Die geheime Sprache der Start- und Landebahnmarkierungen – Ein Leitfaden für Piloten

von | 16. Mai 2026 | Luftfahrtwelt | 0 Kommentare

Jede Start- und Landebahn eines Verkehrsflughafens ist mit weißer Farbe markiert – Streifen, Zahlen, Rechtecke, Pfeile und Winkel, die aus dem Passagierfenster abstrakt wirken, für Piloten aber eine präzise Bedeutung haben. Diese Markierungen sind nicht dekorativ. Jede einzelne vermittelt spezifische Informationen darüber, wo gelandet werden soll, wo die nutzbare Landebahn beginnt und endet und welche Anflugverfahren die jeweilige Bahn zulässt. Sie falsch zu interpretieren oder gar nicht zu verstehen, kann bedeuten, dass man am falschen Ort aufsetzt, was wiederum dazu führen kann, dass die Landebahn zum Bremsen nicht ausreicht.

Das System ist weltweit durch ICAO Annex 14 und in den USA durch die FAA Advisory Circular 150/5340-1 standardisiert. Während Piloten im Training Stunden damit verbringen, diese Markierungen zu studieren, wissen die meisten Passagiere und Luftfahrtbegeisterten nicht, was sie da sehen. Dieser Leitfaden erklärt alle wichtigen Markierungen auf einer Start- und Landebahn, von den Zahlen an der Schwelle bis zu den Chevron-Markierungen am Ende.

Kurzinfo

  • Die Startbahnnummern geben die magnetische Richtung an, gerundet auf die nächsten 10 Grad, geteilt durch 10.
  • Die Start- und Landebahnmarkierungen sind weiß; die Rollwegmarkierungen sind gelb.
  • Es gibt drei Stufen der Start- und Landebahnmarkierung: visuelle, nicht präzise und präzise.
  • Die Schwellenmarkierungen kodieren die Breite der Start- und Landebahn (4 Streifen = 60 Fuß, 16 Streifen = 200 Fuß).
  • Die Zielmarkierungen befinden sich etwa 1.000 Fuß von der Schwelle entfernt.

Die Zahlen: Magnetische Überschriften leicht gemacht

Die großen Ziffern an jedem Ende der Start- und Landebahn sind die einfachste und am besten erkennbare Markierung. Sie geben die magnetische Richtung der Start- und Landebahn an, gerundet auf die nächsten zehn Grad und durch zehn geteilt. Eine Start- und Landebahn mit einer magnetischen Richtung von 092 Grad, die ungefähr nach Osten ausgerichtet ist, wird zur Start- und Landebahn 09. Das gegenüberliegende Ende, das nach Westen in Richtung 272 Grad zeigt, ist die Start- und Landebahn 27. Die beiden Zahlen an den gegenüberliegenden Enden unterscheiden sich immer genau um 18, da die beiden Richtungen 180 Grad voneinander entfernt sind.

Auf Flughäfen mit parallelen Start- und Landebahnen werden diese durch einen Buchstabenzusatz unterschieden: L für links, C für Mitte und R für rechts, aus der Perspektive des anfliegenden Piloten. Der internationale Flughafen Los Angeles (LAX) verfügt über vier parallele Start- und Landebahnen mit den Bezeichnungen 24L, 24R, 25L und 25R – der geringfügige Richtungsunterschied zwischen den Bahnpaaren spiegelt eine leichte Abweichung in ihrer Ausrichtung wider.

Auf den Asphalt gemalte Startbahnnummern
Landebahnbezeichnungen geben die magnetische Richtung an. Diese einfachen Ziffern sind die erste Information, die ein Pilot im Anflug liest. Foto: Wikimedia Commons

Schwellenmarkierungen: Wo die Start- und Landebahn beginnt

Die Landebahnschwelle ist durch eine Reihe von Längsstreifen markiert – die markanten weißen Balken, die sich über die gesamte Landebahnbreite erstrecken. Diese Markierungen sind nicht willkürlich. Die Anzahl der Streifen gibt die Landebahnbreite an: vier Streifen für eine 18 Meter breite Landebahn, acht für 30 Meter, zwölf für 45 Meter und sechzehn für 60 Meter. Ein Pilot, der einen unbekannten Flughafen anfliegt, kann die Landebahnbreite anhand des Schwellenmusters auf einen Blick erkennen – eine nützliche Information zur Beurteilung der Abfanghöhe und der Seitenwindkorrektur.

Unmittelbar vor den Schwellenstreifen verläuft eine durchgezogene Linie über die gesamte Breite der Landebahn. Diese Schwellenlinie markiert den exakten Beginn der nutzbaren Landefläche. Alles vor dieser Linie – einschließlich der Anflug-Sprengflächen – ist nicht für die Landung zugelassen, selbst wenn es wie einwandfreier Belag aussieht.

Diagramm der Startbahnschwellenmarkierungen
Diagramm der Startbahnschwellenmarkierungen. Die Anzahl der Streifen gibt die Startbahnbreite an, der durchgezogene Balken markiert den Beginn der nutzbaren Landefläche. Bild: Wikimedia Commons

Zielpunkt und Landezone

Die beiden großen, rechteckigen Blöcke, die etwa 300 Meter von der Landebahnschwelle entfernt aufgemalt sind, markieren die Anflugpunkte – auch "300-Meter-Markierungen” genannt. (Die Bezeichnung “Klaviertasten” bezieht sich eigentlich auf die gestreiften Schwellenmarkierungen am Anfang der Landebahn.) Diese Markierungen sollte der Pilot bei einem normalen Anflug anvisieren. Nicht die Schwelle und nicht weiter hinten auf der Landebahn – sondern genau diese Rechtecke. Durch das Aufsetzen am Anflugpunkt wird sichergestellt, dass das Flugzeug die Landebahn effizient nutzt und den Schwellenbereich nicht berührt.

Hinter dem Anflugpunkt befinden sich Markierungen der Aufsetzzone in Form von jeweils zwei rechteckigen Balken im Abstand von 150 Metern. Diese erfüllen einen doppelten Zweck: Sie bestätigen den Abstand zur Landebahnschwelle während des Ausrollens und dienen als visuelle Orientierungshilfe bei eingeschränkter Sicht. Auf Präzisionslandebahnen gibt es typischerweise sechs Paare von Aufsetzzonenmarkierungen, die die ersten 900 Meter der Landebahn abdecken – den Bereich, in dem ein korrekt geflogener Anflug zum Aufsetzen der Räder führen sollte.

Markierungen der Landebahn-Aufsetzzone am Flughafen Lissabon
Präzise Landebahnmarkierungen am Flughafen Lissabon zeigen die Mittellinie, die Zielpunkt-Rechtecke und die Aufsetzzonenbalken. Foto: Wikimedia Commons

Versetzte Schwellenwerte und Chevrons

Manchmal beginnt die nutzbare Landezone nicht am physischen Anfang der Start- und Landebahn. Eine versetzte Landebahnschwelle – gekennzeichnet durch weiße Pfeile in Landerichtung – bedeutet, dass der Anfangsbereich der Landebahn zum Rollen, Starten und Ausrollen, aber nicht zur Landung zur Verfügung steht. Versetzungen entstehen typischerweise durch Hindernisse im Anflugweg, wie Gebäude, Gelände oder Straßen, die einen steileren Gleitflug als die üblichen drei Grad erfordern.

Chevron-Markierungen – gelbe oder weiße, schräge Pfeile – kennzeichnen Bereiche jenseits des Start- und Landebahnendes, die für den Flugbetrieb gesperrt sind. Diese Auslaufzonen oder Sicherheitsbereiche sehen zwar aus wie Start- und Landebahnbelag, sind aber nicht für die Belastung durch Flugzeuge im Normalbetrieb ausgelegt und dienen ausschließlich als Sicherheitsüberrollzonen. Die visuelle Unterscheidung zwischen Chevron-Markierungen, versetzten Schwellen und aktiver Start- und Landebahn ist entscheidend und wird in der Pilotenausbildung und bei Prüfungsflügen wiederholt geprüft.

“Die Prüfer für Instrumentenflugprüfungen bitten Kandidaten häufig, die Markierungen zu erklären, die sie während eines Anflugs sehen – und berichten, dass überraschend viele Piloten mit wenig Flugerfahrung eine verschobene Landeschwelle nicht von einem Zielpunkt unterscheiden können. Diese Markierungen existieren, weil Piloten oft genug am falschen Ort gelandet sind, um sie zu benötigen.”
Eine häufige Beobachtung unter Flugprüfern und Fluglehrern

Die Mittellinien- und Randstreifen

Die gestrichelte weiße Mittellinie, die sich über die gesamte Länge der Start- und Landebahn erstreckt, dient der seitlichen Führung beim Start, der Landung und dem Ausrollen. Jeder Strich ist 120 Fuß lang und hat einen Abstand von 80 Fuß – eine Information, die beim Ausrollen hilfreich ist, um die Entfernung abzuschätzen. Zählt ein Pilot drei Mittellinienstriche unter dem Flugzeug, hat er etwa 600 Fuß zurückgelegt.

Randstreifen sind durchgehende weiße Linien, die die seitlichen Begrenzungen der befestigten Fahrbahn markieren. Auf Präzisionslandebahnen sind diese Streifen vorgeschrieben und bieten bei schlechten Sichtverhältnissen eine wichtige Orientierungshilfe. Der Übergang von weißen Randstreifen (Landebahn) zu gelben Randmarkierungen (Rollweg) ist eine der deutlichsten visuellen Grenzen an jedem Flughafen – und das Überfahren dieser Grenze mit Landegeschwindigkeit anstatt mit Rollgeschwindigkeit ist genau die Art von Fehler, die die Startbahnmarkierungen verhindern sollen.

Das gesamte System – Zahlen, Schwellenwerte, Ansteuerpunkte, Aufsetzzonen, Mittellinien und Chevron-Markierungen – liefert dem Piloten kontinuierlich visuelle Informationen, vom Moment der Landung bis zum endgültigen Ausrollen. Es ist eine in Farbe geschriebene Sprache, und für die Piloten, die sie täglich lesen, ist sie so selbstverständlich und unverzichtbar wie jedes andere Instrument im Cockpit.

Quellen: FAA Advisory Circular 150/5340-1 (Standards for Airport Markings), ICAO Annex 14 (Aerodromes), Pilot's Handbook of Aeronautical Knowledge (FAA-H-8083-25B)

Verwandte Fragen

Was bedeuten die Zahlen auf einer Start- und Landebahn?

Die Startbahnnummern geben die magnetische Ausrichtung der Start- und Landebahn an, gerundet auf die nächsten zehn Grad und durch zehn geteilt. Eine Start- und Landebahn mit einer magnetischen Ausrichtung von 092 Grad erhält die Bezeichnung "Start- und Landebahn 09". Die beiden an gegenüberliegenden Enden derselben Start- und Landebahn angebrachten Nummern unterscheiden sich immer um genau 18, da die Richtungen 180 Grad voneinander entfernt sind.

Was bedeuten die Buchstaben L, C und R nach einer Startbahnnummer?

Bei Flughäfen mit parallelen Start- und Landebahnen werden diese aus Sicht des anfliegenden Piloten durch einen Buchstabenzusatz unterschieden: L für links, C für Mitte und R für rechts. Der internationale Flughafen Los Angeles beispielsweise verfügt über vier parallele Start- und Landebahnen mit den Bezeichnungen 24L, 24R, 25L und 25R. Der geringfügige Unterschied in der Nummerierung weist auf eine leichte Abweichung in der Ausrichtung hin.

Wie kann man anhand der Markierungen die Breite einer Start- und Landebahn bestimmen?

Die Anzahl der Schwellenstreifen gibt die Breite der Landebahn an: vier Streifen für eine 18 Meter lange Landebahn, acht für 30 Meter, zwölf für 45 Meter und sechzehn für 60 Meter. Ein Pilot, der sich einem unbekannten Flugplatz nähert, kann die Breite auf einen Blick einschätzen, was die Einstellung der Abfanghöhe und die Korrektur des Seitenwinds erleichtert.

Was sind die "Klaviertasten" auf einer Start- und Landebahn?

Die markanten weißen Längsstreifen entlang der Landebahnschwelle, die den Beginn der nutzbaren Landefläche markieren, werden als "Klaviertasten" bezeichnet. Sie werden oft mit den Zielpunktrechtecken weiter hinten auf der Landebahn verwechselt, aber die Bezeichnung „Klaviertasten“ bezieht sich speziell auf diese gestreiften Schwellenmarkierungen.

Was ist der Zielpunkt auf einer Start- und Landebahn?

Der Anflugpunkt sind die beiden großen rechteckigen Blöcke, die etwa 1.000 Fuß von der Schwelle entfernt aufgemalt sind und auch als "Tausend-Fuß-Markierungen" bezeichnet werden. Piloten peilen bei einem normalen Anflug diese Rechtecke an, anstatt die Schwelle oder ein weiteres Stück der Landebahn, damit das Flugzeug die verfügbare Landebahnfläche effizient nutzt und gleichzeitig die Schwelle nicht berührt.

Welche Farbe haben die Startbahnmarkierungen?

Die Start- und Landebahnmarkierungen sind weiß, die Rollwegmarkierungen gelb. Das System ist weltweit durch ICAO Annex 14 standardisiert, wobei die US-amerikanischen Spezifikationen durch die FAA-Richtlinien festgelegt sind. Es gibt drei Stufen der Start- und Landebahnmarkierung: Sichtmarkierung, Nichtpräzisionsanflug und Präzisionsanflug. Jede Stufe bietet zusätzliche Details für anspruchsvollere Anflüge.

Was sind Markierungen für die Landebahn-Aufsetzzone?

Die Markierungen der Aufsetzzone bestehen aus jeweils zwei rechteckigen Balken, die im Abstand von 500 Fuß hinter dem Zielpunkt angebracht sind. Sie bestätigen dem Piloten den Abstand zur Landebahnschwelle während des Ausrollens und dienen als visuelle Orientierungshilfe bei eingeschränkter Sicht. Fehlinterpretationen der Landebahnmarkierungen können zu Landefehlern führen, darunter … Landung am falschen Flughafen.

Warum studieren Piloten die Markierungen der Start- und Landebahn so genau?

Denn jede Markierung vermittelt präzise Betriebsinformationen: wo gelandet werden soll, wo die nutzbare Landebahn beginnt und endet und welche Anflugverfahren zulässig sind. Eine Fehlinterpretation kann bedeuten, dass man am falschen Ort aufsetzt und zu wenig Landebahn zum Bremsen übrig bleibt. Das Beherrschen dieser Markierungen ist daher ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung zum Piloten. erster Alleinflug.

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