Australien hat die Ghost Bat gebaut. Europa hat, wie sich herausstellt, die ganze Zeit im Stillen geholfen – und in Farnborough hat Boeing das endlich laut ausgesprochen.
Am 21. Juli bestätigte Glen Ferguson, globaler Programmdirektor des MQ-28-Programms, dass das italienische Unternehmen Leonardo offizieller Partner der MQ-28 Ghost Bat geworden ist, dem unbemannten Begleitdrohnenprojekt, das bemannte Kampfflugzeuge begleiten soll. Leonardo ist kein Neuling: Das Unternehmen arbeitet bereits seit acht Jahren mit dem Programm zusammen und liefert elektronische Systeme. Was sich in Farnborough geändert hat, ist die Formalität – und das Signal, das damit an einen europäischen Markt gesendet wird, der plötzlich nach Kampfdrohnen verlangt.
| Flugzeug | Boeing MQ-28 Ghost Bat (loyal-wingman CCA) |
| Nachricht | Leonardo als offizieller europäischer Partner bestätigt |
| Auch dabei | Eton (Nutzlastwerfer), Hensoldt (deutscher Markt) |
| Angekündigt von | Glen Ferguson, Globaler Programmdirektor MQ-28 |
| Wo | Farnborough Airshow, 21. Juli 2026 |
| Meilensteine | Mehr als 200 Flugstunden; 9 Einsätze bei Valiant Shield 26 |
Eine europäische Bank, nicht nur ein europäischer Lieferant
Leonardo war nicht der einzige Name auf der Präsentation. Auch Eton, Hersteller des Nutzlaststartsystems für das Flugzeug in ITAR- und Nicht-ITAR-Varianten, sowie das deutsche Unternehmen Hensoldt, speziell für den deutschen Markt, waren dabei. Ferguson erläuterte die Logik mit der Klarheit eines Strategen: Ziel ist es, innerhalb der Partnerunternehmen ein Kompetenzportfolio aufzubauen, sodass zukünftige Kunden auf ihre individuellen Anforderungen bereits zugreifen können und nicht erst in Jahren darauf zurückgreifen müssen.
Für einen Kontinent, der in den letzten zwei Jahren erfahren musste, wie schnell seine Munitionsvorräte zur Neige gehen, ist dieses Versprechen einer jederzeit verfügbaren, souveränen Einsatzfähigkeit das gesamte Verkaufsargument.

Das Flugzeug auf dem Ständer ist schon gestern gewesen.
Die in Farnborough stationierte Ghost Bat absolvierte ihren Erstflug vor fünf Jahren – sie war das zweite jemals gebaute Flugzeug und ist nun außer Dienst gestellt, da das Programm fortschreitet. Verglichen mit dem neuesten Modell hat sie eine um ein Viertel kleinere Tragfläche; neuere Jets gewinnen etwa 3,3 Meter Spannweite für mehr Treibstoff und Reichweite. Zukünftige Verbesserungen umfassen interne Waffenschächte (für zwei AMRAAMs oder vier Kleinbomben), eine modulare Nase, die mit wenigen Schrauben ausgetauscht werden kann, und Kommunikationsmöglichkeiten jenseits der Sichtlinie.
Reife statt Spektakel steht im Vordergrund. Die Ghost Bat hat im letzten Monat die 200-Flugstunden-Marke überschritten und neun Einsätze im Rahmen der US-geführten Übung Valiant Shield absolviert. Dabei benötigte sie keine feste Infrastruktur und konnte zwischen den Einsätzen in nur 19 Minuten zurückkehren. Boeing gibt an, dass die Flotte mittlerweile weit über 1.000 reale Flugstunden hätte erreichen können, doch die Simulation ist so präzise, dass Boeing die Ergebnisse validiert, anstatt sie zu beweisen.
Warum der treue Kumpel in Europa einkaufen ging
Das Ausstellungsflugzeug stand neben einer MBDA Meteor, der europäischen Luft-Luft-Rakete. Boeing gibt an, dass die Integration der Waffensysteme mit MBDA bereits läuft – möglicherweise wird die Validierung vollständig in Simulationen durchgeführt. Mit Leonardo, Hensoldt und einem Fokus auf den deutschen Markt wird die Strategie deutlich: Die Ghost Bat wird für europäische Käufer angepasst, die eine Drohne wünschen, die sie selbst mitbauen und steuern können.
Im Folgenden fliegen eine F-15EX der US Air Force und eine Ghost Bat gemeinsam über der Philippinensee während Valiant Shield – eine Vorschau auf die gemischten bemannten und unbemannten Formationen, zu denen Europa nun eingeladen wird.
Die lange Entwicklungszeit des Ghost Bat hat Kritik hervorgerufen. Doch mit der nun offiziell eingebundenen europäischen Industrie hat Boeing aus einem schleppend verlaufenden australischen Projekt ein Vorhaben mit eindeutig transatlantischer Zukunft entwickelt.
Quellen: Boeing-Briefing in Farnborough (21. Juli 2026); The Aviationist; Australian Aviation; Boeing-Medienraum.




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