Am 15. Juni 2026 um 7 Uhr morgens rollte eine Embraer E195-E2 der Porter Airlines auf die Startbahn eines Flugplatzes an der Südküste, der seit Menschengedenken keinen planmäßigen Flug mehr erlebt hatte. Während Flug PD181 nach Vancouver zum Start ansetzte, bildeten die Feuerwehrwagen des Flughafens einen Wasserwerfergruß über dem Flugzeug. Damit hatte die Metropolregion Montreal einen zweiten Verkehrsflughafen – und Nordamerika hatte etwas wahrhaft Seltenes geschafft: die Eröffnung eines komplett neuen Passagierterminals.
Es handelt sich um den Flughafen Montreal Metropolitan (MET), der noch immer den alten Code YHU trägt und sich auf dem Gelände des historischen Flugplatzes Saint-Hubert befindet. Fast ein Jahrhundert lang diente er als Flugschule, Militärstützpunkt und Treffpunkt für die allgemeine Luftfahrt. Nun setzt er darauf, dass die Einwohner Montreals eine schnellere und unkompliziertere Alternative zum weitläufigen Flughafen Trudeau (YUL) wünschen.
Ob sich diese Wette auszahlt, ist eine der interessantesten Geschichten in der kommerziellen Luftfahrt derzeit – denn es sind eigentlich drei Geschichten miteinander verwoben: ein lange Zeit in Vergessenheit geratener Flugplatz, der wiederbelebt wird, eine ehrgeizige Fluggesellschaft, die nach Größe strebt, und ein kontinentweiter Neuanfang hinsichtlich der eigentlichen Funktion eines zweiten Flughafens.
Kurzinfo
- Flughafen: MET – Flughafen Montreal Metropolitan (Saint-Hubert), Code YHU / CYHU, Longueuil, QC
- Neues Terminal eröffnet: 15. Juni 2026
- Trägerflugzeug: Porter Airlines (Erstflug PD181 nach Vancouver); Pascan Aviation operiert ebenfalls
- Anschlussgröße: ~21.000 m², neun Fluggastbrücken, Wartehalle mit 900 Sitzplätzen
- Kapazität: bis zu 4 Millionen Passagiere pro Jahr (Porter rechnet mit etwa 1 Million im ersten Jahr).
- Entfernung zum Stadtzentrum: ca. 15 km
- Porter-Flotte bei MET: Embraer E195-E2-Jets mit 132 Sitzplätzen und De Havilland Dash 8-400-Turboprop-Maschinen mit 78 Sitzplätzen
Ein neues Terminal ist eine Seltenheit.
Flughäfen werden ständig erweitert, renoviert und neu verkleidet. Was in Nordamerika jedoch fast nie vorkommt, ist die erstmalige Inbetriebnahme eines komplett neuen Passagierterminals. Das Gebäude des Flughafens Metropolitan (MET) entstand in rasantem Tempo: Entworfen von Scott & Associates, gebaut von PCL Construction, Spatenstich im August 2023 und Fertigstellung in weniger als drei Jahren.
Die Designphilosophie steht im Gegensatz zu einem Mega-Drehkreuz. Das Terminal ist kompakt – rund 21.000 Quadratmeter – mit neun Fluggastbrücken und einer einzigen Abflughalle mit 900 Sitzplätzen. Die Idee dahinter ist, dass Passagiere näher an ihrer Abflugzeit ankommen, kürzere Wege zurücklegen und weniger Zeit in Warteschlangen verbringen. Architektonisch setzt das Terminal auf natürliches Licht und verweist auf die lokale Geschichte, darunter die Ankunft des britischen Luftschiffs R-100 im Jahr 1930 in Saint-Hubert – eine der kuriosesten Begebenheiten der frühen kanadischen Luftfahrtgeschichte.

Das Terminal wird von YHU Infrastructure Partners, einem Joint Venture von Porter Aviation Holdings und Macquarie Asset Management, im Rahmen eines langfristigen Pachtvertrags entwickelt und betrieben. Dieses private Investitionsmodell trägt dazu bei, dass das Projekt ungewöhnlich ist – und ist Teil der Strategie, mit der die Geldgeber die Schattenseiten der Montrealer Luftfahrtvergangenheit hinter sich lassen wollen.
Porters große Wette auf einen zweiten Flughafen in Montreal
Die erste Fluggesellschaft ist Porter Airlines, und ihr Engagement ist beeindruckend. Innerhalb einer Woche nach der Eröffnung nahm Porter zwölf Strecken ab dem Flughafen Montreal-Trudeau (MET) auf, die von Küste zu Küste reichen – von St. John’s im Osten bis Vancouver im Westen, mit Verbindungen nach Toronto, Calgary, Edmonton, Halifax, Winnipeg und mehreren kleineren Städten dazwischen. Laut Porter Airlines kann die Fluggesellschaft durch MET ihre Kapazität im Großraum Montreal in diesem Sommer nahezu verdoppeln und bis zu 244 wöchentliche Abflüge zwischen den Flughäfen Montreal-Yhu und Trudeau aufteilen.
Porter hat diese Strategie schon einmal erfolgreich angewendet. Am Billy Bishop Toronto City Airport baute das Unternehmen seine Marke auf dem Versprechen von Komfort auf – kurze Wege, schnelle Abfertigung, kostenlose Snacks in der Lounge – und nicht auf schierer Größe. Der Unterschied liegt nun im Flugzeugtyp. Porter ist der weltweit größte Betreiber der Embraer E2-Familie, und die 132-sitzige E195-E2 ermöglicht es dem Unternehmen, die Strecke Montreal–Vancouver von einem Ausweichflughafen aus zu bedienen – etwas, das mit der ursprünglichen, ausschließlich aus Turboprop-Maschinen bestehenden Flotte niemals möglich gewesen wäre.

Die E195-E2 verfügt über eine 2-2-Kabine ohne Mittelsitze; die Dash 8-400 mit 78 Sitzen bedient kürzere Regionalstrecken. Diese Flotte aus zwei Flugzeugtypen bildet das Herzstück der gesamten Strategie: Jets für die transkontinentalen Routen, Turboprop-Maschinen für den Toronto City Shuttle und die Märkte im Osten Kanadas. Der CEO von Porter ist optimistisch, und die ersten Zahlen bestätigen dies.
Pascan Aviation, die Regionalfluggesellschaft, die seit über zwei Jahrzehnten in Saint-Hubert ansässig ist, rundet das Angebot ab und verbindet kleinere Gemeinden in Québec und den Seeprovinzen. Einige Strecken sind zusammen mit Porter auf einem einzigen Ticket buchbar. Das Terminal ist so konzipiert, dass es im Laufe der Zeit weitere Fluggesellschaften aufnehmen kann.
Ein Rundgang durch das neue MET-Terminal, Innen- und Außenansicht, Juni 2026.
Von der Luftpost zu den Passagierflugzeugen: Die Geschichte von Saint-Hubert
Nichts davon findet auf einem unbebauten Feld statt. Saint-Hubert ist einer der ältesten Flugplätze Kanadas und geht auf die späten 1920er-Jahre zurück, als er einen Teil der ersten Luftpost des Landes abwickelte und als Hauptflughafen von Montreal diente – bis der kommerzielle Flugverkehr um den Zweiten Weltkrieg nach Dorval, dem heutigen Trudeau, verlagert wurde. 1930 wurde er kurzzeitig zum Zentrum der Luftfahrtwelt, als das Luftschiff R-100 nach seiner Atlantiküberquerung dort ankerte.

In den darauffolgenden Jahrzehnten verlief das Gelände eher ruhig: Bei Bedarf diente es als Militärstützpunkt, später als Drehscheibe für Flugausbildung, Luft- und Raumfahrtunternehmen sowie die allgemeine Luftfahrt. Seit seiner Umbenennung in MET – Montreal Metropolitan Airport im Jahr 2023 liegt es inmitten eines der weltweit bedeutendsten Luft- und Raumfahrtzentren, in dessen Nähe sich Unternehmen wie Airbus Canada, CAE und Pratt & Whitney Canada befinden. Das neue Terminal integriert den Linienflugverkehr in dieses bestehende System, anstatt es zu ersetzen.

Die Wiederaufnahme des Flugbetriebs erfolgte unter Auflagen. Nachtflüge sind verboten, die Betriebszeiten begrenzt und Luftqualitätssensoren wurden installiert, um den Bedenken der Anwohner Rechnung zu tragen. Der Projektentwickler investiert 8,2 Millionen CTP4T in Straßenverbesserungen, und Longueuils Bürgermeisterin Catherine Fournier erklärte, der Flughafen werde voraussichtlich jährlich über 6 Millionen CTP4T an Grundsteuereinnahmen für die Stadt generieren.
Die Zwei-Flughafen-Frage – und Mirabels langer Schatten
Hier macht Montreals Geschichte allen Sorgen. Als die Region das letzte Mal versuchte, die Flughafenkapazität zu erhöhen, baute sie in den 1970er-Jahren Mirabel – einen riesigen internationalen Flughafen, der so weit außerhalb der Stadt und so schlecht angebunden war, dass Fluggesellschaften und Passagiere ihn stillschweigend mieden. Mirabel wurde zum bekanntesten warnenden Beispiel der Luftfahrtgeschichte: ein glänzendes Terminal mit fast keinen planmäßigen Passagieren.
MET ist als Gegenstück zu Mirabel konzipiert. Anstelle eines weit entfernten internationalen Mega-Drehkreuzes ist es ein stadtnaher, auf Inlandsflüge ausgerichteter Sekundärflughafen, nur 15 km vom Stadtzentrum entfernt, der auf kleine Single-Aisle-Jets und Turboprop-Maschinen anstatt auf Großraumflugzeuge ausgelegt ist. Laut Porter ist MET dank seiner Lage für mehr als die Hälfte der regionalen Bevölkerung leicht erreichbar. Das Modell basiert auf dem Multi-Airport-System, das sich bereits in London, New York und Tokio bewährt hat: ein großer internationaler Flughafen plus ein flexibler zweiter Flughafen, der zusätzliche Kapazität und Auswahlmöglichkeiten bietet.
Sekundärflughäfen sind dann erfolgreich, wenn drei Faktoren zusammenkommen: der richtige Standort, die richtige Kostenstruktur und ein engagierter Airline-Partner. MET verfügt wohl von Anfang an über alle drei. Trudeau sichert den Langstrecken- und internationalen Verkehr; MET übernimmt den Inlands- und Regionalverkehr und entlastet ein Drehkreuz, das selbst einen milliardenschweren Ausbau durchführt.
Erste Flüge am Flughafen YHU: Porter und Pascan nehmen den Linienbetrieb vom neuen Terminal auf.
Was das für Reisende bedeutet
Für die Einwohner Montreals liegt der praktische Vorteil in der größeren Auswahl. Wer am Südufer oder im Osten der Stadt wohnt, kann durch den Flughafen Montreal-Trent (MET) seine Reisezeit nach Toronto, Halifax oder Vancouver deutlich verkürzen – und am Zielort ein entspannteres und schnelleres Terminalerlebnis genießen. Porter rechnet im ersten Jahr mit rund einer Million Passagieren und geht davon aus, dass MET innerhalb weniger Jahre zu den zehn verkehrsreichsten Flughäfen Kanadas gehören könnte.
Das Risiko besteht wie immer darin, ob genügend Reisende ihre Gewohnheiten ändern. Trudeau ist etabliert, bekannt und verfügt über die internationalen Verbindungen, die MET bewusst nicht bietet. Doch ein brandneues Terminal, das man in wenigen Minuten durchqueren kann und das von Jets ohne Mittelsitz zu den Städten angeflogen wird, die die meisten Kanadier tatsächlich anfliegen, ist ein ganz anderes Angebot. Der Wasserwerfer ist längst leer. Nun wird sich zeigen, ob Saint-Huberts zweiter Akt länger anhält als der erste.
Quellen: Aerospace Global News; International Airport Review; FlyMag; MET – Montreal Metropolitan Airport (metmtl.com); CBC News.
Verwandte Fragen
Wie heißt der neue Flughafen von Montreal?
Der neue Flughafen von Montreal ist der MET Montreal Metropolitan Airport (Code YHU/CYHU). Er wurde auf dem historischen Flugplatz Saint-Hubert in Longueuil, etwa 15 km vom Stadtzentrum entfernt, errichtet. Sein neues Passagierterminal wurde am 15. Juni 2026 eröffnet und bietet der Metropolregion Montreal neben dem Flughafen Trudeau (YUL) einen zweiten Verkehrsflughafen.
Wann wurde der Flughafen Montreal Metropolitan eröffnet?
Der Flughafen Montreal Metropolitan (MET) eröffnete sein neues Passagierterminal am 15. Juni 2026 mit dem ersten planmäßigen Abflug von Porter Airlines Flug PD181 nach Vancouver. Es handelt sich um einen der seltenen Fälle, in denen ein von Grund auf neu errichtetes kommerzielles Passagierterminal in Nordamerika erstmals in Betrieb genommen wurde.
Welche Fluggesellschaften fliegen vom Flughafen Saint-Hubert (YHU) ab?
Porter Airlines ist die erste Fluggesellschaft am Flughafen Montreal-Métropole (MET), Pascan Aviation ist ebenfalls dort tätig. Porter setzt Maschinen mit 132 Sitzplätzen ein. Embraer E195-E2 Jets und 78-sitzige De Havilland Dash 8-400 Turboprop-Maschinen starten vom Flughafen und bedienen zunächst Ziele wie Vancouver.
Wie groß ist das MET-Terminal in Montreal?
Das neue MET-Terminal erstreckt sich über rund 21.000 m² und verfügt über neun Fluggastbrücken sowie eine Wartehalle mit 900 Sitzplätzen. Es ist für bis zu 4 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt, wobei die Erstfluggesellschaft Porter im ersten Betriebsjahr mit etwa 1 Million Passagieren rechnet.
Warum sind brandneue Flughafenterminals in Nordamerika selten?
Flughäfen werden üblicherweise erweitert, renoviert oder neu verkleidet, anstatt von Grund auf neu gebaut zu werden. Die erstmalige Inbetriebnahme eines komplett neuen Passagierterminals, wie im Fall des Flughafens Montreal MET, ist in Nordamerika äußerst selten – im Gegensatz zu den neuen Mega-Flughäfen, die in anderen Ländern eröffnet werden. Vietnam Und Sydney.
Wie weit ist der Flughafen Saint-Hubert vom Stadtzentrum von Montreal entfernt?
Der Flughafen Montreal Metropolitan (MET) liegt am Südufer in Saint-Hubert in Longueuil, etwa 15 km vom Stadtzentrum Montreals entfernt. Er positioniert sich als schnellere und einfachere Alternative zum größeren internationalen Flughafen Montreal-Trudeau (YUL).
Mit welchem Flugzeugtyp setzt Porter Airlines ein?
Von Montreal aus betreibt Porter Airlines Flüge mit 132 Sitzplätzen. Embraer E195-E2 Regionaljets und 78-sitzige De Havilland Dash 8-400 Turboprop-Maschinen. Die E195-E2 ist ein moderner, treibstoffeffizienter Jet, mit dem Porter auf kürzeren Regional- und Transkontinentalstrecken Komfort auf dem Niveau von Großraumflugzeugen bieten kann.




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