Südkorea stellt einen luftgestützten Hyperschall-Schiffskiller vor

von | 23. Juni 2026 | Militärische Luftfahrt, Nachricht | 0 Kommentare

Südkorea hat die Welt aufgerüttelt. In einem professionell produzierten Video, das im Februar 2026 veröffentlicht wurde, präsentierte der Rüstungs- und Eisenbahnkonzern Hyundai Rotem das Konzept eines luftgestützten Hyperschall-Anti-Schiffs-Marschflugkörpers. Dieser basiert auf derselben Staustrahltriebwerkstechnologie wie das landgestützte "Hycore"-Programm des Landes. Die Botschaft war unmissverständlich: eine Waffe der Flugzeugträger-Klasse, abgeworfen von einem Kampfjet, die mit über Mach 5 auf ein Kriegsschiff zurast.

Doch genau hier liegt der Punkt, den die reißerischen Schlagzeilen auslassen. Hyundai Rotem präsentierte lediglich ein Konzept – eine Mischung aus realen Testaufnahmen und digitaler Animation. Ein Flugtest der luftgestützten Variante stand noch aus. Was jedoch real und verifiziert ist, ist die zugrundeliegende Technologie. Und die ist beeindruckend genug.

Kurzinfo

EnthülltKonzept für einen luftgestützten Hyperschall-Anti-Schiffs-Marschflugkörper (Hyundai Rotem)
WannVideo veröffentlicht im Februar 2026
StatusKonzept-/Animationspräsentation – kein Flugtest der luftgestützten Variante
Zugrundeliegende Technologie“Hycore”-Staustrahltriebwerk; überschritt Mach 6 in einem Test im Jahr 2024
Wahrscheinliche PlattformenF-15K heute; KF-21 Boramae in der Zukunft
Ziel der Massenproduktion~2035 (Hyundai Rotem-Bewertung)

Was Südkorea tatsächlich enthüllte

Die Präsentation erfolgte in Form eines Videos, das zuerst online veröffentlicht wurde und eine elegante Rakete zeigte, die sich von einem Flugzeug trennte, eine Boosterstufe zündete und auf ein Überwasserschiff zuraste. Laut Army Recognition stellte das Video keinen tatsächlichen Raketenstart dar, sondern präsentierte eine konzeptionelle Visualisierung der luftgestützten Variante. Es handelte sich also um eine Simulation, nicht um einen Test.

Die luftgestützte Rakete wird als eine eigenständige Konfiguration beschrieben, die vom bodengestützten Hycore-System abgeleitet ist. Berichten zufolge verzichtet die luftgestützte Version auf die Zwischenstufe der bodengestützten Version, verwendet stattdessen eine für den Luftstart optimierte einzelne Boosterstufe und erhält größere Tragflächen für den Langstreckenflug, sobald das Staustrahltriebwerk übernimmt.

KF-21 Luft-Boden-Bewaffnung
Die KF-21 in einer Luft-Boden-Konfiguration; zukünftige luftgestützte Hyperschallwaffen würden ihre Reichweite vergrößern. (Abbildung illustrativ – nicht die Hyperschallrakete.) Foto: Wikimedia Commons

Südkoreas Vorstoß im Bereich der Hyperschall-Marschflugkörper, erklärt.

Der eigentliche Motor: "Hycore""

Lässt man die Animationen beiseite, gelangt man zum wirklich schwierigen – und zugleich gesicherten – Teil. Hycore ist ein seit 2018 von Hyundai Rotem und der staatlichen Agentur für Verteidigungsentwicklung (ADD) entwickeltes, mit Staustrahltriebwerk angetriebenes Flugkörper, wobei Hanwha Aerospace seine Antriebsexpertise beisteuert. Es bildet das technologische Rückgrat der gesamten Raketenfamilie.

Laut der Korea Times überschritt Hycore bei einem Teststart im Jahr 2024 Mach 6 – etwa 7.340 km/h – in einer Höhe von 23 Kilometern. Dieser Flug bestätigte die Antriebs- und Wärmemanagementsysteme, die einen dauerhaften Hyperschallflug ermöglichen.

Die Scramjets sind der Grund, warum das so wichtig ist. Anstatt einer vorhersehbaren ballistischen Flugbahn zu folgen, atmet ein Scramjet-getriebener Marschflugkörper Luft ein und manövriert mit Geschwindigkeiten über Mach 5 tief in der Atmosphäre – wodurch die Reaktionszeit des Verteidigers auf Sekundenbruchteile verkürzt und das Abfangen erschwert wird. Genau das ist der Sinn eines Flugzeugträgerkillers.

“Solche Waffen würden es Südkorea ermöglichen, wichtige nordkoreanische Einrichtungen sehr schnell und effizient anzugreifen. Die Weiterentwicklung von Hyperschallwaffen ist auch notwendig, um die Abschreckung über Nordkorea hinaus auszuweiten.”
Yang Uk — Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Asan Institute for Policy Studies (via The Korea Times)

Warum Seoul einen von Kampfflugzeugen gestarteten Hyperschallschlag will

Die strategische Logik ist regional und eindeutig. China verfügt über ballistische Anti-Schiff-Raketen und entwickelt Hyperschallgleiter. Russland hat die Zircon einsatzbereit gemacht. Nordkorea erklärte Hyperschalltechnologie bereits 2021 zu einer nationalen Priorität und führt seither Testflüge durch. Südkorea will nicht außen vor bleiben.

Eine luftgestützte Variante ist die flexible Lösung. Unter einem Kampfjet befestigt, erweitert sie die Reichweite weit über feste Startplätze hinaus und ermöglicht es Seoul, maritime Schlagkraft in umkämpfte Gewässer zu projizieren. Berichten zufolge dient die F-15K kurzfristig als Träger und die einheimische KF-21 Boramae als zukünftige Plattform – derselbe Kampfjet, den Südkorea bereits für ein wachsendes Luft-Boden-Arsenal vorbereitet.

Ein Realitätscheck zum Zeitplan

Nun die Ernüchterung. Laut einem Bericht der Korea Times geht Hyundai Rotem intern davon aus, dass die Serienproduktion erst um 2035 anlaufen wird – nicht schon nächstes Jahr. ADD sprach davon, die verbleibenden technischen Aufgaben gegen Ende des Jahrzehnts abzuschließen und das System Anfang bis Mitte der 2030er-Jahre einzusetzen. Eine Analyse vom März 2026 warnte davor, dass die volle Produktionskapazität realistischerweise erst Mitte der 2040er-Jahre erreicht werden könnte.

Die angegebenen Leistungsdaten – Mach 6 und mehr, eine Gesamtreichweite von rund 800 km im kombinierten Marsch- und Gleitflug – stammen aus der Programmdokumentation und sind als Zielvorgaben, nicht als zertifizierte Ergebnisse zu verstehen. Hycore hat Mach 6 bereits erreicht und überschritten; die bewaffnete, luftgestützte Anti-Schiff-Rakete hingegen nicht.

Die ehrliche Schlussfolgerung: Südkorea hat die wirklich schwierige Schwelle der Antriebstechnik überschritten und macht nun deutlich, wohin es diese Technologie entwickeln will. Die Animation ist eine Absichtserklärung. Der Mach-6-Flug ist der Beweis. Die Entwicklung beider Systeme zu einem einsatzfähigen, von Kampfflugzeugen gestarteten Flugzeugträgerkiller ist eine jahrzehntelange Aufgabe, die jetzt beginnt.

Quellen: Army Recognition (Februar 2026); The Korea Times (März 2026); The War Zone; Aviation Week; Seoul Economic Daily.

Verwandte Fragen

Was hat Südkorea mit seiner Hyperschallrakete enthüllt?

Der südkoreanische Rüstungs- und Schienenfahrzeugkonzern Hyundai Rotem veröffentlichte im Februar 2026 ein Video, das ein Konzept für einen luftgestützten Hyperschall-Anti-Schiffs-Marschflugkörper vorstellte. Dieser basiert auf derselben Staustrahltriebwerkstechnologie wie das landgestützte 'Hycore'-Programm des Landes. Bei der Präsentation handelte es sich um eine Konzeptanimation, nicht um einen Flugtest der luftgestützten Variante.

Was ist eine Hyperschallrakete?

Eine Hyperschallrakete erreicht mehr als die fünffache Schallgeschwindigkeit (über Mach 5) und fliegt dabei oft Manöver, was das Abfangen extrem erschwert. Einige nutzen Staustrahltriebwerke, die Luft mit hoher Geschwindigkeit verbrennen, um einen anhaltenden Flug zu ermöglichen. Südkoreas Hycore-Staustrahltriebwerk soll bei einem Test im Jahr 2024 Mach 6 überschritten haben; dies bildet die Grundlage für die geplante Entwicklung des Hyperschallantriebs. luftgestützte Hyperschallwaffen.

Was ist ein Staustrahltriebwerk?

Ein Scramjet (Überschall-Staustrahltriebwerk) ist ein Strahltriebwerk ohne beweglichen Verdichter, das die einströmende Luft mithilfe der hohen Geschwindigkeit des Fahrzeugs verdichtet und den Treibstoff in einem Überschallluftstrom verbrennt. Scramjets funktionieren nur bei bereits sehr hoher Geschwindigkeit und benötigen daher einen Booster zum Anfahren. Das südkoreanische Hycore-Scramjet soll Berichten zufolge bei einem Test im Jahr 2024 Mach 6 überschritten haben.

Welches Flugzeug würde Südkoreas Hyperschallrakete transportieren?

Hyundai Rotems Konzept legt nahe, dass die Rakete heute von der F-15K und zukünftig vom einheimischen KF-21 Boramae – Südkoreas eigenem Kampfflugzeug der 4,5. Generation – getragen werden könnte. Das Unternehmen geht von einer Serienproduktion um das Jahr 2035 aus, sodass eine operative luftgestützte Startfähigkeit noch Jahre entfernt wäre.

Ist Südkoreas luftgestützte Hyperschallrakete einsatzbereit?

Nein. Die Präsentation im Februar 2026 war eine Konzeptanimation, kein realer Start der luftgestützten Version. Obwohl der zugrundeliegende Hycore-Staustrahltriebwerk Berichten zufolge bei einem Boden- oder Flugtest im Jahr 2024 Mach 6 überschritten hat, geht Hyundai Rotem selbst von einer Serienproduktion um das Jahr 2035 aus. Das bedeutet, dass die luftgestützte Anti-Schiff-Variante weiterhin ein Entwicklungsziel und keine einsatzfähige Waffe ist.

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