Deutschlands erster Quadriga Eurofighter fliegt

von | 15. Juli 2026 | Militärische Luftfahrt, Nachricht | 0 Kommentare

Am 14. Juli um 0:34 Uhr rollte ein einsitziger Eurofighter in schlichtem Grau auf der Startbahn des Airbus-Werks in Manching, Bayern, zündete seine beiden EJ200-Triebwerke und hob ab. Die Maschine trug die deutsche Militärregistrierung 34+02. Es war der erste Eurofighter, der nach dem neuen Tranche-4-Standard unter Berliner Vorgabe gebaut wurde. Quadriga Das Programm hob ab – und damit wurde die lange verzögerte Flottenerneuerung der Luftwaffe endlich zur fliegenden Realität.

Airbus-Testpilot Stefan Auer hielt den Jet etwas mehr als eine Stunde in der Luft. Der Flug war ein Abnahmetest für die Serienproduktion: keine Vorführung, sondern eine systematische Checkliste, um zu bestätigen, dass sich die fabrikneue Flugzeugzelle exakt wie in den Zeichnungen angegeben verhält. Auer testete das grundlegende Handling, das Ansprechverhalten der Triebwerke, das Flugsteuerungssystem, die Hydraulik, die Elektrik sowie die Cockpitinstrumente und das Navigationssystem. Airbus berichtete, dass alle Systeme wie vorgesehen funktionierten.

Kurzinfo

Flugzeug Eurofighter Typhoon, Tranche 4 (Einsitzer)
Anmeldung 34+02
Erster Flug 14. Juli 2026, Manching, Deutschland
Testpilot Stefan Auer (Airbus Defence and Space)
Programm Projekt Quadriga – 38 Jets (30 Einsitzer, 8 Zweisitzer)
Gesamtbetrag der Bestellung 58 neu gebaute Eurofighter für die Luftwaffe
Schlüssel-Upgrade Captor-E / ECRS Mk1 AESA-Radar; neuer Missionscomputer
Lieferungen Von Ende 2026 bis 2030

Ein erster Flug nach Lehrbuch

Bei einem Abnahmeflug für die Serienproduktion wird bewusst auf Dramatik verzichtet – und genau das ist der Sinn der Sache. Das Eurofighter-Design ist seit über zwei Jahrzehnten ausgereift; neu sind hier die Fertigungsstandards und die Passgenauigkeit der Ausrüstung, nicht die Aerodynamik. Die Aufgabe am 14. Juli bestand darin, zu überprüfen, ob diese spezielle Flugzeugzelle – die erste vom Montageband der Quadriga-Serie – korrekt vom Band in Manching lief. Eine Stunde ununterbrochener Prüfung ohne Überraschungen – genau das Ergebnis, das sich das Programm gewünscht hatte.

Eurofighter Typhoon der deutschen Luftwaffe in Sonderlackierung
Ein Eurofighter Typhoon der Luftwaffe. Die neuen Jets der Tranche 4 teilen sich die gleiche Flugzeugzelle, verfügen aber über eine grundlegend andere Sensor- und Computerausstattung. Foto: Wikimedia Commons

Was Tranche 4 tatsächlich ändert

Das sichtbare Flugzeug ist vertraut; die wichtigen Änderungen finden im Inneren statt. Der an Deutschland gelieferte Tranche-4-Standard basiert auf dem Captor-E-Radar mit aktiver elektronisch gesteuerter Phase (AESA) – der Variante ECRS Mk1 – das das mechanisch gesteuerte Captor-M der Vorgängermodelle ersetzt. Eine AESA-Antenne scannt elektronisch statt mit einer mechanischen Parabolantenne, was größere Erfassungsreichweiten, die gleichzeitige Verfolgung mehrerer Ziele und eine deutlich höhere Störfestigkeit ermöglicht.

Hinter dem Radar befinden sich ein leistungsstärkerer Missionscomputer und überarbeitete Cockpit-Displays. Dadurch verfügt das Flugzeug über die nötige Rechenleistung, um zukünftige Waffensysteme und Software ohne erneute Hardware-Umrüstung zu integrieren. Vereinfacht gesagt: Tranche 4 verwandelt eine zwar leistungsfähige, aber in die Jahre gekommene Flugzeugzelle in eine Sensorplattform, die für die 2030er Jahre und darüber hinaus bestens gerüstet ist.

“Diese neue Bestellung ist ein weiterer Beweis für die Bedeutung des Eurofighters für die deutsche Luftwaffe und die strategische Rolle, die er in der Luftverteidigung unseres Landes und in den NATO-Fähigkeiten spielt.”
Michael Schoellhorn — CEO, Airbus Defence and Space

Überbrückung der Lücke bis zum FCAS

Das Projekt Quadriga umfasst 38 Flugzeuge – 30 Einsitzer und acht Zweisitzer –, die die ältesten deutschen Eurofighter Typhoon der ersten Tranche ersetzen sollen. Diese wurden Anfang der 2000er-Jahre in Dienst gestellt und erreichen nun das Ende ihrer Nutzungsdauer. Einschließlich einer Folgebestellung hat Deutschland nun 58 neue Eurofighter bestellt. Die Auslieferung der Quadriga-Jets soll nach Abschluss der Musterzulassung Ende 2026 beginnen und bis 2030 andauern.

Der Zeitpunkt ist entscheidend. Das von Frankreich, Deutschland und Spanien entwickelte Future Combat Air System (FCAS) wird voraussichtlich erst in den 2040er-Jahren einsatzbereit sein, und das Programm hatte mit einigen industriellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Bis dahin bildet eine modernisierte Typhoon-Flotte das Rückgrat der deutschen und NATO-Luftverteidigung in Europa. Der leise, einstündige Flug der 34+02 ist der erste konkrete Schritt, um dieses Rückgrat aufrechtzuerhalten.

Ein Eurofighter Typhoon der Luftwaffe mit vollem Nachbrenner – der Flugzeugtyp, der jetzt im Rahmen des Quadriga-Programms erneuert wird.

Quellen: FlightGlobal; Janes; Airbus Defence and Space; Eurofighter Jagdflugzeug GmbH.

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