Das Pentagon wünscht sich 500 Drohnen in einem einzigen Schwarm. Nicht irgendwann. Nicht in der Theorie. Aktuell sammelt DARPA Vorschläge für containerisierte, autonome Drohnensysteme, die in der Lage sind, Konstellationen von bis zu 500 unbemannten Fluggeräten von verteilten Positionen aus zu starten, zu bergen und zu koordinieren – beispielsweise in Schiffscontainern, die auf einem vorgeschobenen Stützpunkt, einem Parkplatz oder einer Waldlichtung abgeworfen werden.
Klingt das nach Science-Fiction? Bedenken Sie Folgendes: China hat bereits das Drohnenschwarm-Operationssystem ATLAS demonstriert, das auf dem Bodenkampffahrzeug Swarm-2 basiert. Die Technologie ist nicht erst in der Entwicklung. Sie ist bereits Realität. Die Frage ist nicht mehr, ob Drohnenschwärme die Kriegsführung verändern werden – sondern ob die Vereinigten Staaten sie beherrschen werden, bevor es ihre Gegner tun.
Die $100-Millionen-Herausforderung
Im Januar 2026 startete die Defense Innovation Unit des Pentagons die Orchestrator Prize Challenge – einen Wettbewerb im Wert von 100 Millionen US-Dollar, um das vielleicht schwierigste Problem der autonomen Kriegsführung zu lösen: Wie befehligt man einen Schwarm?
Der Kauf von Drohnen ist vergleichsweise einfach. Das US-Militär betreibt bereits Tausende, von handgestarteten Ravens bis hin zu Reaper-Jagddrohnen. Die Herausforderung liegt nicht in der Hardware, sondern in der Koordination. Wie steuert ein einzelner Bediener 200 Drohnen unterschiedlicher Typen, verschiedener Hersteller und mit unterschiedlicher Software zu Lande, zu Wasser und in der Luft? Wie reagiert der Schwarm, wenn die Hälfte seiner Mitglieder zerstört wird, die Kommunikation gestört ist oder der Feind Gegenmaßnahmen einsetzt, mit denen niemand gerechnet hat?
Die Orchestrator Challenge soll dies klären. Anbieter sind aufgefordert, die vollständig autonome Durchführung von Missionssätzen – darunter Aufklärung, Überwachung und Zielerfassung (ISR), Angriffe – mit minimalem menschlichen Eingriff zu demonstrieren. Die Testveranstaltung mit dem Namen "Crucible" ist für Mitte 2026 geplant und stellt die erste Evaluierung von Schwarmfähigkeiten durch das Pentagon in einem strukturierten, wettbewerbsorientierten Umfeld dar.

DARPAs Schiffscontainer-Luftwaffe
Das Container-Drohnenkonzept der DARPA ist wohl der radikalste Vorschlag, der derzeit entwickelt wird. Die Idee ist verblüffend einfach: Hunderte kleiner, autonomer Drohnen werden in einen Standard-Seecontainer gepackt – denselben 6 oder 12 Meter langen Stahlbehälter, der weltweit für den Warentransport per Lkw, Zug und Schiff genutzt wird. Der Container übernimmt alles: Lagerung, Wartung, Start, Bergung und Aufladung. Setzt man ihn an einem Ort mit Stromquelle und Datenverbindung ab, hat man im Handumdrehen eine Drohnenflotte.
Die strategischen Implikationen sind enorm. Traditionelle Luftstreitkräfte benötigen Start- und Landebahnen, Hangars, Treibstoffdepots und Wartungseinrichtungen – eine Infrastruktur, deren Bau teuer, deren Auffindung unkompliziert und deren Zerstörung durch Präzisionsraketen zunehmend einfacher ist. Ein in Containern untergebrachter Drohnenschwarm benötigt all dies nicht. Er kann in zivilen Häfen vorpositioniert, über Dutzende von Standorten verteilt und auf Befehl aktiviert werden. Militärisch gesehen ist er "dezentraler" und "überlebensfähiger" Einsatz – jene beiden Adjektive, die seit dem Übergang zum Großmachtwettbewerb jedes Strategiepapier des Pentagons prägen.
Die MAYHEM-Maschine
AeroVironment – das Unternehmen, das die in der Ukraine weit verbreitete Loitering Munition Switchblade herstellt – hat die MAYHEM 10 vorgestellt, eine modulare, autonome Drohne, die speziell für Schwarmoperationen entwickelt wurde. Die MAYHEM 10 ist vielseitig einsetzbar. Dank eines modularen Nutzlastsystems kann ein einzelnes Fluggerät für Aufklärung, elektronische Kampfführung, Kommunikationsweiterleitung oder Angriffe konfiguriert werden – und die Nutzlast kann innerhalb von Minuten im Einsatz ausgetauscht werden.
Diese Modularität ist der Schlüssel zum Schwarmkonzept. Ein Schwarm von 200 MAYHEM 10 könnte beispielsweise aus 50 für die Aufklärung (Zielerfassung), 30 für die elektronische Kampfführung (Störung der gegnerischen Kommunikations- und Radarsysteme), 20 für die Kommunikationsweiterleitung (Aufrechterhaltung der Verbindung innerhalb des Schwarms) und 100 für den Angriff (Zerstörung des Ziels) konfigurierten Einheiten bestehen. Der Schwarm ist keine Ansammlung identischer Waffen, sondern ein integriertes Kampfsystem, in dem jedes Element eine spezialisierte Rolle erfüllt.
China wartet nicht.
Am 25. März 2026 veröffentlichten chinesische Staatsmedien Aufnahmen des ATLAS-Drohnenschwarmsystems – einer bodengestützten Plattform, die auf dem unbemannten Kampffahrzeug Swarm-2 basiert und Dutzende kleiner Drohnen autonom starten und koordinieren kann. Das System wurde in einer scheinbaren Wüstenumgebung demonstriert, wobei die Drohnen ohne menschliches Eingreifen eingesetzt, koordiniert und simulierte Ziele bekämpften.
Chinas Ansatz bei Drohnenschwärmen unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt vom amerikanischen Modell: Peking scheint bereit zu sein, ein höheres Maß an Autonomie zu akzeptieren. Während das US-Militär weiterhin auf die menschliche Beteiligung an tödlichen Entscheidungen besteht – das heißt, jeder Abschuss muss von einer Person autorisiert werden –, zeigt die chinesische Militärdoktrin weniger Vorbehalte gegenüber vollständig autonomen Einsätzen. In einem Konflikt, in dem Drohnenschwärme gegen andere Drohnenschwärme kämpfen, könnte die Seite, die für jeden Schuss die Genehmigung eines Menschen benötigt, in puncto Geschwindigkeit einen fatalen Nachteil erleiden.
Das Ende des Kampfpiloten?
Die Frage, die jede Luftwaffe der Welt umtreibt, ist, ob Drohnenschwärme bemannte Kampfflugzeuge eines Tages ersetzen werden. Die wirtschaftlichen Argumente sind erschreckend: ein einziges F-35 Das kostet 1,4 Billionen US-Dollar. Für denselben Preis könnte man 8.000 Loitering Munitions der Switchblade-Klasse oder mehrere hundert autonome Drohnen mittlerer Leistungsfähigkeit erwerben. Wenn Quantität eine eigene Qualität besitzt – und die Militärgeschichte legt dies überwiegend nahe –, dann neigt sich die Ära der hochentwickelten, bemannten Kampfflugzeuge möglicherweise ihrem Ende zu.
Das Gegenargument lautet, dass Schwärme nur so effektiv sind wie ihre Kommunikation, ihre KI und ihre Fähigkeit, in umkämpften elektromagnetischen Umgebungen zu operieren. Ein ebenbürtiger Gegner mit hochentwickelten Fähigkeiten der elektronischen Kampfführung könnte die Datenverbindungen eines Schwarms stören, dessen GPS-Signal manipulieren und 500 koordinierte Waffen in 500 unkoordinierte Trümmerteile verwandeln. Bemannte Kampfflugzeuge mit menschlichem Urteilsvermögen und autonomen Sensoren bleiben in einer Weise widerstandsfähig, die die derzeitige KI nicht erreichen kann.
Die wahrscheinlichste Zukunft liegt nicht im Ersatz, sondern in der Kombination: Bemannte Kampfflugzeuge führen autonome Schwärme, wobei der Pilot als taktischer Kommandant und nicht als Waffenträger fungiert. Das Programm „Collaborative Combat Aircraft“ der US-Luftwaffe – in dem die F-35 mit autonomen Begleitdrohnen wie der XQ-58A Valkyrie kombiniert wird – testet dieses Konzept bereits. Die MQ-28 Ghost Bat, die diesen Monat auf der Valiant Shield Premiere feierte, geht noch einen Schritt weiter.
Der Schwarm kommt. Die einzige Frage ist, wer ihn zuerst beherrschen wird – und ob die Antwort in Jahren oder in Monaten zu messen sein wird.
Quellen: Defense One, DefenseScoop, DARPA, Army Recognition, AeroVironment, Interesting Engineering
Verwandte Fragen
Was ist ein militärischer Drohnenschwarm?
Ein Drohnenschwarm ist eine große Gruppe unbemannter Fluggeräte, die gemeinsam fliegen und sich koordinieren, oft mit minimalem menschlichen Eingriff. Die US-amerikanische Forschungsagentur DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) entwickelt Systeme, die in der Lage sind, Konstellationen von bis zu 500 Drohnen von verteilten Positionen wie beispielsweise Schiffscontainern aus zu starten, zu bergen und zu koordinieren.
Was ist das containerisierte Drohnenkonzept der DARPA?
Das Containerkonzept der DARPA sieht vor, Hunderte kleiner autonomer Drohnen in einem Standard-Seecontainer (20 oder 40 Fuß) unterzubringen, der Lagerung, Start, Bergung und Aufladung übernimmt. Überall dort abgesetzt, wo Strom und eine Datenverbindung vorhanden sind, entsteht so eine im Handumdrehen einsatzbereite Luftwaffe, die weder Start- und Landebahnen noch Hangars benötigt und auf früheren Entwicklungen aufbaut. Vorschläge für Schiffscontainer-Schwärme.
Was ist die Orchestrator Prize Challenge?
Die Orchestrator Prize Challenge ist ein mit 100 Millionen US-Dollar dotierter Wettbewerb ($100), der im Januar 2026 von der Defense Innovation Unit des Pentagons ins Leben gerufen wurde. Anbieter werden aufgefordert, Lösungen für die autonome Schwarmsteuerung zu entwickeln – also die Lenkung hunderter Drohnen unterschiedlicher Zusammensetzung durch Aufklärungs-, Zielerfassungs- und Angriffsmissionen mit minimalem menschlichen Eingriff. Die Testveranstaltung mit dem Namen „Crucible“ ist für Mitte 2026 geplant.
Warum ist die Kontrolle eines Drohnenschwarms so schwierig?
Die größte Herausforderung ist nicht der Kauf von Drohnen – die USA betreiben bereits Tausende –, sondern deren Koordination. Ein einzelner Bediener muss Hunderte von Drohnen unterschiedlicher Typen, Hersteller und Software über Land, See und Luft steuern, und der Schwarm muss auch dann einsatzfähig bleiben, wenn einzelne Drohnen zerstört werden, die Kommunikation gestört ist oder der Gegner unerwartete Gegenmaßnahmen ergreift.
Verfügt China über Drohnenschwarmtechnologie?
Ja. China hat das Drohnenschwarm-Operationssystem ATLAS demonstriert, das auf dem Bodenkampffahrzeug Swarm-2 basiert. Das rasante Entwicklungstempo Chinas ist ein Hauptgrund dafür, dass die USA die Schwarmkoordination mit Hochdruck vorantreiben – ein Vorhaben, das nun von einer eigens dafür eingerichteten Einheit überwacht wird. Drohnenbüro des Pentagons.




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