Am 23. Mai 1943 bestieg der deutsche Jagdflieger Adolf Galland ein Flugzeug ohne Propeller. Er gab Gas, spürte einen Schub, wie ihn kein Kolbenmotor je zuvor vermittelt hatte, und fand anschließend die einzig passenden Worte: Es war, sagte er, “als würden Engel schieben”. Die Maschine war eine Messerschmitt Me 262, der weltweit erste einsatzfähige Düsenjäger.
Und jetzt kommt das Merkwürdige: Innerhalb eines Jahrzehnts baute dieselbe Firma – Messerschmitt – ein winziges, dreirädriges Auto, das man mit einem Lenker steuerte und durch eine Cockpithaube im Stil eines Jagdflugzeugs einstieg. Vom schnellsten Jagdflugzeug der Welt zum Stadtflitzer für ein bankrottes, besiegtes Deutschland: Die Geschichte von Messerschmitt zählt zu den größten Neuerfindungen der Luftfahrtgeschichte.
| Ursprünge | 1916, Bayern (als Bayerische Flugzeugwerke) |
| Bekannt für | Bf 109 — das meistproduzierte Kampfflugzeug der Geschichte |
| Erster Düsenjäger | Me 262 Schwalbe |
| Die Wendung | Der Kabinenroller (1950er Jahre) |
| Heute | Über MBB und EADS in Airbus integriert |
Aus einer bayerischen Werkstatt
Das Unternehmen wurde 1916 als Bayerische Flugzeugwerke gegründet und war untrennbar mit Willy Messerschmitt verbunden. Seine Leidenschaft galt dem Gewicht. Er propagierte die Philosophie des Leichtbaus, indem er tragende Teile zusammenfasste, um jedes Kilogramm einzusparen, und bewies dies erstmals mit der eleganten kleinen Bf 108 Taifun. Als die Luftwaffe 1935 einen Wettbewerb für Jagdflugzeuge ausschrieb, reichte Messerschmitt einen nach denselben Prinzipien konstruierten Entwurf ein und gewann. Dieses Flugzeug war die Bf 109. 1938 wurde das Unternehmen offiziell in Messerschmitt AG umbenannt.
Der Kämpfer, der einen Krieg prägte
Die Bf 109 wurde zum meistproduzierten Jagdflugzeug der Geschichte – mit rund 34.000 gebauten Exemplaren, mehr als von jedem anderen Jagdflugzeug davor oder danach – und bildete in der ersten Hälfte des Zweiten Weltkriegs zusammen mit der zweimotorigen Bf 110 das Rückgrat der deutschen Jagdfliegerkräfte. Sie kam in allen Kriegsschauplätzen der Luftwaffe zum Einsatz, von der Luftschlacht um England bis zur Ostfront. Ungeachtet der Gründe für ihren Einsatz war sie als technische Meisterleistung von schier unglaublicher Dimension.
Engel und Jets
In den späteren Kriegsjahren hatte Messerschmitt mit dem Düsenantrieb einen Generationssprung gemacht. Die Me 262 Schwalbe war der erste Düsenjäger, der weltweit in den Einsatz kam – schneller als jeder alliierte Jäger, der ihm hätte entgegengesetzt werden können. Allerdings traf sie zu spät und in zu geringer Stückzahl ein, um den Ausgang des Krieges noch zu beeinflussen. Wir haben die ganze Geschichte dieser zum Scheitern verurteilten Revolution in … erzählt. Von Engeln geschoben.
Vom Himmel verbannt
Dann kam der Fall. Zehn Jahre lang, ab 1945, durfte Messerschmitt überhaupt keine Flugzeuge mehr bauen. Das Unternehmen, das die schnellsten Jagdflugzeuge der Welt produziert hatte, musste sich etwas einfallen lassen – irgendetwas. Es stellte Nähmaschinen und Fertighäuser her. Und es gab einem der seltsamsten Fahrzeuge jener Zeit seinen Namen: dem Kabinenroller.“
Die vom Flugzeugingenieur Fritz Fend entworfenen und im Messerschmitt-Werk in Regensburg gebauten KR175 und KR200 waren winzige, dreirädrige Kuppelfahrzeuge. Fahrer und Beifahrer saßen hintereinander unter einer aufklappbaren Plexiglaskuppel und steuerten nicht mit einem Lenkrad, sondern mit einem Lenker. Sie sahen genauso aus, wie sie waren: ein Jagdflugzeugcockpit, das von den Tragflächen abgetrennt und auf drei Räder gestellt worden war. Für Tausende Deutsche in den 1950er-Jahren boten sie eine günstige und wetterfeste Möglichkeit zur Fortbewegung – mit einem unverkennbaren Hauch von Flugfeld.
Die vielen Fusionen
Das Verbot wurde schließlich aufgehoben, und Messerschmitt nahm die Flugzeugproduktion wieder auf – doch die Ära des einzigen nationalen Herstellers neigte sich dem Ende zu. 1968 fusionierte das Unternehmen mit Bölkow und übernahm im Folgejahr die Hamburger Flugzeugbau. So entstand Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), eine tragende Säule der westdeutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. 1989 wurde MBB selbst von der Deutschen Luft- und Raumfahrtbehörde (DASA) übernommen, die wiederum in EADS – dem europäischen Giganten, der heute einfach Airbus heißt – aufging.
So verschwand der Name vom Rumpf, doch das Unternehmen verschwand nie wirklich. Seine Mitarbeiter, Werke und sein Know-how flossen in MBB, in DASA, in Airbus und dessen Anteil am Eurofighter Typhoon ein, der heute den deutschen Luftraum schützt.
Von der Bf 109 bis zu einem Jet, der sich anfühlte, als würden Engel schieben, von einem gescheiterten Unternehmen, das Kleinstwagen baute, bis hin zu einem Eckpfeiler des modernen Airbus – nur wenige Namen in der Luftfahrt sind so oft gestorben und wiedergeboren worden. Das Markenzeichen ist verschwunden, doch Willy Messerschmitts Besessenheit, mit weniger mehr zu erreichen, lebt weiter.
Quellen: Deutsches Museum; Airbus-Unternehmensgeschichte; Simple Flying; Wikipedia.
Verwandte Fragen
Wofür ist Messerschmitt bekannt?
Messerschmitt war ein deutscher Flugzeughersteller, der 1916 in Bayern als Bayerische Flugzeugwerke gegründet wurde. Berühmt ist er für die Bf 109 – das meistproduzierte Jagdflugzeug der Geschichte – und die Me 262, den weltweit ersten einsatzfähigen Düsenjäger. Nach dem Krieg baute das Unternehmen sogar ein winziges dreirädriges Kleinstauto.
Was war die Messerschmitt Bf 109?
Die Bf 109 war ein deutscher einsitziger Jäger, der im Zweiten Weltkrieg zum Rückgrat der Luftwaffe wurde. Rund 34.000 Exemplare wurden gebaut – mehr als von jedem anderen Jäger davor oder danach. Konstruiert nach Willy Messerschmitts Philosophie des Leichtbaus, gewann sie 1935 einen Wettbewerb der Luftwaffe und prägte die deutsche Luftstreitmacht.
Was war die Messerschmitt Me 262?
Die Me 262 Schwalbe war der weltweit erste einsatzfähige Düsenjäger, der von Deutschland gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eingeführt wurde. Als der Jagdflieger Adolf Galland sie am 23. Mai 1943 flog, beschrieb er den Schub so, als würden "Engel schieben". Deutschland entwickelte auch andere radikale Flugzeugtypen, darunter die Me 262 Schwalbe. raketengetriebene Me 163.
Wer war Willy Messerschmitt?
Willy Messerschmitt war der deutsche Flugzeugkonstrukteur, dessen Name untrennbar mit dem Unternehmen verbunden wurde. Seine Leidenschaft galt dem Gewicht: Er setzte sich für Leichtbau ein und fasste tragende Bauteile zusammen, um jedes Kilogramm einzusparen – ein Prinzip, das er erstmals bei der eleganten Bf 108 Taifun unter Beweis stellte. 1938 wurde das Unternehmen offiziell in Messerschmitt AG umbenannt.
Hat Messerschmitt tatsächlich ein Kleinwagenauto gebaut?
Ja. In den 1950er-Jahren, im besiegten und verarmten Deutschland, produzierte Messerschmitt den Kabinenroller – ein winziges, dreirädriges "Bubble Car", das mit einem Lenker gesteuert wurde und über eine Cockpithaube im Stil eines Jagdflugzeugs zugänglich war. Es war eine der bemerkenswertesten Neuerfindungen in der Geschichte der Luftfahrt und machte aus einem Jagdflugzeughersteller einen Produzenten von sparsamen Kleinwagen.
Was geschah mit der Firma Messerschmitt?
Messerschmitt ging schließlich in größeren Unternehmen auf, wurde Teil von MBB und später von EADS, und seine Tradition lebt heute in Airbus fort. Das Unternehmen, das den ersten einsatzfähigen Düsenjäger baute, entwickelte auch verzweifelte späte Kriegsentwürfe wie den Heinkel He 162 Volksjäger, bevor er zu einem Gründungsmitglied von Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern wurde.




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