Gemessen an seinen Kampfeinsätzen zählt Hans-Ulrich Rudel zu den außergewöhnlichsten Militärpiloten aller Zeiten. Er flog 2.530 Kampfeinsätze, wurde etwa dreißig Mal abgeschossen, verlor ein Bein und kämpfte dennoch weiter. Er wurde höher dekoriert als jeder andere deutsche Soldat des Zweiten Weltkriegs.
Er war bis zu seinem Lebensende ein unverbesserlicher Nazi, ein Mann, der die Nachkriegsjahrzehnte damit verbrachte, Kriegsverbrechern zur Flucht vor der Justiz zu verhelfen. Seine Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie bemerkenswerte Fähigkeiten und Mut mit einer zutiefst verwerflichen Sache einhergehen können.
Kurzinfo
- Pilot: Hans-Ulrich Rudel (1916–1982), Pilot der Luftwaffe Ju 87 Stuka
- Missionen: 2.530 Kampfeinsätze, überwiegend an der Ostfront
- Mitwirkende: 519 Panzer, das sowjetische Schlachtschiff Marat und Hunderte von Fahrzeugen und Geschützen
- Abgeschossen: Etwa 30 Mal – fast immer durch Bodenfeuer
- Verwundet: Sein rechtes Bein wurde 1945 unterhalb des Knies amputiert; er flog innerhalb weniger Wochen wieder.
- Nach dem Krieg: Ein überzeugter, unbußfertiger Nazi, der flüchtigen Kriegsverbrechern half.
Der Panzerkiller
Rudel machte sich einen Namen mit der Junkers Ju 87 Stuka, dem Knickflügelbomber, der 1940 Europa terrorisiert hatte und Mitte des Krieges bereits gefährlich veraltet war. Tief und langsam über der Ostfront, in das massive sowjetische Flakfeuer, zu fliegen, grenzte an Selbstmord. Rudel tat dies tausende Male.
Deutsche Aufzeichnungen schreiben ihm die Zerstörung von 519 Panzern zu, außerdem das sowjetische Schlachtschiff „Marat“, das er bei einem Angriff im September 1941 schwer beschädigte, sowie einen Kreuzer, einen Zerstörer und Hunderte von Fahrzeugen und Artilleriegeschützen. Selbst wenn man die Unsicherheit der Angaben aus Kriegszeiten berücksichtigt, kam kein anderer Erdkampfpilot auch nur annähernd an diese Leistung heran.

Das Bein und die Medaille
Im Februar 1945 wurde sein rechtes Bein von einer Granate zertrümmert und unterhalb des Knies amputiert. Die meisten Männer hätten den Krieg im Lazarett beendet. Rudel saß jedoch schon nach wenigen Wochen wieder im Cockpit und flog mit einer Beinprothese Kampfeinsätze.

Seine Vorgesetzten hatten keine Medaillen mehr für ihn. Im Januar 1945 erhielt er das Ritterkreuz mit goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten – eine eigens für ihn geschaffene Stufe dieser Auszeichnung, die sonst niemandem verliehen wurde.
Der Teil, der nicht heroisch ist
Hier nimmt die Geschichte eine Wendung. Rudel distanzierte sich nie vom Nationalsozialismus. Nach dem Krieg floh er nach Argentinien, wurde zu einer festen Größe der Neonazi-Szene in Lateinamerika und Westdeutschland und gründete das Kameradenwerk, ein Netzwerk, das flüchtigen NS-Kriegsverbrechern zur Flucht nach Südamerika und in den Nahen Osten verhalf. Er blieb, offen und stolz, das, was er immer gewesen war.
Es ist ein wahrlich schwieriges Vermächtnis. Der RAF-Flieger Douglas Bader, der selbst beide Beine verloren hatte, schrieb das Vorwort zur englischen Ausgabe von Rudels Memoiren. Darin bewunderte er dessen fliegerisches Können, ohne jedoch dessen politische Ansichten zu entschuldigen. Mehr kann ein ehrlicher Mensch nicht tun: Rudels Mut in der Luft war echt, ebenso wie die Sache, der er diente. Beides gehört zusammen.
Quellen: War History Online; Wikipedia; Hans-Ulrich Rudel, “Stuka-Pilot”. Gefechtszahlen sind deutsche Kriegsansprüche.




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