Stellen Sie sich ein Kampfflugzeug in Form eines Tellers vor. Kein schlanker Pfeil, keine eleganten Flügel – eine dicke, fast kreisrunde Scheibe mit einer aufgeschraubten Glaskuppel und zwei riesigen, sich drehenden Propellern an den Spitzen. Es sieht aus, als würde es über einem Maisfeld schweben und Kühe entführen. Menschen, die es in den 1940er-Jahren fliegen sahen, berichteten tatsächlich von UFOs.
Das war Vought Fliegender Pfannkuchen, Und für einen kurzen, seltsamen Moment glaubte die US-Marine, es könnte die Zukunft der Flugzeugträgerfliegerei sein. Es konnte sich in Fahrradgeschwindigkeit durch die Luft bewegen, ohne abzustürzen, und dann – theoretisch – Geschwindigkeiten von über 640 km/h erreichen. Es war eines der radikalsten Flugzeuge, die Amerika je gebaut hat.
Und die Jagdflugzeugversion, die XF5U, ist nie geflogen. Nicht ein einziges Mal.
Kurzinfo
- Typ: Experimenteller Jagdflieger der US Navy (XF5U-1); die V-173 war sein hölzerner Prototyp.
- Designer: Charles H. Zimmerman, Chance Vought
- Erstflug der V-173: 23. November 1942 (Testpilot Boone Guyton)
- XF5U-1: Zwei wurden gebaut; erreichten aber nie echten Flug
- Konfiguration: nahezu kreisförmiger, sehr schwach gestreckter "Ganzflügel"-Tragflächenkörper mit Flügelspitzenpropellern
- Geschätzte Höchstgeschwindigkeit (XF5U): ungefähr 425-450 Meilen pro Stunde
- Schicksal: Das Projekt wurde am 17. März 1947 eingestellt; die XF5U wurde um 1948 verschrottet; die V-173 ist restauriert und in Dallas erhalten.
Ein Flügel in Form eines Tellers
Der Kopf hinter diesem Wahnsinn war Charles Zimmerman, ein Ingenieur, der von einer ketzerischen Idee besessen war: Was wäre, wenn das gesamte Flugzeug der Flügel wäre? Ein kurzer, gedrungener, fast kreisrunder Flügel hätte eigentlich eine aerodynamische Katastrophe sein müssen, denn winzige Flügel verlieren durch Wirbel an ihren Spitzen viel Auftrieb. Zimmermans Lösung war gewagt. Er schraubte große Propeller direkt an die Flügelspitzen und ließ sie rotieren. gegen diese Wirbel heben den Widerstand auf, der eine solche Form normalerweise stark beeinträchtigt.
Die Ergebnisse waren auf dem Papier spektakulär. Ein Flügel, der nicht ins Trudeln geriet. Ein Flugzeug, das auf kürzester Strecke starten und im Schritttempo dahingleiten konnte – perfekt für ein schwankendes Flugzeugträgerdeck – und dennoch feindliche Jäger jagen konnte. Es war der heilige Gral der Trägerfliegerei, verpackt in die Silhouette einer fliegenden Untertasse.

Um das Konzept zu erproben, ohne gleich das gesamte Budget zu riskieren, baute Vought zunächst einen federleichten Prototyp: die V-173, eine Konstruktion aus Holz und Stoff, die kaum eine Tonne wog und von zwei winzigen 80-PS-Motoren angetrieben wurde. Am 23. November 1942 hob Testpilot Boone Guyton sie über Connecticut ab.
Das Flugzeug, das nicht abkippte
Der kleine Skimmer absolvierte in den folgenden Jahren rund 190 Flüge und hielt, was Zimmerman versprochen hatte. Testpiloten – darunter auch Charles Lindbergh – waren erstaunt, dass sie ihn einfach nicht zum Strömungsabriss bringen konnten. Bei einer Notlandung landete er kopfüber am Strand; der Pilot blieb unverletzt, und das Flugzeug wurde kaum beschädigt.
Es war außerdem langsam, laut und sah völlig anders aus als alles andere am Himmel. Anwohner meldeten ständig Sichtungen von fliegenden Untertassen. Die Marine war begeistert und bestellte ein echtes Exemplar.
Metalite und der Jet, der es zerstörte
Der Jäger XF5U-1 war ein ganz anderes Kaliber: komplett aus Metall, etwa fünfmal so schwer und mit einer ungewöhnlichen Aluminium-Balsa-Verbundkonstruktion namens Metalite überzogen. Zwei große Pratt & Whitney-Sternmotoren, die im Rumpf verbaut waren, trieben die Propeller an den Flügelspitzen über ein komplexes Geflecht aus Getrieben und Wellen an.
Dieses Labyrinth war das Problem. Ständige Vibrationen im Antriebsstrang und die nie gelieferten Propeller hielten die XF5U am Boden. Sie schaffte nur ein paar kurze Rollversuche. Unterdessen hatte sich die Welt um sie herum verändert: Das Jetzeitalter war angebrochen, und ein propellergetriebenes Flugzeug – so raffiniert es auch sein mochte – wirkte plötzlich wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Die Marine stellte das Programm am 17. März 1947 ein.

Das Ende war beinahe grotesk brutal. Die einzige fertiggestellte XF5U war so robust gebaut, dass beim Versuch, sie zu verschrotten, angeblich eine Abrissbirne an der Metallit-Außenhaut abprallte; man musste Schweißbrenner einsetzen. Der Jäger, der nie flog, wurde um 1948 am Boden zerstört.
Ihr hölzernes Vorbild hatte mehr Glück. Vought-Rentner restaurierten die V-173 über acht Jahre hinweg liebevoll, und heute steht sie in einem Museum in Dallas – eine echte fliegende Untertasse, die sich als absolut und wunderbar real herausstellte.
Quellen: Wikipedia; PlaneHistoria; National Air and Space Museum; Frontiers of Flight Museum. Einige Angaben (Motorleistung, Höchstgeschwindigkeit) variieren je nach Quelle und werden als Bereiche angegeben.




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