Der fliegende Kreuzer, der keinen Sinn ergab

von | 7. Juli 2026 | Geschichte & Legenden, Militärische Luftfahrt | 0 Kommentare

Ende der 1930er-Jahre machte sich Bell Aircraft daran, einen so ambitionierten Jagdflieger zu entwickeln, dass Bordschützen in den Triebwerken untergebracht werden mussten. Das Ergebnis, die Bell YFM-1 Airacuda, war elegant, futuristisch, mit Kanonen bestückt – und eines der glorreichsten und zugleich verfehltesten Kampfflugzeuge, die die Vereinigten Staaten je in die Luft brachten.

Es war Bells allererstes Militärflugzeug. Es hätte vielleicht eine Warnung sein sollen, wie hart dieses Geschäft ist.

Kurzinfo
Flugzeug Bell YFM-1 Airacuda — “Bomberzerstörer”
Erster Flug 1. September 1937
Layout Zwei Druckmotoren; je eine Kanone und ein Richtschütze in jeder Gondel
Gebaut Insgesamt etwa 13 Flugzeuge.
Schicksal Anfang 1942 aus dem Bestand gestrichen.

Ein Bordschütze im Triebwerk

Die Idee hinter der Airacuda war in den 1930er-Jahren populär: der “Bomberzerstörer”, ein schwerer Jäger, der feindliche Bomber weit draußen, außerhalb der Reichweite kleiner einsitziger Abfangjäger, abfangen und mit schweren Geschützen zerstören sollte. Bells Ansatz war selbst für die damaligen Verhältnisse radikal.

Zwei Allison V-1710-Motoren wurden montiert als Schieber, Ihre Propeller waren nach hinten gerichtet. Und vor jedem Triebwerksgondel, vor dem Propeller, saß ein Besatzungsmitglied mit einer 37-mm-Kanone. Zwei weitere Maschinengewehre befanden sich im Bug und zwei in Rumpfposition. Es sah aus wie die Zukunft. Es flog wie ein warnendes Beispiel.

Bell YFM-1 Airacuda
Die beiden Gondeln der Airacuda trugen jeweils eine 37-mm-Kanone und einen Bordschützen – direkt vor einem Druckpropeller sitzend. Foto: US Air Force / Wikimedia Commons

Alles, was schiefgehen konnte

Beginnen wir mit den Bordschützen. Beim Abfeuern der Kanone füllte sich die enge Gondel mit Rauch. Schlimmer noch: Musste ein Bordschütze abspringen, drehte sich der Propeller direkt hinter ihm – daher waren Sprengbolzen vorgesehen, die den Propeller zuvor freisprengten. Hinzu kam das elektrische System: So viele Systeme des Flugzeugs waren von einer Hilfsstromversorgung abhängig, dass bei Ausfall des kleinen Generators auch die Bordkanonen ausfallen konnten.

Und die Motoren bekamen nie richtig Luft. Da die Propeller drückten statt zu ziehen, wurde bei niedriger Geschwindigkeit zu wenig Luft über die Kühler geleitet. Die Airacuda neigte schon im Stand zum Überhitzen, weshalb sie oft gewartet werden musste. abgeschleppt Statt aus eigener Kraft zur Startbahn zu rollen, ist das keine ermutigende Eigenschaft für einen Abfangjäger, der zum Schnellstart bestimmt ist.

Von der Physik besiegt

Trotz ihrer bedrohlichen Wirkung konnte die Airacuda ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllen. Sie war schwer und mit rund 446 km/h sogar langsamer als viele der Bomber, die sie jagen sollte. Sie konnte die Jagdflugzeuge, die diese Bomber eskortierten, nicht im Luftkampf bekämpfen, und die vielgerühmte 37-mm-Kanone erwies sich als weniger verheerend als versprochen. Es wurden nur etwa dreizehn Maschinen gebaut, und Anfang 1942 – genau zu dem Zeitpunkt, als der Krieg, für den die Airacuda konzipiert worden war, in vollem Gange war – wurden sie stillschweigend aus dem Bestand genommen. Keine einzige hat überlebt.

Und doch muss man den Mut bewundern, den sie bewiesen haben. Die Airacuda war eine wunderschöne, mutige und durch und durch logische Maschine, die frontal mit der Aerodynamik kollidierte und scheiterte. Die Geschichte der Luftfahrt ist voller Triumphe; es sind die grandiosen Fehlschläge wie dieser, an die man sich am liebsten erinnert.

Quellen: Nationalmuseum der US-Luftwaffe; Steve Ginter, Bell XFM/YFM-1 Airacuda; Wikipedia.

Verwandte Fragen

Was war die Bell YFM-1 Airacuda?

Die Bell YFM-1 Airacuda war ein experimenteller amerikanischer schwerer Jäger der späten 1930er-Jahre, konzipiert als 'Bomberzerstörer' zur Abwehr feindlicher Bomber mit schwerer Bordkanone. Bells erstes Militärflugzeug war mit zwei Druckmotoren ausgestattet, in deren Gondeln jeweils ein Bordschütze saß. Elegant und futuristisch, erwies sie sich als eines der glorreichsten und zugleich fehlgeleitetsten Kampfflugzeuge, die die Vereinigten Staaten je gebaut haben.

Wann absolvierte die Bell Airacuda ihren Erstflug?

Die Bell YFM-1 Airacuda absolvierte ihren Erstflug am 1. September 1937. Es wurden nur etwa dreizehn Exemplare gebaut, und der Flugzeugtyp wurde Anfang 1942 aus dem US-amerikanischen Bestand gestrichen, da er die einzige Aufgabe, für die er entwickelt worden war, nicht erfüllt hatte. Er kam nie in nennenswertem Umfang zum Einsatz und wurde auch nie im Kampf eingesetzt.

Was war ein 'Bomberzerstörer'?

Der Begriff 'Bomberzerstörer' entstand in den 1930er-Jahren und bezeichnete einen schweren Jäger, der feindliche Bomber weit entfernt von ihren Zielen, außerhalb der Reichweite kleiner einsitziger Abfangjäger, abfangen und mit großkalibrigen Bordkanonen zerstören sollte. Die Bell Airacuda war eine radikale Interpretation dieses Konzepts, doch erwiesen sich solch schwer bewaffnete Jäger im Allgemeinen als zu langsam und unhandlich, um die begleitenden Jäger zu bekämpfen.

Warum scheiterte die Bell Airacuda?

Die Airacuda scheiterte an den Gesetzen der Physik. Mit rund 446 km/h war sie tatsächlich langsamer als viele der Bomber, die sie jagen sollte, konnte Begleitjäger im Luftkampf nicht Paroli bieten und ihre 37-mm-Kanone erwies sich als weniger verheerend als versprochen. Ihre Schubmotoren zogen bei niedrigen Geschwindigkeiten zu wenig Kühlluft an, sodass sie am Boden überhitzte und oft zur Startbahn geschleppt werden musste.

Warum saßen die Bordschützen der Airacuda in den Triebwerksgondeln?

Die Airacuda war mit ihren beiden Allison V-1710-Motoren als Druckpropeller ausgestattet, wobei in jeder Gondel ein Schütze stationiert war, der die Kanone bediente. Die Konstruktion war so ungewöhnlich, dass Sprengbolzen vorgesehen waren, um die Propeller zu sprengen, bevor ein Schütze abspringen konnte – eine Sicherheitsvorkehrung, die an die Vergangenheit erinnerte. Dornier Do 335 (Push-Pull), welches seinen Heckpropeller auf die gleiche Weise abwarf.

Welche anderen ungewöhnlichen zweimotorigen Jagdflugzeuge stammen aus dieser Ära?

In den 1930er und 1940er Jahren entstanden viele kühne Experimente mit zweimotorigen Jagdflugzeugen, von der Airacuda mit Druckpropeller bis hin zur eleganten Lockheed P-38 Lightning, das dort Erfolg hatte, wo die Airacuda scheiterte. Die Konstrukteure lernten noch immer, welche radikalen Ideen funktionierten und welche, wie Bells Konzept mit einem Bordschützen im Triebwerk, aufgrund von Gewicht, Luftwiderstand und Kühlungsproblemen zum Scheitern verurteilt waren.

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