Hier ist eine einfache Methode, Marineplaner in Angst und Schrecken zu versetzen: Man nehme ein gewöhnliches Frachtflugzeug, lade eine Palette mit Marschflugkörpern aus und lasse sie selbstständig zum Ziel fliegen. Die US-Luftwaffe perfektioniert diesen Trick seit Jahren unter dem Namen Rapid Dragon. Nun will auch Embraer mitmischen. In Farnborough unterzeichneten der brasilianische Flugzeughersteller und das Rüstungsunternehmen Anduril eine Absichtserklärung, um Andurils palettengestützten Marschflugkörper Barracuda-500M an der C-390 Millennium zu befestigen – und so ein Transportflugzeug in einen Marschflugkörper mit großer Reichweite zu verwandeln, ohne seine eigentliche Aufgabe aufzugeben.
Wenn Ihnen das Konzept bekannt vorkommt, dann zu Recht. Wir haben Anfang des Monats über die Version des Pentagons zu diesem Thema berichtet. Billige Marschflugkörper, abgeworfen von Frachtflugzeugen. Der Embraer-Deal ist die gleiche disruptive Logik, nur unter anderem Deckmantel: Massenproduktion, billig hergestellt, eingesetzt mit Flugzeugen, die niemand als Bomber betrachtet.
| Munition | autonome Marschflugkörper Barracuda-500M |
| Hersteller | Anduril Industries (USA) |
| Startplattform | Embraer C-390 Millennium Transportflugzeug |
| Verfahren | Palettierter Roll-Out-the-Ramp-Start |
| Angekündigt | 21. Juli 2026, Farnborough (MoU) |
| Erreichen | ~500 nm / ~925 km; ~US$200k pro Runde |
Raketen auf einer Palette
Das Verfahren ist verblüffend einfach. Die Raketen werden auf Standard-Frachtpaletten transportiert; ein RoRo-System und herkömmliche Abwurfprozeduren befördern die Palette über die Heckrampe. Ein Bremsschirm stabilisiert sie, die Munition trennt sich, das Triebwerk zündet, und die Rakete fliegt autonom mit Andurils Lattice-Lenksystem zu vor dem Start geladenen oder im Flug zugeführten Koordinaten. Eine Konzeptzeichnung in Farnborough zeigte etwa zwei Dutzend Raketen auf einer einzigen Palette – eine C-390, die einen ganzen Schwarm abfeuerte.
Die Barracuda-500M ist das Angriffsmodell der Barracuda-Familie von Anduril: ein kostengünstiger, in Serie gefertigter Marschflugkörper mit einer Reichweite von rund 500 Seemeilen, einem etwa 45 Kilogramm schweren Sprengkopf und einem Stückpreis von rund 200.000 US-Dollar – etwa einem Zehntel einer Tomahawk. Anduril gibt an, dass die Herstellung nur die Hälfte der Zeit und einen Bruchteil der Bauteile einer konventionellen Rakete benötigt.

Warum ein brasilianisches Transportflugzeug?
Die C-390 ist ein schnelles, strahlgetriebenes taktisches Transportflugzeug, das bereits bei einem Dutzend Luftwaffen im Einsatz ist oder von diesen bestellt wurde – von Brasilien und Portugal bis zu den Niederlanden, Schweden und Ungarn. Sie wurde für die Luftbetankung und die elektronische Kampfführung angepasst; eine Option für palettierte Angriffsflugzeuge ist eine weitere Möglichkeit, die Vielseitigkeit dieses Flugzeugtyps zu nutzen. Für kleinere Luftwaffen stellt sie eine verlockende Option dar – Feuerkraft mit großer Reichweite, ohne eine Flotte dedizierter Bomber anschaffen zu müssen.
Bislang handelt es sich lediglich um eine Absichtserklärung – ein gemeinsames Vorhaben, noch kein unterzeichnetes Programm. Doch die Richtung ist unverkennbar. Die Grenze zwischen “Frachtflugzeug” und “Bomber” verschwimmt mit jeder Flugschau mehr und mehr.
Quellen: Embraer; The Aviationist; FlightGlobal; Breaking Defense; Anduril (21. Juli 2026).




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