die Flugbesatzungen unermüdlich üben und nur selten anwenden müssen: Sauerstoff anlegen, sinken, landen. Der rasante Sinkflug sieht auf der Flugverfolgungskarte alarmierend aus, entspricht aber exakt dem vorgeschriebenen Verfahren. Die Maschine landete gegen Mittag Ortszeit in Bangor. Die Landebahn war kurzzeitig gesperrt, was am Nachmittag zu Verspätungen auf dem kleinen Flughafen in Maine führte.

Internationaler Flughafen Bangor
Der internationale Flughafen Bangor in Maine – ein beliebter erster und letzter Halt auf dem Nordatlantikflug – und die Start- und Landebahn, auf der die LX16 landete. Foto: Wikimedia Commons.
“Ich saß in der Business Class hinter dem Flugzeugteil, also passierte alles direkt vor mir. Es war fünf Minuten lang ziemlich aufregend. Die Piloten waren sehr professionell.”
Daniel Eising — Passagier auf SWISS LX16 (an WABI-TV, 27. Juli 2026)

Kein Feuer – aber keine einfache Antwort

Am Boden trafen die Feuerwehrleute von Bangor auf das Flugzeug und untersuchten es mit Wärmebildkameras. Sie stellten weder ein Feuer noch Hitze fest. Die Passagiere mussten die Notrutschen nicht benutzen, und die Sauerstoffmasken fielen nicht herunter. Mehrere Passagiere berichteten von einem elektrischen Geruch; einer vermutete, dieser könnte von einem Sitzplatz stammen.

Die Ursache ist weiterhin völlig unklar. Die ersten Berichte der FAA sprachen von einem gemeldeten Cockpitbrand, während die Fluggesellschaft Rauch in der vorderen Business-Class-Kabine beschrieb – eine Diskrepanz, die sich erst nach einer Untersuchung durch Techniker aufklären lässt. SWISS will nicht spekulieren, und sowohl die Fluggesellschaft als auch die FAA haben Ermittlungen eingeleitet.

“Wir sind uns bewusst, dass eine durch solche Umstände bedingte Umleitung für unsere Passagiere beunruhigend sein und Unsicherheit hervorrufen kann. Umso wichtiger ist es uns, ihnen die bestmögliche Betreuung zu bieten und sie bei ihrer Weiterreise zu unterstützen.”
Michael Pelzer — Sprecher der SWISS (gegenüber WABI-TV, 27. Juli 2026)

Warum ausgerechnet Bangor?

Für Luftfahrtbeobachter war das Ziel keine Überraschung. Bangor liegt im Nordwesten der USA, direkt unter den Großkreisrouten, die europäische Flüge nach New York und darüber hinaus lenken. Für ein Flugzeug mit Problemen über dem westlichen Atlantik ist es oft die erste ausreichend lange amerikanische Landebahn – weshalb dieser unauffällige Flughafen mehr Transatlantikflüge gerettet hat als fast jeder andere.

Für die 208 Reisenden bestand die Belohnung für fünf bange Minuten aus einer langen Wartezeit auf ein Ersatzflugzeug der SWISS, das sie auf dem letzten Abschnitt nach New York bringen sollte. Ein beunruhigender Geruch, ein Bilderbuch-Sinkflug und eine sichere Landung. In der Luftfahrt zählt so etwas als ein gelungener Tag.

Quellen: WABI-TV; Portland Press Herald; Simple Flying; AeroXplorer; Aviation Safety Network. Das Video zeigt zur Veranschaulichung eine SWISS A330-343 auf der gleichen Strecke Zürich–New York.

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