In der Präfektur Aichi gibt es einen Hangar, in dem Japan bereits den fortschrittlichsten Kampfjet zusammenbaut, den es je geflogen hat – den F-35 Lightning II, Die Teile wurden in Lizenz für die japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräfte zusammengebaut. Bald wird in derselben Halle etwas montiert, an dessen Entwicklung Japan maßgeblich beteiligt war: ein Tarnkappenjäger der sechsten Generation, der gemeinsam mit Großbritannien und Italien gebaut wurde.
Tokio hat das Werk Komaki South von Mitsubishi Heavy Industries in Toyoyama als nationales Zentrum für das Global Combat Air Programme (GCAP) ausgewählt. Es ist eine unauffällige, rein industrielle Entscheidung und möglicherweise das bisher deutlichste Zeichen dafür, dass das Programm die Planungsphase hinter sich gelassen hat und nun in die Produktion geht.
Denn ein Kampfflugzeug braucht eine Fabrik. Und mit dieser Wahl hat nun jeder der drei Partner ein Zuhause.
Kurzinfo
- Programm: Globales Kampfluftprogramm (GCAP) – Kampfflugzeug der sechsten Generation
- Partner: Vereinigtes Königreich, Italien, Japan (Kanada trat als erster Beobachter am 21. Juli 2026 bei)
- Montage- und Entwicklungszentrum in Japan: Mitsubishi Heavy Industries, Werk Komaki Süd, Toyoyama, Präfektur Aichi
- Nationale Zentren: Warton (Großbritannien), Turin (Italien), Komaki (Japan)
- Design-Joint-Venture: Edgewing (BAE Systems, Leonardo, Japan Aircraft Industrial Enhancement Co.)
- Ersetzt: Eurofighter Typhoon (Großbritannien und Italien), Mitsubishi F-2 (Japan)
- Ziel-Serviceeintrag: 2035
- Neueste Finanzierungsrunde: 4,6 Milliarden Pfund (ca. 1,4 Billionen Pfund) Entwicklungsvertrag mit einer Laufzeit von 18 Monaten, Laufzeit bis 3. Juli 2026
Eine Fabrik, die bereits in der fünften Generation spricht
Komaki South ist kein riskantes Greenfield-Projekt. Das Werk betreibt die Endmontage- und Prüflinie, die F-35A an die japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräfte geliefert hat, und verfügt daher über Fachkräfte mit Erfahrung in der Fertigung von schwer ortbaren Flugzeugen, engsten Toleranzen und der Integration moderner Kampfflugzeuge.
Die bestehende Basis war, wie allgemein anerkannt, das ausschlaggebende Argument. Britische Ingenieure arbeiten dort bereits gemeinsam mit Mitsubishi-Spezialisten an Elementen der zukünftigen Flugzeugzelle – und Japan trägt einen bedeutenden Anteil an der Konstruktion, nachdem es Ende 2024 die Verantwortung für die Flugzeugstruktur übernommen hat. Japanische Offizielle verweisen auf fortschrittliche Verbundwerkstofftechnologien, die das Strukturgewicht reduzieren und die Tarnkappeneigenschaften verbessern sollen.
Mitsubishi Heavy hat den Kampfjet ganz klar als Kerngeschäft für seine Zukunft bezeichnet – eine bemerkenswerte Kehrtwende, nachdem das Unternehmen seinen schwierigen Versuch, Japans erstes inländisches Passagierflugzeug zu bauen, aufgegeben hatte.

Drei Nationen, drei Heimpflanzen
Das sich abzeichnende Muster ist klar: Großbritannien errichtet sein Werk in Warton (Lancashire), Italien in Turin und Japan in Komaki. Die endgültige Arbeitsteilung zwischen den drei Standorten ist noch nicht unterzeichnet, sodass im Zuge der Weiterentwicklung des Industrieplans einige Montageschritte noch grenzüberschreitend erfolgen könnten.
Die Entwicklung und Konstruktion obliegt Edgewing, dem Joint Venture des britischen Unternehmens BAE Systems, des italienischen Unternehmens Leonardo und der japanischen Aircraft Industrial Enhancement Co. Großbritannien ist federführend bei Avionik und Elektronik, Italien bei der Flugsteuerung und Japan bei der Flugzeugzelle – wobei es viele Überschneidungen gibt. Der Jet soll mit Tarnkappeneigenschaften, einem leistungsstarken Sensorsystem, KI-gestützter Datenfusion und der Steuerung unbemannter Begleitdrohnen ("Loyal Wingman") fliegen und die bisherige Technologie ersetzen. Eurofighter Typhoon im britischen und italienischen Dienst.
Vom Demonstrator bis 2035
In England nimmt die Metallkonstruktion bereits Gestalt an. BAE Systems gibt bekannt, dass die Endmontage von rund der Hälfte der Hauptstruktur seines Combat Air Demonstrators – dem ersten bemannten britischen Kampfflugzeug seit etwa vier Jahrzehnten – abgeschlossen ist. Mehr als 11.500 Teile wurden konstruiert, die etwa 901 Tonnen des Flugzeuggewichts ausmachen. Erkenntnisse aus dem Triebwerksdemonstrator Orpheus fließen in die Entwicklung des GCAP-Triebwerks ein, während in Japan das XF-9-Triebwerk von IHI und ein neues aktives Phased-Array-Radar von Toshiba für den Serienjet weiterentwickelt werden.
Der Prototyp soll 2027 seinen Erstflug absolvieren. Der einsatzfähige Kampfjet soll 2035 in Dienst gestellt werden und den Eurofighter Typhoon und die F-2 als Rückgrat der europäischen und japanischen Luftverteidigung ablösen. Derweil wächst der Kreis der teilnehmenden Länder: Kanada trat dem Programm im Juli als erster Beobachter bei, und auch Australien und Deutschland haben Interesse signalisiert.
Die Schlagzeile ist vorerst kleiner und konkreter als jede Konzeptgrafik. Ein Werk wurde ausgewählt. Die sechste Generation hat ihren japanischen Standort gefunden.
Quellen: Kyodo News / Japan Today; Militarnyi; Pressemitteilung von BAE Systems (22. Juli 2026); Janes; Breaking Defense.




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