Es war eine ruhige, klare Nacht über dem Indischen Ozean am 24. Juni 1982, als die Passagiere von British-Airways-Flug 9 etwas Seltsames bemerkten: ein Leuchten entlang der Tragflächen und Rauchwolken, die in die Kabine aufstiegen und nach Schwefel rochen. Vorne beobachtete die Besatzung, wie das Elmsfeuer über die Windschutzscheibe tanzte. Dann fielen nacheinander alle vier Triebwerke ihrer Boeing 747 aus.
Was folgte, wurde zu einer der größten fliegerischen Leistungen in der Geschichte der Luftfahrt – ein voll beladener Jumbo-Jet mit 263 Menschen an Bord, der lautlos und ohne jeglichen Antrieb durch die Dunkelheit glitt, und ein Kapitän, dessen ruhige Ansage bis heute unübertroffen ist.
Kurzinfo
| Flug | British Airways Flug 9 (“Speedbird 9”) |
| Datum | 24. Juni 1982 |
| Flugzeug | Boeing 747-236B, G-BDXH “City of Edinburgh” |
| An Bord | 263 Passagiere und Besatzungsmitglieder |
| Ursache | Vulkanasche vom Berg Galunggung, Indonesien |
| Das Gleiten | Von 37.000 Fuß hinunter auf 12.000 Fuß ohne Motoren |
| Ergebnis | Alle an Bord haben überlebt; Landung in Jakarta |
Die unsichtbare Wolke
Die 747 befand sich auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Perth in einer Reiseflughöhe von 37.000 Fuß. Was die Besatzung nicht sehen konnte – da trockene Vulkanasche auf dem Wetterradar nicht sichtbar ist – war der Ausbruch des Vulkans Galunggung südlich des Flugzeugs, der den Nachthimmel mit einer riesigen, scharfkantigen Wolke aus pulverisiertem Gestein füllte. Die 747 flog direkt hinein.
Die Asche sandstrahlte das Flugzeug, glühte in den Triebwerken und unterbrach deren Luftzufuhr. Triebwerk vier ruckelte und fiel zuerst aus. Dann zwei und drei. Schließlich auch eins. In 11.300 Metern Höhe war aus dem größten Passagierflugzeug der Welt der größte Segelflieger der Welt geworden.

In der Kabine griff Kapitän Eric Moody zum Lautsprecher und verkündete eine Nachricht, die aufgrund ihrer typisch britischen Untertreibung legendär geworden ist.
Die Geschichte des Galunggung-Gleiters.
Sechzehn Minuten Stille
Ohne Triebwerke konnte die 747 für jeden verlorenen Kilometer Höhe etwa 15 Kilometer gleiten. Das stellte die Besatzung vor ein grausam einfaches Problem: Entweder die Triebwerke wieder starten, bevor die Maschine an Höhe verlor, oder nachts im Meer notwassern. Immer und immer wieder übten sie das Wiederzünden der Triebwerke, während der Jet in der Dunkelheit sank.
Der Grund, warum es funktionierte, war derselbe, warum es zuvor versagt hatte. In den Triebwerken war die Asche zu Glas geschmolzen und hatte das Innere überzogen. Während die antriebslosen Triebwerke im langen Gleitflug abkühlten, riss dieses Glas und blätterte ab – und sobald das Flugzeug unter die Aschewolke gesunken war, konnten die Triebwerke wieder atmen. Eines nach dem anderen erwachten sie wieder zum Leben.

Landung blind
Das Martyrium war noch nicht vorbei. Die Asche hatte die Windschutzscheibe fast vollständig beschlagen, und ein Triebwerk vibrierte so stark, dass es erneut abgestellt werden musste. Moody landete die 747 mit drei Triebwerken in Jakarta und konnte die Landebahn durch einen schmalen Streifen klareren Glases am Rand der Windschutzscheibe beobachten. Alle 263 Insassen blieben unverletzt.
Der Vorfall veränderte die Luftfahrt. Vulkanasche, einst eine kaum verstandene Gefahr, wurde zu einer globalen Bedrohung, die überwacht wird. Ein Netzwerk von Vulkanasche-Beratungszentren verfolgt nun Ausbrüche in Echtzeit, sodass kein Flugzeug jemals wieder blindlings in eine Wolke wie die des Galunggung-Vulkans fliegt. Und Eric Moodys Ansage gilt bis heute als Inbegriff von Gelassenheit in Krisensituationen – der Beweis dafür, dass in einer Krise die ruhigste Stimme im Flugzeug oft die beruhigendste ist.
Dokumentation: Die Nacht, in der Flug 9 alle vier Triebwerke verlor.
Im Inneren des Kampfes der Besatzung, die Triebwerke wieder in Gang zu bringen.
Quellen: offizielle Unfallberichte; Flight Safety Australia; Simple Flying; Interviews mit Kapitän Eric Moody.




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