Europas 100-Milliarden-Euro-Kampfjet ist gerade gestorben

von | 26. Juni 2026 | Militärische Luftfahrt, Nachricht | 0 Kommentare

An einem grauen Junimorgen auf der ILA Berlin hörte das ehrgeizigste Kampfflugzeug, das Europa nie gebaut hat, stillschweigend auf zu existieren. Das Future Combat Air System – FCAS, oder SCAF Das Projekt – das Frankreich, Deutschland und Spanien einen Kampfjet der sechsten Generation zur Verfügung stellen sollte, um den Luftraum im Jahr 2040 zu beherrschen – wurde nach sieben Jahren Streitereien Anfang Juni 2026 eingestellt.

Die Zahlen waren von kontinentalem Ausmaß: ein Programm im Wert von über 100 Milliarden Euro, das als Ersatz für das … konzipiert wurde. Rafale und der Eurofighter mit einem einzigen europäischen Jet. Im Zentrum stand der New Generation Fighter (NGF), ein bemanntes Tarnkappenflugzeug, das als Gehirn eines umfassenderen Waffensystems der nächsten Generation fungieren und Schwärme von ferngesteuerten Trägerdrohnen durch eine sichere “Kampfwolke” lenken sollte.”

Nicht die Physik, sondern die Politik hat das Projekt zum Scheitern gebracht – ein Streit darüber, wer die Flugzeuge bauen und wer die Führung übernehmen sollte.

Kurzinfo

ProgrammFuture Combat Air System (FCAS / SCAF)
PartnerFrankreich, Deutschland, Spanien – Dassault, Airbus, Indra
Was ist zusammengebrochen?Der New Generation Fighter (NGF), das bemannte Herzstück
WannAnfang Juni 2026, rund um die ILA Berlin Luftfahrtmesse
Geschätzte KostenMehr als 100 Milliarden Euro
Sollte ersetzenRafale und Eurofighter, ab etwa 2040
KnackpunktArbeitsteilung und Designführung – Dassault strebte Berichten zufolge bis zu ~80% an.

Ein Modell, das die Zukunft versprach

Als das maßstabsgetreue NGF-Modell auf dem Stand von Airbus und Dassault auf der Pariser Luftfahrtschau 2019 enthüllt wurde, wirkte es wie Europas Antwort auf die amerikanischen und chinesischen Ambitionen für Kampfflugzeuge der sechsten Generation: eine schwanzlose, kantige Form, die Tarnkappenfähigkeit, Überschallgeschwindigkeit und ein gewisses Maß an KI-gestützter Autonomie versprach. FCAS war nie nur als Kampfflugzeug konzipiert. Es war ein “System von Systemen”, das den Jet, seine Drohnenbegleitung und ein kontinentales Datennetzwerk zu einem Ganzen verband.

Die politische Logik war ebenso gewaltig. Frankreich und Deutschland, die beiden führenden Luft- und Raumfahrtnationen Europas, würden ihre Industrien bündeln; Spanien käme als dritter Partner hinzu. Gemeinsam würden sie die Rafale und den Eurofighter ab etwa 2040 außer Dienst stellen und Europa von der Abhängigkeit von den amerikanischen Kampfflugzeugen befreien. F-35. Das war der Traum. Die Realität drang nie aus dem Konferenzraum hinaus.

Dassault Rafale im Flug
Frankreichs Rafale – einer der Kampfjets, die FCAS ab etwa 2040 ersetzen sollte. Foto: Wikimedia Commons

Der Krieg um den “besten Athleten”

Der Streit entbrannte um Arbeitsteilung und Führung. Dassaults Vorstandsvorsitzender Éric Trappier argumentierte, die Designverantwortung solle dem “besten Athleten” zustehen – gemeint war damit Dassault, das Unternehmen mit jahrzehntelanger Erfahrung im Bau der Rafale. Berichten zufolge beanspruchte Dassault bis 2025 bis zu 801.030 Tonnen der Entwicklungsarbeit für den Kampfjet, was nahezu die gesamte Kernentwicklungsverantwortung in Frankreich konzentriert hätte.

Airbus, der für die deutsche und spanische Industrie sprach, lehnte ab. Trappier beharrte darauf, dass eine Struktur mit “gemeinsamen Führungskräften” nicht funktionieren könne und Frankreich von Anfang an die Führungsrolle zugesichert worden sei; Berlin sah darin den Versuch, seine Ingenieure zu Subunternehmern zu degradieren. Trappier warf Airbus öffentlich eine “aggressive” Haltung vor, und der verbale Schlagabtausch trug sich bis in die Fachpresse aus. Ein Programm, das die europäische Einheit symbolisieren sollte, war zum Sinnbild ihrer Dysfunktionalität geworden.

Was stirbt – und was überlebt

Letztendlich scheiterte das Kampfflugzeug selbst. Rund um die ILA Berlin Anfang Juni 2026 bestätigten die deutsche und die französische Regierung, dass das Projekt „Kampfflugzeug der nächsten Generation“ nicht als Gemeinschaftsprojekt weitergeführt wird. Berichten zufolge könnten die beiden Länder die Zusammenarbeit in den weniger umstrittenen Bereichen – der Kampfwolke und den ferngesteuerten Trägerdrohnen – im Rahmen einer umstrukturierten Initiative, die weiterhin den Namen FCAS trägt, fortsetzen. Der bemannte Kampfjet, der eigentliche Kern des Projekts, ist Geschichte.

Der strategische Zeitpunkt ist verheerend. Jenseits des Ärmelkanals hat die GCAP-Koalition – bestehend aus Großbritannien, Italien und Japan, die sich um das Tempest-Konzept gebildet hat – ihre Arbeit fortgesetzt und erste Verträge unterzeichnet. Jenseits des Atlantiks haben die Vereinigten Staaten Boeings F-47 zu ihrem Kampfflugzeug der nächsten Generation ernannt. Airbus, plötzlich ohne Kampfflugzeug in der Hinterhand, hat die Gründung einer neuen “Team Gen 6”-Koalition ins Gespräch gebracht, um die europäischen Ambitionen zu retten. Europa hat nun zwei rivalisierende Lager, wo es einst nur eines versprochen hatte.

RAF Eurofighter Typhoon im Flug
Deutschlands Eurofighter Typhoon wird, modernisiert, auch in den 2040er-Jahren im Einsatz bleiben. Foto: Wikimedia Commons

Für die Luftstreitkräfte sind die Folgen einfach und kostspielig. Rafale und Eurofighter – also genau jene Flugzeuge, die FCAS ersetzen sollte – werden noch eine weitere Generation fliegen und immer wieder modernisiert werden, da kein Nachfolger bereitsteht. Europa wollte einen gemeinsamen Kampfjet, der seine stolzesten Ingenieursnationen vereint. Stattdessen hat es nun ein abgebrochenes Programm und eine bittere Lektion gelernt: Die größte Herausforderung beim Bau eines Kampfjets der sechsten Generation war nie die Technologie.

Quellen: Breaking Defense; FlightGlobal; Defense News; Aviation Week; Wikipedia.

Verwandte Fragen

Warum wurde das FCAS-Programm eingestellt?

FCAS scheiterte nicht an technologischen, sondern an politischen Differenzen. Frankreich und Deutschland konnten sich nicht auf die Aufteilung der industriellen Aufgaben und die Führungsrolle bei der Entwicklung des Kampfflugzeugs der nächsten Generation einigen. Dassault forderte Berichten zufolge bis zu 801 TP3T der Arbeiten und bestand darauf, dass Frankreich die Führung übernehmen sollte, während Airbus – als Vertreter der deutschen und spanischen Industrie – die Kontrolle nicht abgeben wollte. Der Streit verschärfte sich, bis die Partner das Kampfflugzeugprojekt im Juni 2026 beendeten.

Was ist das Future Combat Air System?

FCAS, in Frankreich als SCAF bekannt, war ein europäisches Systemverbundprojekt unter der Führung von Frankreich, Deutschland und Spanien. Kernstück war der New Generation Fighter, ein bemannter Tarnkappenjet der sechsten Generation, der als Kommandozentrale für ferngesteuerte Trägerdrohnen in einer sicheren "Kampfwolke" fungieren sollte. Er war als Ersatz für Rafale und Eurofighter ab etwa 2040 vorgesehen.

Welche Länder waren Teil des FCAS?

Drei Nationen – Frankreich, Deutschland und Spanien – waren beteiligt, mit Dassault Aviation (Frankreich), Airbus (Deutschland und Spanien) und Indra (Spanien) als wichtigsten Industriepartnern. Das Programm wurde mitunter als deutsch-französisch-spanisch bezeichnet, wobei Frankreich und Deutschland die dominierenden Akteure waren.

Was wird nun die Rafale und den Eurofighter ersetzen?

Nach der Einstellung des New Generation Fighter-Programms werden die Rafale und der Eurofighter Typhoon modernisiert und bis weit in die 2040er-Jahre im Einsatz bleiben. Europa verfügt mit GCAP, unter der Führung Großbritanniens, Italiens und Japans, noch über ein aktives Programm für einen Kampfjet der sechsten Generation, und Airbus hat eine neue Koalition zur Entwicklung eines zukünftigen Kampfjets vorgeschlagen.

Was ist GCAP und wie unterscheidet es sich von FCAS?

Das GCAP (Global Combat Air Programme) ist ein eigenständiges Kampfflugzeugprojekt der sechsten Generation, das von Großbritannien, Italien und Japan gemeinsam entwickelt wird und auf dem britisch geführten Tempest-Konzept basiert. Im Gegensatz zum FCAS konnte das GCAP bisher die Führungsblockade vermeiden, die das deutsch-französische Kampfflugzeugprojekt zum Scheitern brachte, und hat bereits erste Entwicklungsverträge unterzeichnet.

Ist das gesamte FCAS-Programm gescheitert?

Nicht ganz. Der bemannte Kampfjet der neuen Generation – das Herzstück des Projekts – wurde eingestellt. Berichten zufolge könnten die Arbeiten an der Kampf-Cloud und den ferngesteuerten Trägerdrohnen im Rahmen einer umstrukturierten deutsch-französischen Initiative unter dem Namen FCAS fortgesetzt werden, doch der gemeinsame Kampfjet der sechsten Generation selbst ist fertiggestellt.

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