Jeder erinnert sich an Charles Lindbergh. Fast niemand erinnert sich an die drei Männer, die ein Jahr später den Atlantik auf dem beschwerlichen Weg – gegen den Wind, von Europa nach Amerika – überquerten und dabei beinahe ums Leben kamen. Ihr Flugzeug hieß Bremen, und ihr vergessener Flug war in vielerlei Hinsicht eine kühnere fliegerische Leistung als jener, der Lindbergh zur Legende machte.
Am 12. April 1928 starteten sie von einem Feld außerhalb von Dublin. Sechsunddreißig Stunden später landeten sie auf einem zugefrorenen Teich auf einer winzigen Insel vor der Küste Kanadas, mit kaum noch Treibstoff für zwei Stunden – und schrieben Geschichte.
Kurzinfo
- Flugzeug: Die Bremen, ein Junkers W 33 Eindecker
- Leistung: erste nonstop Atlantiküberquerung von Ost nach West mit einem Flugzeug
- Termine: 12.–13. April 1928; etwa 36,5 Stunden in der Luft
- Crew: Hermann Köhl, Baron von Hünefeld und James Fitzmaurice
- Von / bis: Baldonnel, Dublin nach Greenly Island, Kanada
- Warum es schwierig war: geflogen gegen die vorherrschenden atlantischen Gegenwinde
- Das Flugzeug: Das Exemplar ist erhalten geblieben und wird am Flughafen Bremen aufbewahrt.
Die Grenze nach Lindbergh
Lindbergh war 1927 von New York nach Paris geflogen und hatte dabei die vorherrschenden West-Ost-Winde genutzt. In die entgegengesetzte Richtung, gegen denselben Wind, zu fliegen, war weitaus gefährlicher – und hatte bereits Todesopfer gefordert. Allein im Jahr 1927 waren zehn Versuche, den Atlantik von Ost nach West zu überqueren, gescheitert und hatten sieben Menschenleben gekostet. Die Westüberquerung war die nächste große Herausforderung der Luftfahrt – und eine tödliche.
Ein ungewöhnliches Trio
Die Besatzung war so ungewöhnlich wie die Mission selbst. Hermann Köhl war ein deutscher Pilot, der im Ersten Weltkrieg Bomber geflogen hatte. Baron Ehrenfried Günther von Hünefeld, der adelige Sponsor und Besitzer des Flugzeugs, war ein gebrechlicher Mann, der einst aus gesundheitlichen Gründen von der Luftwaffe abgelehnt worden war. Und Kommandant James Fitzmaurice war der Kommandeur des noch jungen irischen Luftkorps, ein ehemaliger RAF-Pilot, der sich dem Projekt erst in letzter Minute angeschlossen hatte.

Sie starteten um 05:38 Uhr vom Flugplatz Baldonnel bei Dublin, die Bremen ächzte unter der Last von rund fünf Tonnen Flugzeug und 520 Gallonen Benzin, während die Menge jubelte und, ganz im irischen Stil, Weihwasser hinter ihnen verspritzte.
Verloren über dem Eis
Die meiste Zeit über wehte ein günstiger Wind. Doch etwa 900 Meilen vor Neufundland schlug das Wetter um, und die Kompasse spielten verrückt. Die Bremen wurde weit von ihrem Kurs abgetrieben und irrte blind über einem grauen Ozean und anschließend über einer weißen Eis- und Felswüste. Als die Treibstoffanzeigen fast leer waren, setzte Köhl die Maschine auf einem zugefrorenen Teich neben einem Leuchtturm auf Greenly Island vor der Küste Labradors auf. Die Landung beschädigte das Fahrwerk, doch alle drei Besatzungsmitglieder konnten unverletzt aussteigen.

Sechzig Journalisten auf einer gefrorenen Insel
Die Nachricht von der Landung elektrisierte die Welt. Der Buschpilot Duke Schiller erreichte als Erster die gestrandete Besatzung; ein weiterer kanadischer Flieger, Roméo Vachon, flog mit einer Gruppe Reporter ein, und schon bald drängten sich etwa sechzig Journalisten auf der kleinen Insel, um über die Landung zu berichten. Als die Flieger schließlich New York erreichten, bereitete ihnen die Stadt einen triumphalen Empfang. Für einen kurzen, glanzvollen Moment waren Köhl, von Hünefeld und Fitzmaurice die berühmtesten Männer der Luftfahrt.

Die Bremen selbst existiert noch und wird liebevoll auf dem Flughafen der deutschen Stadt, nach der sie benannt wurde, aufbewahrt. Der Flug selbst ist leider nicht so unvergessen wie der von Lindbergh – und genau deshalb ist es wichtig, die drei Männer zu ehren, die den Atlantik in seiner widerspenstigsten Form bezwangen und sicher über das Eis gingen.
Quellen: Wikipedia; HISTORY; Smithsonian Magazine; The Irish Times; Weltluftsportverband (FAI); Ask About Ireland.




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