Der sowjetische Bomber, der die CIA täuschte

von | 24. Juli 2026 | Geschichte & Legenden, Militärische Luftfahrt | 0 Kommentare

Am 9. Juli 1961 donnerte ein riesiger vierstrahliger Jet, begleitet von zwei MiG-21, über den Flugplatz Tuschino bei Moskau. Westliche Beobachter reckten die Hälse und zückten ihre Notizbücher. Hier schien der Beweis erbracht: Die Sowjetunion hatte einen Überschall-Interkontinentalbomber gebaut, der es mit jedem amerikanischen Flugzeug aufnehmen konnte.

Sie irrten sich in fast jeder Hinsicht. Die Mjasischtschew M-50 – bald darauf unter dem NATO-Namen Bounder bekannt – erreichte nicht einmal Schallgeschwindigkeit. Dieser Überflug wäre beinahe ihr letzter gewesen.

Kurzinfo

  • Flugzeug: Myasishchev M-50 (NATO: Bounder), Prototyp eines strategischen Bombers
  • Layout: Verkürzter Deltaflügel; vier Turbojets – zwei unter den Tragflächen, zwei an den Flügelspitzen
  • Erster Flug: 27. Oktober 1959; erstmals 1958 von westlichen Geheimdiensten gesichtet.
  • Öffentlicher Auftritt: Tag der Luftfahrt in Tuschino, 9. Juli 1961, eskortiert von zwei MiG-21
  • Tatsächliche Höchstgeschwindigkeit: Etwa Mach 0,99 – es erreichte nie Überschallgeschwindigkeit.
  • Schicksal: Annulliert; ein einzelnes Flugzeugwrack ist in Monino erhalten geblieben.

Errichtet, um den Westen zu erschrecken

Die M-50 war Wladimir Mjasischtschews Entwurf für einen Überschallbomber, der Ozeane überqueren und die Vereinigten Staaten angreifen konnte. Ihr Deltaflügel trug vier Triebwerke in einer ungewöhnlichen Anordnung – zwei unter dem Flügel, zwei direkt an den Flügelspitzen. Auf dem Papier sah sie aus wie die Zukunft.

In der Praxis war das Flugzeug deutlich untermotorisiert. Die benötigten Triebwerke wurden nie geliefert, und die Flugzeugzelle erreichte selbst im Sturzflug keine Geschwindigkeit über Mach 1. Nach etwa 19 Flügen war das Programm faktisch beendet – doch die Sowjets hatten noch eine weitere Verwendung dafür.

Flügelspitzen-Triebwerksgehäuse des M-50 Bounder
Zwei der vier Triebwerke hingen an den Flügelspitzen. Die Anordnung wirkte radikal und funktionierte schlecht. Foto: Clemens Vasters / CC BY 2.0

Die Parade, die die Analysten täuschte

Mitte 1961 waren das Konstruktionsbüro und sein Bomber bereits stillgelegt. Dennoch entschied man sich, die M-50 als Machtdemonstration bei der Luftparade in Tuschino vorzuführen. Sie hob ein letztes Mal ab, rauchig, und die Wirkung auf den westlichen Geheimdienst war sofort spürbar.

“Zweifellos der wichtigste der zehn oder mehr neuen Entwürfe, die auf der jüngsten Moskauer Luftfahrtschau gezeigt wurden.”
Magazin der US-Luftwaffe – August 1961, auf der Bounder

Die amerikanischen Schätzungen waren völlig übertrieben. Das Magazin der US-Luftwaffe gab die Länge mit 61 Metern, das Gewicht mit 181 Tonnen und die Geschwindigkeit mit Mach 1,7 an. Tatsächlich handelte es sich um ein 58 Meter langes Flugzeug mit einem Gewicht von etwa 118 Tonnen, dessen Höchstgeschwindigkeit unter Mach 1 lag. Die CIA schrieb ihm eine Reichweite von 2.400 Kilometern zu; der tatsächliche Wert lag eher bei 1.400 Kilometern. Fast alle veröffentlichten Zahlen waren zu hoch.

Myasishchev M-50 Bounder Seitenansicht
Der Bounder, der westliche Planer so beunruhigte, war ein Einzelstück, das seine geschätzte Leistung nie erreichte. CC BY-SA 3.0

Ein Prototyp, keine Bedrohung

Die Verwirrung hatte schon früher begonnen. Im Dezember 1958 veröffentlichte die Zeitschrift Aviation Week einen Artikel, in dem behauptet wurde, die Sowjets würden einen atomgetriebenen Bomber testen; die dazugehörige Abbildung zeigte jedoch tatsächlich die M-50. Die Bounder war zu einem Phantom geworden – ein einzelnes Versuchsflugzeug, das durch die Ängste des Kalten Krieges zu einer Flotte aufgebauscht wurde, die nie existiert hatte.

“Ein eklatantes Versagen, das ein beschämendes Unverständnis für die Probleme des Hochgeschwindigkeitsfluges offenbarte.”
Ein späterer Kommentator — im M-50-Programm

Die Sowjetunion setzte letztlich auf Interkontinentalraketen, nicht auf Überschallbomber. Die M-50 wurde in das Museum in Monino überführt, wo sie noch heute steht – der einzige Überlebende eines Flugzeugs, das den Westen weit mehr erschreckte, als es je verdient hätte.

Quellen: GlobalSecurity.org (Western Views, CIA- und NIE-Schätzungen); Air Force Magazine, August 1961; Old Machine Press; Wikipedia.

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