Die Jagd auf moderne U-Boote zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Militärluftfahrt. Sie bedeutet stundenlanges, geduldiges und treibstoffintensives Umkreisen des leeren Ozeans, in der Hoffnung auf einen Kontakt, der vielleicht nie auftaucht. Genau für diese Art von eintöniger, anstrengender und wenig glamouröser Arbeit werden Maschinen gebaut – und am 26. Juni 2026 vereinbarten zwei der weltweit führenden Luft- und Raumfahrtkonzerne, eine solche Maschine zu entwickeln.
Airbus und Kawasaki Heavy Industries unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Entwicklung einer U-Boot-Jagd- und Seeaufklärungsversion der in Europa gefertigten Eurodrohne. Die auf Japans Verteidigungsbedürfnisse zugeschnittene Idee sieht vor, eine große Aufklärungsdrohne so umzurüsten, dass sie U-Boote aufspüren und bekämpfen kann.
Es handelt sich um eine bemerkenswerte Kombination: ein europäisches unbemanntes Flugzeug, umgebaut von einem japanischen Hersteller, für eine Mission, die bisher von großen bemannten Jets dominiert wurde.
- Die Abmachung: Airbus und Kawasaki Heavy Industries unterzeichneten am 26. Juni 2026 eine Absichtserklärung zur Untersuchung einer U-Boot-Jagd- und Seeaufklärungsversion der Eurodrohne.
- Basisflugzeuge: Die U950 Eurodrone – eine zweimotorige, mittelhohe Langstrecken-Drohne (MALE); Erstflug für 2029 geplant
- Neues Missionsset: ASW-Sensoren, Sonarbojen und Torpedos sowie die Zusammenarbeit mit Japans bemannter Kawasaki P-1
- Ausdauer: bis zu 40 Stunden in der Luft
- Größe: etwa 5–6 m länger und breiter als eine MQ-9 Reaper, mit mehr als dem doppelten maximalen Startgewicht
- Programm: Deutschland (21), Italien (15), Frankreich (12) und Spanien (12) sind die ersten Kunden; Japan ist seit November 2023 Partner.
Das Flugzeug darunter
Die Eurodrone – offiziell U950 – ist Europas Antwort auf die amerikanische MQ-9 Reaper, allerdings deutlich größer. Sie ist etwa 5–6 Meter länger und breiter als die Reaper und kann mehr als das doppelte maximale Startgewicht tragen. Zwei Turboprop-Triebwerke anstelle des einzelnen Triebwerks der Reaper sind der Kernpunkt einer seit Langem andauernden Diskussion über die Konstruktion.
Deutschland bestand auf dem zweiten Triebwerk, damit die Drohne sicher über besiedelten Gebieten fliegen konnte. Kritiker bezeichneten es als unnötiges Gewicht und zusätzliche Kosten. Bei einem Einsatz auf See kehrt sich die Rechnung jedoch um: Ein Triebwerksausfall 1.500 Kilometer vor der Küste über dem Pazifik ist mit zwei Triebwerken überlebbar, mit nur einem jedoch tödlich. Redundanz, die über Land als Nachteil erschien, erweist sich über Wasser als Vorteil.
Die ersten Kunden des Programms sind Deutschland (21 Flugzeuge), Italien (15), Frankreich und Spanien (je 12). Airbus ist neben Leonardo und Dassault Hauptauftragnehmer. Der Erstflug ist für 2029 geplant. Japan ist seit November 2023 Partner, hat aber noch keine Bestellung aufgegeben.
Von der Spionagedrohne zum U-Boot-Jäger
Die Umrüstung einer Überwachungsplattform zu einem U-Boot-Jagdflugzeug ist keine einfache Lackierung. Ingenieure müssen Sonarbojen – kleine, im Meer abgelassene Sonarsensoren zur U-Boot-Ortung – sowie die entsprechende Datenverarbeitung und die Möglichkeit zum Transport leichter Torpedos integrieren. Mit einer Flugdauer von bis zu 40 Stunden ist die Flugzeugzelle selbst bestens für die präzisen Anforderungen der U-Boot-Suche geeignet.

Die interessanteste Aussage in Kawasakis Ankündigung betrifft die Zusammenarbeit. Die maritime Eurodrone soll nicht die bemannte Kawasaki P-1 ersetzen; sie soll fliegen mit Es handelt sich um eine Partnerschaft zwischen bemannten und unbemannten Systemen, in der die Drohne das Suchgebiet erweitert, während die Besatzung der P-1 die entscheidenden Kontakte herstellt. Dieselbe Logik prägt heute die See- und Unterwasserkriegsführung: Die teure, bemannte Plattform wird zur Spitze eines wesentlich größeren, kostengünstigeren, teilautomatisierten Speers.
Warum der Zeitpunkt sinnvoll ist
Japan hat allen Grund, dies zu wollen. Es patrouilliert riesige Gebiete im Pazifik und grenzt an eine jährlich wachsende chinesische U-Boot-Flotte. Japan betreibt bereits Dutzende von P-1- und P-3-Orion-Patrouillenflugzeugen und setzt RQ-4B Global Hawks zur Langstreckenüberwachung ein – doch die Global Hawk ist unbewaffnet und kann keine U-Boote jagen. Eine bewaffnete Drohne mit langer Flugdauer schließt genau diese Lücke.
Noch handelt es sich um eine Studie, nicht um einen Verkauf. Doch die Richtung ist unverkennbar: Die einsame, kräftezehrende Tätigkeit der U-Boot-Jagd bekommt einen unermüdlichen neuen Partner, der niemals schlafen muss.
Quellen: The Aviationist; Kawasaki Heavy Industries; FlightGlobal.
Verwandte Fragen
Was ist die Eurodrone?
Die Eurodrone (Bezeichnung U950) ist eine zweimotorige, mittelhohe und langstreckenfähige Überwachungsdrohne, die von Airbus in Zusammenarbeit mit Leonardo und Dassault für Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien entwickelt wurde. Sie erfüllt eine ähnliche Rolle wie die amerikanische MQ-9 Reaper, ist jedoch größer und schwerer. Ihr Erstflug ist für 2029 geplant.
Was würde die U-Boot-Abwehrdrohne Eurodrohne leisten?
Gemäß der Airbus-Kawasaki-Vereinbarung soll eine maritime Variante mit Sonarbojen und Torpedos zur U-Boot-Aufspürung und -Bekämpfung sowie zur permanenten Seeüberwachung ausgestattet werden. Entscheidend ist die Zusammenarbeit mit Japans bemannten Kawasaki P-1-Patrouillenflugzeugen, um die Überwachung großer Seegebiete zu teilen.
Warum ist Japan daran interessiert?
Japan patrouilliert weite Teile des Pazifiks und grenzt an Chinas rasch wachsende U-Boot-Flotte. Es betreibt bereits Dutzende von Kawasaki P-1 und P-3 Orion Patrouillenflugzeugen und rüstet seine Flotte um RQ-4B Global Hawks für Überwachungszwecke auf – allerdings ist die Global Hawk unbewaffnet und verfügt über keine U-Boot-Abwehrfähigkeit, eine Lücke, die eine bewaffnete Eurodrohne schließen könnte.
Worin unterscheidet sich die Eurodrone von einer MQ-9 Reaper?
Die Eurodrone ist etwa 5–6 Meter länger und breiter als die MQ-9 und hat mehr als das Doppelte ihres maximalen Startgewichts. Deutschland bestand aus Sicherheitsgründen beim Überfliegen bewohnter Gebiete auf zwei Triebwerke; das erhöht zwar Gewicht und Kosten, die Redundanz ist aber bei langen Patrouillen über Wasser von Vorteil.
Hat Japan die Drohne bestellt?
Noch nicht. Die Absichtserklärung verpflichtet Airbus und Kawasaki lediglich zur Prüfung des Konzepts und zur Festlegung der für eine japanische Marineversion erforderlichen Modifikationen und Sensoren. Japan ist seit November 2023 Partner im Rahmen des umfassenderen Eurodrone-Programms, hat aber noch keine feste Bestellung aufgegeben.




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